Bürgerwehren zerschlagen – Mireles wieder frei

José Mireles, eine wichtige Person der Bewegung der autodefenes, der gemeindesbasierten Bürgerwehren, ist vorläufig frei / Bildquelle: anticapitalistas.net
José Mireles, eine wichtige Person der Bewegung der autodefenes, der gemeindesbasierten Bürgerwehren, ist vorläufig frei / Bildquelle: anticapitalistas.net

(Mexiko-Stadt, 21. Mai 2017, poonal).- Nach fast drei Jahren Haft kam am 12. Mai der ehemalige Sprecher der „autodefensas“ (Bürgerwehren) im Bundesstaat Michoacán, José Manuel Mireles Valverde, gegen eine Kaution von 30.000 Pesos (ca. 1.427 Euro) vorläufig frei. Er wird während des laufenden Prozesses gegen ihn jedoch weder das Land noch seinen Bundesstaat Michoacán verlassen können. Der Arzt Mireles war am 27. Juni 2014 zusammen mit Hunderten weiterer Mitglieder autodefensas festgenommen und zuerst im Bundesstaat Sonora und danach im Bundesstaat Nayarit inhaftiert worden. Mireles hatte an der Spitze verschiedener Bürgerwehren gestanden, die sich gegen das organisierte Verbrechen und die Untätigkeit bzw. Komplizenschaft der Behörden in Michoacán zusammenschlossen.

Die anfängliche Duldung durch die mexikanische Bundesregierung und den von Präsident Peña Nieto als Sonderbeauftragten nach Michoacán geschickten Alfredo Castillo endete schnell, als die von Mireles angeführte wachsende Bewegung sich weigerte, vom Staat kooptiert zu werden*. Unter der Anklage des unerlaubten Waffenbesitzes und weiterer Delikte kam es zu den Massenverhaftungen und der weitgehenden Zerschlagung der autodefensas. Gleichzeitig ging die Regierung nur inkonsequent gegen die organisierte Kriminalität vor. Gerade in den letzten Monaten gibt es vermehrt Berichte über ein Wiedererstarken der Drogenkartelle in Michoacán.

Neben Mireles werden knapp 50 weitere Mitglieder der autodefensas ihren Prozess außerhalb des Gefängnisses verfolgen können. Ein Richter senkte die Kaution von 120.000 Pesos auf Summen zwischen 20 bis 60.000 Pesos, die zudem großenteils von der Partei Movimiento Ciudadano übernommen wurden. Viele der Inhaftierten konnten zuvor die Kaution nicht aufbringen. Noch befinden sich etwa 300 „Autodefensas“ in Haft.

* Zur Entstehung der „autodefensas“ und dem komplexen Kontext in Michoacán ist nach wie vor das 2016 im deutschen Unrast-Verlag erschienene Buch „Kommunale Selbstverteidigung. Formen des bewaffneten Widerstandes gegen Mafia und Staat in Mexiko” von Luis Hernández Navarro empfehlenswert.

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