Indigene Kämpfe in Amerika – ein 527 Jahre alter Widerstand

Foto: Reinaldo Ortega/servindi

(Lima, 12. Oktober, servindi) Der 12. Oktober ist ein Trauertag für die indigenen Völker Amerikas. Doch auch ein Tag des Widerstands und des Kampfes, der sich etwa in Argentinien in der territorialen Verteidigung und in der Ablehnung der Ausbeutung von Lithium und Kohlenwasserstoff, gegen den enormen Bergbau und den Agrarhandel mit gentechnisch veränderten Pflanzen ausdrückt. Die indigen Völker klagen an, dass ihre in der nationalen Gesetzgebung und in internationalen Menschenrechtsabkommen verankerten Rechte missachtet werden. 527 Jahre nach der Ankunft von Christoph Kolumbus in Abya Yala (die Gemeinschaften fordern die Nutzung des ursprünglichen Namens zur Bezeichnung des Kontinents) mobilisieren sich die indigenen Dörfer und Gemeinschaften der Mapuche und rufen zum Widerstand gegen die Vertreibung auf.

Die Versammlung der indigenen Gemeinschaften und freien Indigenen von Jujuy begann am 4. Oktober in Yavi mit einem „Marsch für Wasser und Leben“ und endete am 12. Oktober in San Salvador von Jujuy. 8 Tage lang durchquerten sie, ihre Ablehnung gegen den enormen Bergbau und die fehlende Anwendung indigener Rechte ausdrückend, um die 10 Städte, darunter La Quiaca, Abra Pampa, Humahuaca, Tilcara, Purmamarca und Tumbaya. „Landrat Gerardo Morales: Schluss mit der Verletzung indigener Rechte“ liest sich auf dem Banner, das den Marsch anführt.

Geltendes Recht soll endlich umgesetzt werden, so fordern es die indigenen Gemeinschaften

„Mit der Invasion im Jahre 1492 wurde Abya Yala mit Blut und Feuer unterworfen. Die ursprünglichen Nationen wurden ausgeplündert. Diese Geschichte setzt sich heute mit einer  die Extraktion natürlicher Ressourcen fördernden Politik und neoliberalen Plünderung fort“, so die Anklage von Seiten der Bibliothek der Anden «Ñawpayachaykuna», die die Forderungen mitträgt. Raúl Sajama von der Versammlung der Gemeinden stellt klar, dass sich die Forderungen genauso an die aktuellen Politiker*innen der Provinzen und auf nationaler Ebene richtet wie an die, die am 10. Dezember die Ämter übernehmen werden.

Diese Woche wurde der erste Nobelpreis in Chemie für die wissenschaftliche Entwicklung der Lithium-Batterien bekannt gegeben. Journalistische Anmerkungen feierten die großen Mineralreserven Argentiniens und Akademiker*innen verschiedener Bereiche veröffentlichten ihre Arbeiten mit Vorschlägen zum Lithium-Abbau. Über die sozialen und umweltbelastenden Konsequenzen für die Abbauregionen wurde nicht gesprochen. In den großen Salzwerken (Jujuy und Salta) wehren sich die Gemeinden Kollas und Atakama seit einem Jahrzehnt gegen das Eindringen von Unternehmen, die versuchen, das Leben und die Arbeit der Gemeinschaften auszubeuten.

Der runde Tisch der ursprünglichen Gemeinschaften der Talsenke von Guayatayoc und Salinas Grandes fordert die Umsetzung des geltenden Rechts (Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation), das eine vorherige und aus freien Stücken zustimmende Mitteilung der Gemeinschaften vorschreibt. Dies bedeutet, dass ohne die Zustimmung der Gemeinschaft weder ein Unternehmen noch der Staat indigenes Territorium betreten darf.

