Mitglieder von Spezialeinheit des Mordes an Migrant*innen beschuldigt

Einer der Fundorte der 19 ermordeten Migrant*innen, ein ausgebrannter Pickup / Foto: desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 7. Februar 2021, npla).- Anfang Februar wurden in Tamaulipas ein Dutzend Polizeibeamte, unter ihnen Mitglieder der Spezialeinheit GOPES (Grupo de Operaciones Especiales), verhaftet. Das teilte die Staatsanwaltschaft des nordmexikanischen Bundesstaates mit. Den Beamten wird Beteiligung an der Ermordung von 19 Migrant*innen vorgeworfen.

Knapp zwei Wochen zuvor hatten Polizist*innen die verkohlten Leichen der Migrant*innen in zwei ausgebrannten Fahrzeugen nahe der Gemeinde Camargo entdeckt. Dem Polizeireport zufolge wurde die Polizei über einen brennenden Pickup-Truck informiert. Einwohner*innen von Camargo hätten darüber hinaus ausgesagt, die Migrant*innen seien von Mitgliedern des Cártel del Noreste, den ehemaligen Zetas, in einem Haus in ihrer Gemeinde entdeckt, umgebracht und danach an die Grenze zum Nachbarbundesstaat Nuevo León gebracht worden.

Zweifel an der offiziellen Version des Tathergangs

An dieser Version des Tathergangs wurden allerdings Zweifel laut. Der Bürgermeister der guatemaltekischen Gemeinde, aus der zwei der Opfer stammten, berichtete von Überlebenden des Massakers. Diesen soll die Flucht über die Grenze in die USA gelungen sein. Nach Angaben der Überlebenden ist der Wagen der Ermordeten aufgrund einer Panne zurück geblieben. Später hätten sie Schüsse gehört, berichteten sie nach Ankunft in den USA ihren Verwandten in Guatemala.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Migrant*innen Opfer einer Auseinandersetzung zwischen zwei in den Menschenhandel verwickelten kriminellen Banden wurden, an welcher die verhafteten Polizist*innen beteiligt waren. Letztere sollen nicht nur den Tatort manipuliert haben, sondern zum Teil auch direkt an dem Massaker beteiligt gewesen sein.

Grenze zwischen Sicherheitskräften und organisiertem Verbrechen fließend

In Mexiko sind die Grenzen zwischen Sicherheitskräften und dem organisierten Verbrechen fließend. So gingen die Zetas aus einer durch die USA für den Kampf gegen die Drogenkartelle ausgebildeten Spezialeinheit hervor. Desertierte Mitglieder dieser Elitetruppe dienten nicht nur als bewaffneter Arm des Golf-Kartells, sondern gründeten später auch ihr eigenes Drogenkartell.

Oft werden Migrant*innen von Mitgliedern der Drogenkartelle oder für diese arbeitende Beamte entführt um Lösegeld zu erpressen, sie zur Prostitution oder den Transport von Drogen über die Grenze in die USA zu zwingen. Nicht selten ermorden die Entführer ihre Opfer, um sich unliebsamer Zeugen zu entledigen.

Spezialeinheit GOPES berüchtigt für ihre Brutalität

Seit der Gründung von GOPES gibt es immer wieder Berichte über Übergriffe und schwere Menschenrechtsverletzungen. Anfang des Jahres überfiel die Spezialeinheit den Ort Mier, drang in mehrere Häuser ein und verhaftete vier Männer, von denen zwei immer noch als verschwunden gelten. Aus Angst vor weiteren Übergriffen sind 25 Familien aus Mier geflohen.

Der Anwalt der Geflohenen erinnert daran, dass die Mitglieder der Spezialeinheit zuvor dem Centro de Análisis, Inteligencia y Estudios de Tamaulipas angehörten. Dieses wurde aufgelöst, weil Mitarbeiter*innen 2019 an einer außergerichtlichen Hinrichtung beteiligt waren und deren Tatort im Nachhinein manipuliert hatten. GOPES wurde daraufhin im August 2020 gegründet.

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