Guayaquil: Leichen können nicht bestattet werden

Angestellte in Schutzkleidung bringen am 1. April den Sarg mit einer mutmaßlich an Covid-19 verstorbenen Person auf einem Friedhof. Foto: Servindi

(Lima, 2. April 2020, Servindi).- Geschlossene Bestattungsinstitute, Leichen in den Straßen. Angst davor, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren. So sieht es zur Zeit in der zweitgrößten ecuadorianischen Stadt Guayaquil aus, die zum Wuhan Lateinamerikas werden könnte.

In Guayaquil ist der erste positive Fall des neuen Coronavirus in Ecuador aufgetaucht. Es handelte sich um eine in Spanien lebende Ecuadorianerin, die am 14. Februar über den internationalen Flughafen José Joaquín de Olmedo nach Guayaquil eingereist ist. Nachdem sie Fieber und andere Symptome gezeigt hatte, wurde bei ihr am 29. Februar Covid-19 diagnostiziert. Daraufhin ordnete die damalige Gesundheitsministerin Catalina Andramuño an, 80 Personen nachzuverfolgen, mit denen die Patientin in Kontakt war.

Am 16. März wurden in Ecuador bereits 58 positiv mit dem Coronavirus getestete Personen registriert. Davon wurden 28 aus Guayaquil gemeldet, neun in Babahoyo, acht in der Hauptstadt Quito, vier in Durán und jeweils ein Fall in anderen Städten.

In seinem neuesten Bericht vom 2. April hat das ecuadorianische Gesundheitsministerium 3.163 positive Corona-Fälle und 120 an Covid-19 Verstorbene registriert. Insgesamt sind 9.604 Personen getestet worden. Aus der Provinz Guayas mit der Hauptstadt Guayaquil wurden 2.243 positive Fälle und 82 Tote gemeldet.

Über 2.000 Tote in Guayas befürchtet

Angesichts der steigenden Zahlen von Infizierten und Verstorbenen hat Präsident Lenin Moreno eine Sondereinheit eingerichtet, die das Einsammeln der Leichen koordinieren soll. Diese Einheit wird von Jorge Wated geleitet. Auf einer Pressekonferenz erklärte Wated, die Zahl der insgesamt geborgenen Leichen sei von 30 auf 150 pro Tag gestiegen. Die Einheit arbeite daran, dass „jede Person würdig und in Einzelgräbern bestattet“ werde. „Die Gesundheitsexperten haben uns leider gesagt, dass sie in den kommenden Monaten von 2.500 bis 3.500 (an Covid-19) Verstorbenen allein in der Provinz Guayas ausgehen. Darauf bereiten wir uns vor“, so Wated.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur EFE seien die Bestattungsinstitute mit ihrer Arbeit überfordert. Selbst die kleinsten Unternehmen „weigern sich, diese Arbeit durchzuführen, aus Angst, sich anzustecken, weil die Todesursache unbekannt ist. Problematisch ist zudem, dass es landesweit ab 14.00 eine tägliche, 15-stündige Ausgangssperre gibt, was die Bearbeitung der Todesfälle erschwert. Das soll mit einer Ausdehnung der Arbeitszeiten für bestimmte Berufe gelöst werden“, so die Nachrichtenagentur.

Wie die Agentur AFP berichtet, befinden sich vor den öffentlichen und privaten Gesundheitszentren zahlreiche Bürger*innen, die die Herausgabe der Leichen ihrer Angehörigen fordern, sowie Kranke, die darauf warten, behandelt zu werden. Zudem mehren sich die Beschwerden, dass die Zahl der tatsächlich Verstorbenen höher liege als offiziell angegeben.

CC BY-SA 4.0 Guayaquil: Leichen können nicht bestattet werden von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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