Während die Klimakrise und die Person Greta Thunberg breite mediale Aufmerksamkeit erfahren haben, trifft das auf die indigenen Völker, die für die Biodiversität des Planeten kämpfen und diese beschützen, nicht zu. „Schon seit immer warnen wir vor dem Desaster, in das uns die Regierungen und multinationalen Konzerne stürzen, aber sie wollten und wollen uns nicht zuhören“, bestätigt Argentina Paz Quiroga, Sprecherin des Volks der Warpe in San Juan.

Der Klimawandel ist auch in den indigenen Communities ein wichtiges Thema

Sie erinnert daran, dass direkte Verantwortliche für den Klimawandel gebe, mit verschiedenen Gesichtern je nach Region: „Barrick Gold, ein großer Bergbaukonzern, ist ein klares Beispiel für die Klimazerstörung. Und leider ist dies die Politik des Staates, die sich durch die  verschiedenen Parteifarben durchzieht.“.

Im Süden rief das Parlament der Mapuche des Río Negro dringend dazu auf, gerichtliches Versagen nicht hinzunehmen und sich den Versuchen der Umsiedlung zu widersetzen. „Mit außerordentlich massiven Maßnahmen versucht die Justiz des Rio Negro, die Leute umzusiedeln trotz voller Rechtsgültigkeit des Notstandgesetzes Indigener Gemeinschaften (26160), das die Aufhebung aller Umsiedlungsurteile vorschreibt, klagt die Koordinatorin der Mapuche in einer Erklärung.

In einem nie dagewesenen Eifer in fünf Tagen haben die Richter*innen verschiedener Distrikte Natalia Costanzo, Diego de Vergilio und Sergio Pichetto-Marcos Burgos die Umsiedlung der Gemeinden Pino Quiñe (am Ufer des Flusses Colorado), Newen Kurruf (Catriel) und Buenuleo (Bariloche) angeordnet. Die Organisation der Mapuche hat formal eine Sitzung des Obersten Gerichtshofes gefordert, um „in Erfahrung zu bringen, ob das indigene Recht Gültigkeit [in Rio Negro] besitzt“ oder ob die lokale Justiz entschieden hat, nationales Recht und internationale Abkommen außer Acht zu lassen.

Sie erinnerten an den Versuch der Umsiedlung mit Unterstützung von Einheiten der argentinischen Sicherheitskräfte in der Gemeinde Lafken Winkul Mapu, bei dem der Jugendliche Rafel Nahuel durch einen Schuss in den Rücken getötet wurde. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als Widerstand gegen die Polizeikräfte zu leisten, die uns umsiedeln wollen. Wir sind nicht bereit, diese Ungerechtigkeit passiv hinzunehmen, die sich über die nationale Verfassung, das Abkommen 169 mit der Internationalen Arbeitsorganisation und regionale Gesetze hinwegsetzt“, warnt die Mapuche-Organisation.

Amnesty International sammelt seit vier Jahren alle territorialen Konflikte in den indigenen Gebieten in einer interaktiven Karte. Bisher gab es 250 Fällen von Beschlagnahmung, die sehr unterschiedlich aussahent: Lithium in Jujuy, Salta, Catamarca und San Luis; Petroleum in Vaca Muerta (Neuquén, Río Negro, Mendoza), Agrarhandel in der gesamten argentinischen Provinz Chaco, Großbergbau in den Kordilleren; Wasserkraft in Misiones, La Pampa, Chubut und Santa Cruz. Dies sind einige der Bedrohungen, unter denen die indigenen Gebiete leiden.

Die Karte wird von der Nationalen Kommission für Indigenenpastoral  (Endepa), dem Friedens- und Gerechtigkeitsdienst (Serpaj), des Verbands der Anwält*innen für Indigene Rechte (AADI), sowie weiteren Organisationen unterstützt.

„Die indigenen Gemeinschaften fordern die Einhaltung ihrer Rechte gegenüber staatlichen Institutionen (kommunal, provinziell, national), Unternehmen (landwirtschaftlich, des Bergbaus, der Ölförderung, Tourismus – und andere -) und der geltenden Vorschriften durch Richter*innen und Staatsanwält*innen der Justizgewalt, die beachten müssen“, erklärt Amnesty International.

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