Licht am Ende des Tunnels: Jahrestag der „Großen Flucht“

Foto: elsiglo.cl

(Santiago, 29. Januar 2021, resumen.cl).- Am 29. Januar 1990, wenige Monate nachdem Augusto Pinochet sich aus dem Regierungspalast La Moneda zurückgezogen hatte, gelang 49 politischen Gefangenen die Flucht aus dem Staatsgefängnis von Santiago. Mit ihrer in der Presse als „Massenausbruch“ und „ größte Flucht in der Geschichte Chiles“ bezeichneten Aktion gaben die Häftlinge die letzten Tage der zivil-militärischen Diktatur der Lächerlichkeit preis.

Die Operation erforderte enorme logistische Feinarbeit und Koordinationsgeschick. In Schichtarbeit musste ein etwa 60 Meter langer Tunnel gegraben werden, der vom Gefängnis bis auf die Straße führte. Für die Fertigstellung des Fluchtwegs wurde eine Bauzeit von mehr als einem Jahr angesetzt. Den Häftlingen standen lediglich Gegenstände des täglichen Gebrauchs zur Verfügung: Messer, Gabeln, Drähte und Löffel. Die fast 50 politischen Gefangenen, die schließlich durch den Tunnel entkommen konnten, wurden zum Sinnbild des kontinuierlichen Widerstands des chilenischen Volkes gegen das diktatorische Regime.

„Die Operation war ein voller Erfolg“

Bei der Koordinierung des Ausbruchs hatte die marxistisch-leninistische Untergrundaktion „Frente Patriótico Manuel Rodríguez“ eine wesentliche Rolle gespielt. „Um zehn Uhr abends ging es los. Im Abstand von zwei Minuten verließen wir nach und nach das Gefängnisgelände und gelangten jenseits der Absperrung auf die Straße, wo unsere Leute auf uns warteten“, erinnert sich der kommunistische Aktivist Rafael Pascual. „Dicht an die Mauer gedrückt, damit die Gefängniswärter uns nicht sehen, zogen wir die Häftlingskleidung aus, darunter trugen wir schon die normalen Klamotten, und stiegen in den Bus, der auf uns wartete. Die Operation war ein voller Erfolg. Um Mitternacht waren wir alle in sicheren Häusern. Der Tunnel wurde erst um drei Uhr morgens entdeckt“.

Die „große Flucht“ gelang am Vorabend des Machtwechsels und der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Patricio Aylwin im Anschluss an die erfolgreichen NO!-Kampagne, auch sie ein Ausdruck des beharrlichen Kampfs des chilenischen Volks, das sich trotz Repression und Einschüchterung organisiert und für seine Rechte eintritt.

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