Prozess wegen Mordes an jungem Umweltschützer wird neu aufgerollt

von Markus Plate

Costa Rica Jairo Mora Federación Ecologista(San José, 27. Januar 2016, voces nuestras).- Die costa-ricanische Justiz unternimmt einen weiteren Versuch, den Mord an Jairo Mora aufzuklären und die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Der Umweltschützer war am 31. Mai 2013 an einem Strand an der Karibikküste des zentralamerikanischen Landes zusammengeschlagen, mit einem Geländewagen über den Strand geschleift und schließlich ermordet worden. Seine Begleiterinnen, drei US-amerikanische Freiwillige und eine spanische Tierärztin, wurden zu Opfern sexualisierter Gewalt sowie von Freiheitsberaubung und Raub, kamen aber mit dem Leben davon.

Erster Prozess war ein juristisches Desaster

Jairo Mora hatte seit Jahren für den Schutz der Lederschildkröten in der Provinz Limón um die gleichnamige Hafenstadt an der costa-ricanischen Karibikküste gekämpft. Angesichts der Präsenz des Drogenhandels in der Region, massiven Ausbauplänen für den Hafen von Limón und dem wachsenden Schwarzmarkt für Schildkröteneier hatte sich Mora für ein Schutzgebiet am Strand von Moin stark gemacht, oft nächtelang zum Schutz der Brutstätten an den Stränden der Umgebung patrouilliert und lautstark auf den Eierraub aufmerksam gemacht.

Vor fast genau einem Jahr endete ein erster Prozess in einem juristischen Desaster. Wegen schlampiger Ermittlungen hatte die damalige Richterin Yolanda Alvarado die sieben Tatverdächtigen am 26. Januar 2015 freigesprochen (poonal berichtete). Sowohl der Mord an dem 26-jährigen Biologen, als auch der Freispruch der Angeklagten hatten zu einer beispiellosen Protestwelle in Costa Rica geführt.

Costa Rica: „Weder grün noch sicher“

Zudem wurde das internationale Image Costa Ricas als Vorreiter im Umweltschutz und als Rechtsstaat schwer in Mitleidenschaft gezogen. “Costa Rica ist weder grün, noch sicher”, brachte es die spanische Tierärztin auf den Punkt.

Seit dem 25. Januar wird der Prozess gegen dieselben sieben Tatverdächtigen, die im ebenso lukrativen wie illegalen Handel mit geraubten Schildkröteneiern aktiv gewesen sein sollen – eine Aktivität, die das Engagement von Mora und der Umweltorganisation Widecast offensichtlich beeinträchtigt hatte – wieder aufgerollt. Wieder lautet die Anklage auf Mord, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung. Der Prozess könnte nach Einschätzung von Beobachter*innen drei Monate dauern. Vor allem Angehörige, Freund*innen und Mitstreiter*innen Jairo Moras hoffen auf Gerechtigkeit. Für Costa Rica ist es wohl die letzte Chance, sein ramponiertes Image zumindest ein wenig zu richten.

CC BY-SA 4.0 Prozess wegen Mordes an jungem Umweltschützer wird neu aufgerollt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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