Rückkehr des Präsidenten nach Honduras verhindert. Armee schießt auf Demonstranten.

von Harald Neuber

(Darmstadt, 06. Juli 2009, amerika21.de).- Tegucigalpa/San Salvador. Mindestens zwei Menschen starben am Sonntagnachmittag (Ortzeit), als die Armee am internationalen Flughafen der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa das Feuer auf regierungstreue Demonstranten eröffnete. Zehntausende Menschen hatten am Wochenende die Rückkehr des gewählten Präsidenten Manuel Zelaya gefordert, tausende wollten ihn am Flughafen in Empfang nehmen.

Bei den Schüssen auf die Menschenenge starb nach Berichten lokaler Medien auch ein 16-jähriger Junge. Nach seiner späteren Ankunft in San Salvador sprach Zelaya den Angehörigen der Todesopfer sein Beileid aus.

Zelaya, der am 28. Juni Opfer eines Militärputsches wurde, hatte versucht, aus Washington mit einer venezolanischen Zivilmaschine nach Honduras zurückzureisen. Begleitet wurde er von dem Präsidenten der UNO-Vollversammlung, Miguel D´Escoto. Die Putschistentruppen verhinderten jedoch die Landung des Passagierflugzeuges, indem sie mehrere Fahrzeuge quer auf die Landebahnen stellten. Die venezolanischen Piloten drehten nach mehreren Landeversuchen ab und nahmen Kurs auf Nicaragua, um dann nach El Salvador weiterzufliegen. Nach eigenem Bekunden hatte der Tower in Tegucigalpa den Piloten der Maschine mit Zelaya und D´Escoto an Bord zuvor mit dem Abschuss gedroht.

In El Salvador verurteilte Zelaya das gewaltsame Vorgehen der Putschisten gegen die Bevölkerung. „Die Übergriffe vom heutigen Sonntagnachmittag verstärken die Schande dieser De-Facto-Regierung, weil sie damit ihren fehlenden Respekt von den Menschenrechten unter Beweis stellt“, sagte der 57-jährige. Kriminelle dürften nicht an der Spitze eines Landes stehen, fügte er an. Als „rechtmäßiger Präsident“ wies er die Armee an, die Repression gegen die Bevölkerung einzustellen.

Zelaya wurde bei seiner Pressekonferenz in El Salvador von den Staatsoberhäuptern von Argentinien und Ecuador, Cristina Fernández und Rafael Correa, begeleitet. Auch die Präsidenten von El Salvador und Paraguay, Mauricio Funes und Fernando Lugo, sowie der UNO-Politiker D´Escoto und der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, José Miguel Insulza, waren bei der Konferenz anwesend.

Nach den Geschehnissen von Sonntag wird die Verabschiedung einer gemeinsamen „Erklärung von San Salvador“ erwartet. Zelaya kündigte indes an, nach Beratungen mit seinem Amtskollegen erneut eine Rückreise nach Honduras zu versuchen. Der Generalsekretär der OAS bekräftigte die Forderung der Regionalorganisation nach einer Rückkehr Zelayas. Dies sei nicht nur sein Recht als Präsident, sondern auch als Bürger des Landes. Die Verfassung von Honduras verbietet die „gewaltsame Ausbürgerung“ von Staatsbürgern.

Die Putschisten waren noch am Sonntagnachmittag selbstsicher aufgetreten. Bei einer Pressekonferenz in Tegucigalpa versicherte der zivile Kopf des Regimes, Roberto Micheletti, die Lage im Land sei ruhig. Die regierungstreuen Demonstranten hätten nichts zu befürchten.

International ist das Micheletti-Regime inzwischen völlig isoliert. Auf Kritik reagieren die Machthaber aggressiv. Der Außenminister der Putschisten, Enrique Ortéz, nannte den US-Präsidenten Barack Obama in einem Interview mit dem honduranischen TV-Kanal 5 ein „Negerchen (negrito), das keine Ahnung hat“. Auch den spanischen Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero griff der Chefdiplomat der Putschisten an. Im Ausland wird diese nationalistische Rhetorik gegen die internationale Kritik mit zunehmender Beunruhigung gesehen.

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