Frauenrechtlerin in Bolívar ermordet

Carlota Salinas engagierte sich für die Rechte der Frauen im bewaffneten Konflikt in Kolumbien und für die Frauenorganisation OFP. Foto: Desdeabajo.info

(Berlin, 30. März 2020, comcosur/contagio radio/poonal).- Am 24. März wurde die Frauenrechtlerin Carlota Salinas im nordkolumbianischen Department Bolívar erschossen. Gegen 20.00 Uhr drangen bewaffnete Männer in ihr Haus im Viertel Guarigua in der Gemeinde San Pablo ein, zwangen sie nach draußen und schossen sie dort nieder, berichtete Gloria Amparo Suárez, Anwältin der Frauenorganisation OFP (Organización Femenina Popular) gegenüber Caracol Radio. Ihr Ehemann ist seitdem verschwunden. Salinas engagierte sich für die Rechte der Frauen im bewaffneten Konflikt in Kolumbien und war Aktivistin der OFP.

Die Mutter von drei Kindern hatte nur Stunden vor ihrer Ermordung Geld und Lebensmittel gesammelt, um Familien in ihrem Viertel zu unterstützen, die durch die Covid-19-Pandemie mittellos geworden sind – inmitten der sozialen Quarantäne, die von der Regierung verhängt wurde, um die Ansteckung mit dem Coronavirus zu bremsen. „Allein diese Tat zeigt die Größe und Menschlichkeit von Carlota“, erklärte Gloria Suárez. „Sie war eine Genossin, die sich immer durch ihre Solidarität und die Unterstützung der Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt ausgezeichnet hat“. San Pablo gilt als besonders vom bewaffneten Konflikt betroffene Gemeinde und sollte deshalb von Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum profitieren.

Gemeinden wie San Pablo, Simití und Santa Rosa del Sur sind strategisch wichtig, nicht nur für den Bergbau, sondern auch durch den Río Magdalena und durch die geographische Nähe zu den Departments Antioquia, Cesar und Santander. Seitdem die FARC-Guerilla im Rahmen der Friedensvereinbarungen aus dem Gebiet abgezogen ist, sind dort vor allem die Guerilla ELN und die paramilitärische Organisation AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia) aktiv, aber auch andere bewaffnete Gruppen wie Los Rastrojos, Los Vagos und Los Mellizos.

Die OFP forderte die Regierung auf, die Hintergründe des Mordes aufzuklären und verlangte, „dass der kolumbianische Staat seine Pflicht erfüllt und das Leben derjenigen schützt, die für die Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Würde kämpfen“, so die Anwältin.

Zu Hause bleiben – für soziale Aktivist*innen besonders gefährlich

Für die Anwältin Gloria Suárez beweist der Mord an Carlota Salinas, dass der Staat nicht angemessen für den Schutz und die Sicherheit der sozialen Aktivist*innen sorgen kann – und das in einem gesundheitlichen Notstand, in dem die Menschen eigentlich zu Hause in Sicherheit bleiben sollten. Zu dem Mord an Salinas kommen die Ermordungen der indigenen Anführer der Embera, Omar und Ernesto Guasiruma, die wegen der ausgerufenen Quarantäne zu Hause blieben, sowie der Mord an dem Aktivisten Marco Rivadeneira in Putumayo.

Seit der Unterzeichnung der Friedensverträge 2016 zwischen der Regierung und den FARC erlebt Kolumbien eine neue Welle der Gewalt seitens verschiedener bewaffneter Gruppen und Drogenbanden, die um die Ländereien und Einkommensquellen der ehemaligen Guerilla kämpfen.

Nach UN-Angaben sind seit dem Friedensschluss mindestens 303 soziale Aktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen sowie 173 ehemalige FARC-Kämpfer*innen ermordet worden. Andere Nichtregierungsorganisationen kommen auf weitaus höhere Zahlen. Das kolumbianische Friedensforschungsinstitut Indepaz hat in diesem Jahr bereits über 50 ermordete Aktivist*innen gezählt.

CC BY-SA 4.0 Frauenrechtlerin in Bolívar ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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