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(Berlin, 27.12.2025, npla).- Ein tödlicher Schneefall fällt mitten im Sommer über Buenos Aires. So beginnt El Eternauta – als Comic und als Netflix-Serie. Was zunächst wie eine klassische Science-Fiction-Erzählung wirkt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über Überleben, Freundschaft und kollektiven Widerstand in einer Welt, die aus den Fugen gerät.
Tödlicher Schneefall im Sommer
Die Handlung setzt an einem scheinbar gewöhnlichen Freitagabend im Dezember ein. In Buenos Aires liegt das Jahresende in der Luft, Stromausfälle kündigen einen unerträglichen Sommer an, Straßenblockaden und Proteste mit Kochtöpfen gehören zum Alltag der Großstadt. Vier Freunde treffen sich, hören Rockmusik aus den Siebzigern und spielen Truco, das traditionelle Kartenspiel vom Río de la Plata. Ihre eingespielte Routine aus Freundschaft und Loyalität scheint unerschütterlich – bis plötzlich Schnee fällt. Mitten im Sommer. Der Schnee ist phosphoreszierend, tödlich für alle, die ihn berühren. Er bringt Chaos, Tod und ist der Auftakt zu einer außerirdischen Invasion. Parallel dazu ist Clara, die Tochter des Protagonisten Juan Salvo, mit Freundinnen auf einem Segelboot unterwegs. Auch sie werden vom giftigen Schneefall überrascht. Die Katastrophe trifft die Menschen unvorbereitet und aus nächster Nähe – genau darin liegt die besondere Kraft dieser Geschichte.
El Eternauta wird erfolgreiche Netflix-Produktion
El Eternauta wurde 1957 von Héctor Germán Oesterheld geschrieben und von Francisco Solano López gezeichnet. Die Graphic Novel gilt bis heute als eines der wichtigsten Werke der argentinischen und lateinamerikanischen Comicgeschichte. Erzählt wird die Geschichte eines ganz gewöhnlichen Mannes, Juan Salvo, der gemeinsam mit seiner Familie und seinen Freunden ums Überleben kämpft. Die Handlung beginnt im Stadtteil Vicente López, nördlich von Buenos Aires, beim Kartenspiel unter Freunden – kurz bevor der Strom ausfällt und die Welt, wie sie sie kennen, zusammenbricht. 2020 kündigte Netflix an, El Eternauta als internationale Serie zu adaptieren. Regie führte der argentinische Filmemacher Bruno Stagnaro, bekannt durch „Pizza, birra, faso“ und die Kultserie „Okupas“. Die Serie feierte 2025 einen sofortigen Erfolg – in Argentinien, Lateinamerika und darüber hinaus. Gelobt wurden die Schauspieler, die Effekte und die zeitgemäße Umsetzung, aber auch die anhaltende Stärke der ursprünglichen Geschichte.
Das Persönliche wird zum Motor des Widerstands
Einer der Hauptdarsteller ist der uruguayische Schauspieler César Troncoso. In der Serie spielt er Alfredo „el Tano“ Favalli, eine neugierige, widersprüchliche und erfinderische Figur. Troncoso betont, wie wichtig die behutsame Aktualisierung des Stoffes war: Figuren wurden komplexer, die Handlung in die Gegenwart verlegt, zentrale Beziehungen neu gedacht. Juan Salvo zieht nicht los, um zu kämpfen – sondern um seine Tochter zu finden. Das Persönliche wird zum Motor des Widerstands. Troncoso, geboren in Montevideo, arbeitete für Film, Theater und Fernsehen in mehreren Ländern Südamerikas. Bekannt wurde er unter anderem durch Filme wie „El viaje hacia el mar, „El baño del Papa“ und „XXY“. 2025 erhielt er beim BAFICI den Preis für die beste schauspielerische Leistung sowie den Martín-Fierro-Preis als bester Nebendarsteller für seine Rolle in El Eternauta.
Eine Katastrophe aus der Perspektive ganz normaler Menschen

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Die Geschichte von El Eternauta ist eng mit dem Leben ihres Autors verbunden. Héctor Germán Oesterheld war Geologe, Wissenschaftsvermittler und einer der bedeutendsten Autoren der argentinischen Comicgeschichte. Sein Werk ist geprägt von Kritik am Kapitalismus, am Individualismus und am Kolonialismus. In den 1970er-Jahren schloss er sich der linken Organisation Montoneros an, ebenso wie seine Töchter. Alle wurden von der Militärdiktatur entführt und ermordet. Oesterheld verschwand 1977, nachdem er das Drehbuch zu El Eternauta II im Untergrund beendet hatte. In Echtzeit erzählt El Eternauta von einer Katastrophe aus der Perspektive ganz normaler Menschen. Es ist eine Geschichte vom Überleben, vor allem aber von Freundschaft und Solidarität. Analoge, alte Dinge gewinnen plötzlich wieder an Wert – „das Alte funktioniert“. Wenn große Systeme versagen, entstehen kreative, kollektive Lösungen. Der Held ist kein Einzelner, sondern eine Gemeinschaft. Oder, wie es die Geschichte selbst sagt: „In El Eternauta rettet sich niemand allein.“ Und vielleicht ist es genau das, warum sie uns bis heute etwas zu sagen hat.
Die Serie „El Eternauta“ ist Stand Dezember/Januar 2025/26 weiterhin bei Netflix verfügbar – eine klare Empfehlung der Matraca-Redaktion.
Zu diesem Thema gibt’s auch Audiobeiträge: auf Spanisch und Deutsch.
Hier findest du noch mehr Infos zum Eternauta-Autor Héctor Germán Oesterheld.
El Eternauta goes Netflix von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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