„Wir werden Chile neu gründen“

Die Mapuche-Aktivistin Elisa Loncón. Foto: Medio a Medio

(Santiago de Chile, 4. Juli 2021, poonal).- Elisa Loncón Antileo ist eine in Chile geborene Mapuche und Hochschullehrerin, Sprachwissenschaftlerin, Aktivistin für indigene Völker und Politikerin. Am 4. Juli 2021 wurde die 58-Jährige zur Präsidentin der verfassunggebenden Versammlung in Chile gewählt. Dort hielt sie eine emotionale Rede.

„Ein Gruß an alle Brüder und Schwestern, an alle Menschen, an Chile. Mein Gruß richtet sich an diejenigen, die im Norden Chiles oder in Patagonien leben, an alle Menschen in Chile vom Ozean bis zur Kordillere und auf den Inseln, an alle, die uns hören. Wir Lamngen, Brüder und Schwestern, wir danken denen, die sich verbündet haben, die uns Mapuche ihr Vertrauen entgegengebracht haben, deren Träume sich auch wiederfinden in unserem Aufruf, eine Mapuche, eine Frau zu wählen, um die Geschichte dieses Landes neu zu schreiben.

Wir sind glücklich, dadurch gestärkt zu werden. Aber diese Kraft steht allen Teilen der Bevölkerung Chiles zu, allen Sektoren, allen Regionen, allen Nationen und indigenen Gemeinschaften, allen Brüdern und Schwestern, allen Organisationen, die uns begleiten. Unsere Grüße und unser Dank richten sich auch an alle diejenigen, die sexuelle Vielfalt und Diversität leben und an alle Frauen, die gegen jedes System der Herrschaft angehen.

Wir sind dankbar für die Etablierung einer pluralistischen, demokratischen, partizipativen Form des Umgangs miteinander. Und so wird dieser Konvent, dem ich vorstehe, Chile verändern. Er wird es zu einem plurinationalen, interkulturellen Chile machen, in dem die Rechte der Frauen und der Pflegekräfte geachtet werden, und in dem die Mutter Erde und das Wasser vor jeder Vereinnahmung geschützt werden.

Ein besonderer Gruß geht an die Mapuche im Wallmapu (Region im Süden Chiles, in der viele Mapuche leben, Anm. d. Ü.). Dieser Traum ist der Traum unserer Vorfahren. Dieser Traum wird jetzt Wirklichkeit. Schwestern und Brüder, Genossinnen und Genossen, es ist möglich, Chile neu zu organisieren, eine neue Beziehung aufzubauen zwischen den Mapuche, den anderen indigenen Gemeinschaften und allen Nationen in diesem Land.

Wir werden Chile neu gründen

Das erste Zeichen dafür ist, dass der Verfassungskonvent partizipativ sein wird. Wir haben gesagt, wir wollen einen rotierenden, einen kollektiven Vorsitz, der allen hier vertretenen Sektoren Raum gibt. Wir alle zusammen werden dieses Chile neu gründen!

Wir müssen Demokratie und Teilhabe ausweiten und diesen Prozess bis in den letzten Winkel Chiles transparent machen, auch in allen indigenen Sprachen, die im chilenischen Staat bisher vernachlässigt wurden.
Für das Recht unserer indigenen Nation, aller Regionen, der Mutter Erde, des Wassers, der Frauen, der Kinder. Ich möchte meine Solidarität mit anderen Gemeinschaften ausdrücken, die leiden: wir haben aus den Medien vom Leid der indigenen Kinder in Kanada erfahren. Es ist beschämend, wie der Kolonialismus die indigenen Gemeinschaften angegriffen hat und noch immer ihre Zukunft bedroht.

Wir sind solidarisch, und deshalb konnten wir erfolgreich sein!

Mein tiefer Dank gilt der Machi Francisca Linconao, der Autorität der Mapuche, für ihre Unterstützung. Ich danke auch meiner Mutter, die aus ihrer Gemeinde im Lefweluan auf mich schaut, und die es erst möglich gemacht hat, dass ich heute hier stehe. Brüder und Schwestern, der Dank gilt allen Frauen, die für die Zukunft ihrer Kinder kämpfen.

Zuletzt grüße ich auch die Kinder, die uns zuhören, damit wir ein neues pluralistisches, mehrsprachiges Chile gründen, zusammen mit allen Kulturen, Gemeinschaften, Territorien und auch mit den Frauen ! Das ist unser Traum für eine neue Verfassung! Marichiweu!“

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Kommentare zu „„Wir werden Chile neu gründen““;

  1. Eine Philippika gegen den tödlichen ,drohenden Rassismus . Pinochet ist immer noch in den dunklen Herzen.Welch ein Manifest dieser wunderbaren Frau!
    Er.m

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