Polizist wegen Mordes an Jugendlichem verurteilt

Foto: Agencia de noticias Bariloche/8300.com.ar(Rio de Janeiro, 22. Juni 2011, púlsar).- Ein Gericht im südargentinischen Bariloche hat den Polizisten Sergio Colombil zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Anklage lautete auf Mord an Diego Bonefoi. Der 15 Jahre alte Junge starb im Juni letzten Jahres in einem marginalisierten Viertel am Rand der touristischen Stadt durch einen Kopfschuss von hinten.

Die Staatsanwaltschaft und die Anklage hatten eine lebenslange Haftstrafe für Sergio Colombil gefordert. Der Verteidiger des Angeklagten hielt dagegen eine maximale Gefängnisstrafe von sechs Monaten für ausreichend. Er argumentierte, dass es sich beim dem Tod des Jungen um einen Unfall gehandelt habe.

Polizei sprach von einem Unfall

Laut Polizeiversion habe sich der Schuss versehentlich gelöst, als der Polizist eine Gruppe Jugendlicher verfolgte, die eines Raubüberfalls verdächtigt wurden. Die Richter der argentinischen Provinz Río Negro schlossen die Möglichkeit eines Unfalls jedoch aus. Sie verurteilten den Polizist wegen “schweren Totschlags“.

Nach dem Tod von Bonefoi hatten die Nachbar*innen gegen das in den Mord verwickelte Kommissariat demonstriert. Diese Demonstration wurde jedoch von einer Spezialeinheit der Polizei aufgelöst und endete mit der Erschießung von zwei weiteren Menschen: dem erst 16-jährigen Nicolás Carrasco und Sergio Cárdenas. Für Menschenrechtsorganisationen sind die Vorfälle ein weiteres Beispiel für die Schießwütigkeit der argentinischen Polizei (“gatillo fácil” ist ein argentinischer Begriff für die missbräuchliche Anwendung von Schusswaffen seitens der Polizei, d.R.).

Anwohner*innen von Bariloche gespalten

Während einige Bürger*innen das Vorgehen der Polizei im Kampf gegen “Kriminalität” unterstützen, fordern Angehörige der Erschossenen Gerechtigkeit und eine Absetzung der Verantwortlichen. Bisher vergeblich: Dem Richter Martín Lozada wurde kürzlich die Untersuchung dieser beiden Morde entzogen. Das Gleiche passierte im Fall Diego Bonefoi. Dies geschah auf Drängen der Verteidigung des Sicherheitsministers von Río Negro, Víctor Cufré und den Chefs der örtlichen Polizei. Lozada hatte es gewagt, diese vorzuladen, um ihre Aussagen aufzunehmen.

(Weitere Infos auf Spanisch gibt es hier)

 

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