Aktivistin der Guarani ermordet

Portrait von Estela Vera Guarani 2016 von der Anthropologin Lauriene Seraguza. Foto: Lauriene Seraguza/Instituto Socioambiental/Brasil de Fato

(Lábrea, 19. Dezember 2022, brasil de fato).- Am 15. Dezember erschossen Männer mit großkalibrigen Waffen die 67-Jährige Gebetsleiterin und indigene Anführerin Estela Vera Guarani in ihrem Haus im Südosten Brasiliens. Ihr Sohn, der am Tatort war, konnte entkommen. Der Mord wurde im indigenen Schutzgebiet Yvy Katu in der Gemeinde Japorá im Bundesstaat Mato Grosso do Sul verübt. Das Yvy Katu-Schutzgebiet ist ein „Tekoha“, ein heiliges Land, das von den Indigenen zurückerobert wurde. Es ist bereits als Schutzgebiet festgelegt, muss aber noch vom brasilianischen Präsidenten anerkannt werden.

Die Organisation Aty Guasu, die die indigenen Guarani-Kaiowá vertritt, geht davon aus, dass Estela Vera ein Opfer von Farmern geworden ist, die in das zurückerlangte Gebiet eingedrungen seien, um Soja anzubauen und Rinder zu züchten. Wie der zur brasilianischen Bischofskonferenz gehörende Indigenen-Missionsrat CIMI berichtet, ist dies bereits der fünfte Mord in diesem Jahr, der an den Guarani in den Konfliktgebieten in Mato Grosso do Sul registriert wurde.

Stillstand bei Anerkennung von Schutzgebieten verstärkt Gewalt

Während der Regierung von Jair Bolsonaro nutzten Landwirte die Blockade der Demarkationsprozesse durch die brasilianische Indigenenbehörde Funai aus und starteten einen erneuten Angriff auf dieses Gebiet. In dem Yvy Katu-Gebiet „werden alle indigenen Führungspersönlichkeiten von den Landwirten mit dem Tod bedroht“, schrieb Aty Guasu. „Im Moment wird das Land des Yvy Katu-Gebietes wieder von den Farmern eingenommen und illegal besetzt“, so die indigene Organisation.

Die Polizei des Bundesstaates Mato Grosso do Sul hat den Fall Estela Vera als Feminizid registriert, aber bisher wurde noch niemand verhaftet. Aty Guasu forderte, dass die Ermittlungen an die Bundespolizei übergeben werden und betonte, dass auch andere führende Persönlichkeiten bereits Morddrohungen erhalten haben. Der Grund dafür sind die Anzeigen der Indigenen gegen die illegale Verpachtung von Land in ihrem angestammten Gebiet.

Die Pachtverträge werden häufig unter Beteiligung andere Indigener durchgeführt, die von der wirtschaftlichen Macht des Agrarbusiness kooptiert werden. „Durch ihren Widerstand gegen die Verpachtung leiden die Indigenen und ihre Familien täglich unter Drohungen und Nötigungen. Diese werden durch ein Netzwerk ausgeübt, an dem Behörden, Farmer und andere wirtschaftliche und politische Kräfte in der Region beteiligt sind, die alle von der Verpachtung profitieren. Daher wird vermutet, dass Estelas Mord mit dem Konflikt mit Sojaproduzenten, Viehzüchtern und Pächtern zusammenhängt“, schrieb der Indigenen-Missionsrat.

Neue Berichte über illegale Verpachtung

Cimi weist auch auf die Hypothese der religiösen Intoleranz hin, da Estela eine wichtige geistliche Führungspersönlichkeit bei der Rückeroberung war. „Die Kirchen in Mato Grosso do Sul mit einem eher konservativen Profil dienten als Überträger für Bolsonaros gewalttätige und völkermordende Ideologie, auch innerhalb der Dörfer, und förderten die weitere Verfolgung von betenden Männern und Frauen“, so die Organisation.

Die Organisation Aty Guasu hat erneut auf Berichte über die illegale Verpachtung von indigenem Land in Yvy Katu aufmerksam gemacht, wo Estela Vera ermordet wurde. „Wir verlangen Gerechtigkeit und eine ernsthafte bundesstaatliche Untersuchung des begangenen Mordes“, schrieb die Vereinigung der Guarani-Kaiowá in einer Mitteilung.

Übersetzung: Martina Maigret

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