Neue Welle der Gewalt drei Jahre nach dem Mord an Samir Flores

Plakat von Samir Flores / Foto: Amy via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

(Amilcingo, 24. Februar 2022, amerika21).- Verschiedene soziale Bewegungen Mexikos haben am vergangenen Sonntag Samir Flores Soberanes gedacht, der am 20. Februar 2019 in Amilcingo im Bundesstaat Morelos ermordet wurde. Der Radio-Aktivist kämpfte gegen das Großprojekt Proyecto Integral Morelos (PIM), das unter anderem eine Gasleitung in der Nähe der Vulkane in Zentralmexiko und ein Wärmekraftwerk in Huexca umfasst. Das PIM ist seit 2012 im Bau und wird seitdem von Protesten und juristischen Einsprüchen begleitet.

Samir Flores gehörte der „Front der Dörfer zur Verteidigung des Bodens und des Wassers von Morelos, Puebla und Tlaxcala“ (FPDTA-MPT) an. Die Organisation hebt in ihrem Bulletin anlässlich des dritten Jahrestags seiner Ermordung hervor, dass die indigenen Dörfer heute von einer Serie von Aggressionen, Gewalt und Morden betroffen seien, die im Zeichen „eines dreisten Narco-Staates“ geschähen. Die FPDTA-MPT bezeichnet die Mordermittlungen in diesen drei Jahren als Hohn, da nur gegen Personen ermittelt werde, die bereits wegen anderer Verbrechen inhaftiert waren. Zudem habe die organisierte Kriminalität in ihren Kommuniqués Anfang des Jahres das Verbrechen an Flores instrumentalisiert, um den Gouverneur von Morelos, Cauhtémoc Blanco, und den Vertrauten der föderalen Regierung, Hugo Erik Flores, zu erpressen: „Die Regierung weiß nicht nur, wer Samir getötet hat, sondern gehört zu den Drahtziehern“, schlussfolgert die „Front der Dörfer“.

Am 11. Februar 2021 wurde der Bauer Francisco Vásquez Domínguez in der Gemeinde Ayala (ebenfalls in Morelos) getötet. Vásquez war Vorsitzender des Aufsichtsrats des Nutzerverbandes des Cuautla-Flusses (Asurco). Einen Tag zuvor gab er in einer Sitzung mit 20 Gemeindevertretern bekannt, dass er vom Präsidenten von Asurco, Rogelio Plascencia, Morddrohungen erhalten hatte, weil er dessen Absetzung wegen Misswirtschaft plane.

Widerständige Bewegungen sind immer stärker bedroht

Vor dem Büro des Asurco befindet sich seit über einem Jahr ein Protestcamp der PIM-Gegnerschaft, nachdem die Nationalgarde eine Mahnwache gegen die Pipeline für das Wärmekraftwerk Huexca räumte. Die FPDTA-MPT betont, dass die Protestierenden nach dem Mord an Vásquez „hoher Gefahr“ ausgesetzt seien.

Die diversen Gedenkveranstaltungen zu Samir Flores standen auch im Zeichen der gewaltsamen Räumung eines Widerstandstreffpunkts im Bundesstaat Puebla. Ein Großaufgebot der Nationalgarde und der Polizei führte die Räumung am 15. Februar 2021 durch. Der Treffpunkt „Altepelmecalli“ wurde letztes Jahr auf dem Gelände der besetzten Fabrik von Bonafont in der Gemeinde de Juan C. Bonilla außerhalb der Stadt Puebla gegründet. Die Besetzung der Einrichtungen des französischen Lebensmittelkonzerns Danone durch Einwohner*innen der umliegenden Dörfer stand im Zeichen der Auseinandersetzung um die zunehmende Trinkwasserknappheit in der Region.

Angesichts der neuen Gewalttaten in Morelos und Puebla macht die FPDTA-MPT auf eine wachsende Repressionswelle gegen Bewegungen aufmerksam, die sich gegen Großprojekte im Land wehren.

CC BY-SA 4.0 Neue Welle der Gewalt drei Jahre nach dem Mord an Samir Flores von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen