Erneut zwei Tote durch Polizeigewalt

Foto: Contagio Radio/Lina Gasca

(Bogotá, 23. Juni 2021, colombia informa/poonal).- Die Proteste in Kolumbien halten weiter an. Dabei sind erneut zwei junge Demonstranten in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá ums Leben gekommen. Beide starben innerhalb von 48 Stunden durch sogenannte nicht-tödliche Waffen, mit denen die umstrittene Spezialeinheit ESMAD gegen die Demonstrant*innen vorging.

Bereits am frühen Morgen des 21. Juni begannen Proteste und Polizeiaktionen im Stadtteil Usme im Südosten der Hauptstadt. Im Viertel Yomasa an der „Brücke der Würde“, die seit Beginn des landesweiten Streiks einer der Schwerpunkte der Proteste ist, blockierten Demonstrant*innen Straßen, den ganzen Tag über wurde von Schüssen und Festnahmen berichtet. 27 Polizist*innen und mindestens 42 Demonstrant*innen wurden dabei verletzt. Gegen 16 Uhr wurde der 33-jährige Jaime Fandiño von einer Tränengasgranate in die Brust getroffen, die offensichtlich aus kurzer Distanz abgeschossen wurde. Von Rettungskräften und Zeug*innen wurde er im Tränengasnebel erstversorgt. Als er schließlich mit öffentlichen Transportmitteln in eine Klinik Santa Librada gebracht werden konnte, war er bereits tot.

Am Abend fand an der Todesstelle eine Trauerkundgebung statt, in der die Teilnehmenden den Staat und die Polizei für seinen Tod verantwortlich machten. Menschenrechtsbeobachter*innen, Sanitäter*innen und Journalist*innen beklagten, zum Ziel von Polizeiübergriffen geworden zu sein.

Nur Stunden später, am frühen Morgen des 22. Juni, starb ein weiterer junger Mann im Stadtteil Suba, am anderen Ende der Stadt. Der Mann soll zwischen 20 und 23 Jahren alt sein, seine Identität war zunächst ungeklärt, genauso wie die Umstände seines Todes. Eine Live-Übertragung auf dem Instagram-Account der „Primera Línea“ von Suba zeigt jedoch eine blutüberströmte Tränengasgranate, die die Polizei abgeschossen und den Mann am Kopf getroffen haben soll. Inzwischen steht fest, dass es sich bei dem Getöteten um Cristian David Castillo handelt. Sein Vater erklärte, Castillo sei nicht Teilnehmer, sondern nur Beobachter der Proteste gewesen.

Eine offizielle Stellungnahme blieb zunächst aus. Der stellvertretende Staatssekretär von Bogotá, Camilo Acero, erklärte via Twitter, die Stadt habe versucht, die Gewalt zu bremsen. Das sei jedoch schwierig, da die Demonstrant*innen darauf bestehen würden, „die Polizei anzugreifen“. In der darauf folgenden Nacht kam es zu erneuten Zusammenstößen zwischen Demonstrant*innen und Polizist*innen des ESMAD. Dabei wurden auch Journalist*innen verletzt.

Inzwischen ist der Sicherheitsminister von Bogotá, Hugo Acero Velásquez, zurückgetreten. Er wird durch den ehemaligen Vizeinnenminister Aníbal Fernández de Soto ersetzt, was als Zeichen für ein noch repressiveres Vorgehen der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt gewertet wird.

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