Zu hohe Anzahl von Geburten durch Kaiserschnitt

So ästhetisch ist ein Kaiserschnitt. Foto: Adital(Fortaleza, 25. Juni 2014, adital).- Laut des im Januar veröffentlichten Jahresberichts 2014 des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF werden 40 Prozent der Kinder in Lateinamerika und der Karibik per Kaiserschnitt geboren. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen – laut WHO sollten die Geburten durch Kaiserschnitt 15 Prozent nicht überschreiten.

Brasilien ist das Land mit der weltweit höchsten Kaiserschnitt-Rate: 50 Prozent der Kinder werden auf diesem Wege geboren, gefolgt von Mexiko (46 Prozent). In Privatkliniken können sich die Kaiserschnittgeburten auf bis zu 90 Prozent belaufen. Spezialisten warnen vor den Risiken dieser Operation für Mutter und Kind. Außerdem sei die Mehrheit dieser Eingriffe unnötig.

Kaiserschnitt aus ästhetischen Gründen

Nach Meinung der WHO ist ein Kaiserschnitt gerechtfertigt, wenn die Geburt nicht auf normalem Wege erfolgen kann und das Leben von Mutter und Kind in Gefahr ist. Wie zum Beispiel im Falle von Blutungen durch eine abgelöste oder fehlgelegene Plazenta, einer Schwangerschaftstoxikose, einem vorzeitigen Blasensprung, eines ungewöhnlich großen Babys oder bei Mehrlingsschwangerschaften.

Die Gründe für einen Anstieg der Kaiserschnittgeburten sind ästhetischer Art; außerdem die Angst vor Schmerzen sowie die Annehmlichkeiten einer genauen Planung des Eingriffs. Dazu kommt, dass diese Art der Operationen in Privatkliniken gehäuft durchgeführt wird, da die Kosten, die abgerechnet werden können, sehr viel höher sind als die einer normalen Geburt.

Der Fall Brasilien

Die dem Gesundheitsministerium angegliederte Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) hat zwischen Februar 2011 und Oktober 2012 auf nationaler Basis eine Umfrage über Geburten durchgeführt mit dem Namen ‚Nacer en Brasil – Zur Welt kommen in Brasilien‘. Laut dieser Umfrage denken viele Frauen, dass sich die Vagina bei einer Geburt vergrößere. Daher sehen sie im Kaiserschnitt eine passende Alternative.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 29. Mai 2014 veröffentlicht und zeigen, dass es sich bei 52 Prozent der insgesamt 23.940 Geburten um Kaiserschnittgeburten handelte. In Privatkliniken stieg die Zahl auf 88 Prozent an. Laut der Koordinatorin der Umfrage, María do Carmo Leal, ist die „erhöhte Zahl an Kaiserschnitten auf eine in Brasilien verwurzelte Kultur zurückzuführen, dass dieser Eingriff die beste Möglichkeit sei, ein Kind zu bekommen. Außerdem haben viele Frauen Angst vor den Schmerzen.“

Ein erstaunliche Tatsache der Studie ist, dass fast 70 Prozent der Frauen zu Beginn der Schwangerschaft eine Geburt auf natürlichem Wege bevorzugten, letztlich jedoch ungefähr 60 Prozent ihr Kind per Kaiserschnitt zu Welt brachten.

Bequemer für ÄrztInnen

„Sicherlich wird während der medizinischen Betreuung vor der Geburt ein gewisser Einfluss auf die Entscheidung der Frauen genommen, aber auch Freundinnen und Familienmitglieder wirken auf deren Meinung ein. Man muss aber immer wieder darauf hinweisen, dass es sich bei der Annahme, der Kaiserschnitt wäre die sicherste Form der Geburt, um einen Irrtum handelt“, fügte Leal hinzu. „Für die Ärzte sind die Kaiserschnittgeburten bequemer, weil sie ihren Tagesablauf dementsprechend organisieren können und nicht in einem nicht planbaren Moment – wie während der Geburt eines jeden Babys – zur Verfügung stehen müssen. Es stimmt, dass Ärzte eine Frau überzeugen können, sich einem Kaiserschnitt zu unterziehen, aber es ist auch wahr, dass das ganze System darauf abgestimmt ist, diese Art der Geburten zu fördern“.

Für Leal „sind öffentliche Kampagnen notwendig, aber ebenso müssen die Frauen aktiv werden und sich über die Geburt und das Risiko eines Kaiserschnitts informieren. Es muss eine Änderung der Einstellung (der Frauen) und in der medizinischen Kultur geben“.

CC BY-SA 4.0 Zu hohe Anzahl von Geburten durch Kaiserschnitt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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