„Die Rechte von trans Personen müssen anerkannt werden”

„Quote für trans Frauen in Arbeitsverhältnissen“ (Foto: Jules Geißler)

(San José, 31. März 2020, npla).- Das Leben für trans Frauen in Costa Rica ist gefährlich. Wie in anderen Teilen der Welt sind sie vielfacher Diskriminierung ausgesetzt.Einem Großteil der trans Frauen bleibt nichts anderes übrig, als ihren Körper auf der Straße zu verkaufen. Oft hängt dies damit zusammen, dass trans Frauen über geringere Schulabschlüsse und kaum soziale Auffangnetze verfügen. Sie werden von ihren Familien verstoßen und von der Gesellschaft als abnormal dargestellt. Eine Studie des costa-ricanischen Gesundheitsministeriums von 2018 besagt zudem, „dass jede vierte trans Frau in dem mittelamerikanischen Land HIV-positiv ist“.

Doch langsam bewegt sich etwas, meint die Ttans Aktivistin Dayana Hernandéz, die 2009 mit einer Gruppe von fünf weiteren trans Frauen den Verein Transvida gründete. Heute ist der Verein Anlaufstelle für mehr als 100 trans Personen, die die Weiterbildungs- und Aufklärungsprogramme des Vereins nutzen. Laut Dayana wurde der Verein aus der Notwendigkeit heraus gegründet, das „Überleben von trans Frauen zu schützen“, die lange Zeit in der Gesellschaft nicht als Frauen angesehen wurden. Währenddessen schoben sich Institutionen die Verantwortung gegenseitig zu, „weil niemand sich für sie einsetzen wollte“. Deshalb nahmen sie es selbst in die Hand und forderten vom Nationalen Fraueninstitut (INAMU), dass sie offiziell als Frauen anerkannt werden. Laut Dayana war dies notwendig, um beispielsweise Gewalt anzuzeigen und, wenn sie „von einem Mann geschlagen werden, zur Polizei gehen zu können“.

Sexarbeit ist oft die einzige Einnahmequelle, die den Frauen* übrig bleibt“

Schätzungen zufolge zählt sich rund ein Prozent der Bevölkerung Costa Ricas zur Gruppe der trans Personen; Personen, die sich nicht mit ihrem biologisch zugeschriebenen Geschlecht identifizieren. Für viele Jahre waren trans Personen quasi unsichtbar, Sexarbeit ist bis heute fast die einzig mögliche Einnahmequelle, die ihnen bleibt. Dayana selbst verkaufte mehr als 15 Jahre ihren Körper auf den Straßen der Hauptstadt San José. Die heute 35-Jährige verließ nach der Grundschule aufgrund von Mobbing die Schule, auch von Seiten ihrer Familie bekam sie keinerlei Unterstützung. Sexarbeit ist für sie aber keine Arbeit wie jede andere, für sie ist sie immer mit Ausbeutung verbunden. Ein Machtungleichgewicht, welches ganz klar durch Geld geregelt wird, wenn ein Kunde also kein Kondom benutzen will und weitere Forderungen stellt, so kann man ihrer Meinung nach nicht behaupten, dass dies ein Geschäft sei, sondern Gewalt.

Doch es gibt auch andere Meinungen, wenn es um das Thema Sexarbeit geht. Die Organisation La Sala veröffentlichte 2017 eine Studie, in der sie die mehrfache Diskriminierung von Sexarbeiter*innen herausarbeitete. Zum einen sind sie Frauen und zum anderen ist ihre Tätigkeit nicht als offizielle Arbeit anerkannt, wodurch sie keinen Zugang zu sozialen Absicherungen und Schutz vor Gewalt haben. Deshalb setzt sich die Organisation für die Legalisierung von Sexarbeit ein.

Yobet Barrantes, Mitglied der Organisation La Sala und selbst Sexarbeiterin, betont die Notwendigkeit der Legalisierung, da sie als Frauen nicht nur „hüftabwärts existieren“ und keine Frauen mehr seien, weil sie ihre Körper verkaufen. Genau wie bei jedem anderen Beruf wollen sie ihre Rechte auf Sozialversicherung und Rente geltend machen.

Die Rechte von trans Personen müssen anerkannt werden”

Trotz unterschiedlicher Auffassungen über die Sexarbeit haben doch beide Organisationen das Ziel die Situation der Personen, die ihren Körper auf der Straße verkaufen zu verbessern und die Rechte dieser Personen anzuerkennen. Seit 2016 arbeiten die Organisationen auch an gemeinsamen Projekten. Sie verteilen kostenlos Kondome an die Sexarbeiter*innen und klären sie über ihre Rechte auf. Zudem hat sich das Angebot Transvidas in der Unterstützung von trans Personen seit 2009 stark ausgeweitet. Sicherheit, Gesundheit und Bildung sind die drei Hauptthemen des Vereins. Dies versuchen sie durch eine politische Einflussnahme durchzusetzen.

Durch den unermüdlichen Aktivismus der LGBT+-Bewegungen kommt es langsam zu einem Paradigmenwechsel. 2018 wurden in Costa Rica zwei wichtige Gesetze erlassen. Zunächst die Namensänderung im Ausweis: Trans Personen können eine Änderung ihres Namens beantragen, ohne dabei vorweisen zu müssen, dass sie eine physische Geschlechtsangleichung haben vornehmen lassen. Außerdem werden seit 2018 Hormonbehandlungen für den Transitionsprozess zur Geschlechtsangleichung von der costa-ricanischen Sozialversicherung übernommen.

Dayana selbst stellte sich bei der Wahl 2018 als Abgeordnete für die linke Partei Vamos auf, verfehlte die Kanditatur jedoch knapp. Die Aktivistin ist zufrieden mit dem Fortschritt der letzten zehn Jahre, sagt aber auch, dass noch viel Arbeit auf sie wartet und dass sich ein realer Wandel erst in 5 bis 10 Jahren zeigen wird.

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