Neues Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Kraft getreten

Javier Silva und Jaime Nazar waren das erste Paar, die das neu in Kraft getretene Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Anspruch nahmen – hier bei einem anschließenden Empfang im Präsidentenpalast / Foto: Presidencia Chile

(Santiago de Chile, 10. März 2022, Medio a Medio).- Am Morgen des 10. März fand in Chile die erste Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares statt. Im Standesamt gaben sich Javier Silva und Jaime Nazar nach dem neuen Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe das Ja-Wort. „Wir wissen, dass dies ein enorm wichtiger Schritt für dieses Land ist“, sagten die frisch Vermählten nach der Zeremonie, an der auch Regierungsmitglieder und führende Vertreter*innen von Organisationen für die Anerkennung sexueller Vielfalt teilnahmen.

In Begleitung von Vertreter*innen der LGBTIQ*-Gemeinschaft und von Organisationen, die sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen, drückte das Paar die Freude darüber aus, dass ihre Ehe anerkannt wurde und es nun möglich ist, eine Familie zu gründen. Jaime Nazar erklärte: „Wir wissen, dass dies ein enormer Schritt für dieses Land ist. Wir sind sehr stolz und empfinden es als großes Privileg, hier sein zu dürfen. Wir hoffen, dass wir hiermit die gesamte Community vertreten können. Das Land beginnt nun, die Gleichstellung aller Geschlechter aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“

„Unsere Kinder werden eine bessere Zukunft haben“

Derweil sagte Nazars Ehemann Javier Silva, das Paar sei „all denen dankbar, die vor uns da waren und dies möglich gemacht haben. Wir danken den Stiftungen, die es uns ermöglicht haben, hier zu sein, die unsere Familie unterstützt haben und die jetzt behaupten können: „Ja, wir sind eine Familie.“ Außerdem bedanken wir uns dafür, dass unsere Kinder die gleichen Bedingungen und eine bessere Zukunft haben werden, in der sie nicht diskriminiert werden, weil sie zwei Väter haben, die sich lieben“.

Das neue Gesetz ermöglicht es außerdem, beiden Ehepartner*innen das Sorgerecht über die Kinder zuzugestehen. Dazu sagte Silva: „Deshalb haben wir gekämpft und unsere Beziehung öffentlich gemacht: um zu zeigen, dass wir ein Paar und eine Familie sind, dass wir Kinder haben wie alle anderen auch und dass sie das Recht haben, ihre Eltern zu haben. Wir wollen zeigen, dass wir auch die Verantwortung haben, uns um sie zu kümmern und für ihre Sicherheit zu sorgen – egal, was einem von uns passiert“.

Eine jahrzehntealte Forderung wird nun endlich umgesetzt

Das erste Paar, das dieses Verfahren zum Schutz beider Ehepartner*innen abgeschlossen hat, waren Consuelo und Pabla, die betonten, dass die Regelung einer Ungerechtigkeit ein Ende setzt, von der vor allem die Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern betroffen waren: „Alle Kinder haben die gleichen Rechte. Das ist etwas, das leider bis jetzt verletzt wurde – zu einer Zeit, in der diese Unterschiede nicht mehr bestehen sollten. Heute ist Josefa kein uneheliches Kind mehr. Heute wird es keine unehelichen Kinder mehr geben“, sagte Consuelo.

Isabel Amor, Direktorin der Stiftung Iguales, erinnerte daran, dass „1973 zum ersten Mal öffentlich die Forderung nach einer gleichberechtigten Ehe erhoben wurde. Am heutigen Tag haben wir diesen historischen Moment erreicht. Ich möchte betonen, dass der grundlegende Aspekt der gesetzlichen Ehe mit Kindern zu tun hat: Kinder sind von grundlegender Bedeutung für die Gesellschaft, sie sind das Herz, die treibende Kraft der Menschen und sie sind Menschen, die Rechte haben.“

Währenddessen sagte der Sprecher der Bewegung Integración y Liberación Homosexual, Rolando Jiménez: „Wir erleben seit Jahren dramatische Situationen der Diskriminierung, insbesondere in Bezug auf Söhne und Töchter. Für sie und für die Paare, die den chilenischen Staat verklagt haben, die Schutzanträge gestellt haben, die unzählige Male zum Standesamt gegangen sind, um einen Termin zu beantragen und denen dieses Recht verweigert wurde: Dieser Moment ist für sie alle.“

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