Erneut paramilitärische Angriffe in Chiapas

Beerdigung des Bauern Lorenzo Gómez Ruiz, erschossen am 10. Januar in der Hochlandgemeinde Aldama. Foto: Chiapasparalelo/Isabel Mateos

(Aldama, 15. Januar 2022, amerika21).- Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist die Hochlandgemeinde Aldama erneut unter Beschuss von paramilitärischen Gruppierungen aus der Nachbargemeinde Chenalhó geraten. Zwischen dem 7. und 10. Januar registrierten lokale Menschenrechtsorganisationen 49 Angriffe mit Schusswaffen gegen acht Dörfer von Aldama.

Am 9. Januar erlitt der Bauer Javier Hernández de la Torre einen Streifschuss am Kopf, er ist zurzeit in einem Krankenhaus in San Cristóbal in Behandlung. Hernández de la Torre ist Unterstützer der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN). Tags darauf traf eine Kugel den Bauern Lorenzo Gómez Ruiz auf dem Weg in seine Gemeinde Juxtón, wenig später erlag er seinen Verletzungen.

Jahrzehntelanger Konflikt

Vordergründig geht es bei dem Konflikt zwischen den Gemeinden Aldama und Chenalhó im von Tsotsil-Indigenen bewohnten Hochland um 60 Hektar Land im Grenzgebiet, ausgelöst durch eine widersprüchliche staatliche Grenzziehung zwischen den Gemeinden. Doch auch nachdem Aldama einen guten Teil des strittigen Landes abgetreten hat, dauern die Schüsse von der anderen Talseite in Richtung Aldama an.

In einem Kommuniqué verurteilen die Dörfer von Aldama die Untätigkeit der staatlichen Behörden, welche den seit Jahren immer wieder aufflammenden Angriffen keinen Einhalt gebieten, und warnen vor einer Eskalation wie in den 1990er Jahren. Damals operierten paramilitärische Gruppierungen im Zuge der Aufstandsbekämpfung unter der Schirmherrschaft der Armee. Eine Strategie, die 1997 im Massaker von Acteal in Chenalhó gipfelte, bei dem 45 Menschen, mehrheitlich Frauen und Kinder, ermordet wurden.

Staatliche Behörden untätig

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) der Organisation Amerikanischer Staaten ordnete für die Gemeinden von Aldama im Jahre 2018 und erneut 2021 kollektive Schutzmechanismen an, was die Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador bisher jedoch nicht umsetzte. Von offizieller Seite verurteilte bislang nur die Nationale Menschenrechtskommission (CNDH) Mexikos die neuen Attacken „energisch“ und versprach eine Untersuchung.

Das mexikanische Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) fordert in einer Eilaktion die Behörden auf, der Straflosigkeit und Gewalt ein Ende zu setzen. Erst im November 2021 flohen kurzzeitig rund 3.000 Bewohner*innen von Aldama in die Berge, um einer Welle von Angriffen zu entkommen.

Die Eilaktion von Frayba kann per Unterschrift und Verbreitung unterstützt werden.

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