Kolumbien: Wieder zwei soziale Anführer getötet

Kondolenzschreiben für Familie und Wegbegleiter*innen des Ermordeten José Manuel Pana
Bild: ONIC

(Lima, 16. September 2019, Telesur).- In den kolumbianischen Regionen Cauca und La Guajira wurden zwischen dem 14. und 16. September mindestens zwei führende Vertreter indigener bzw. zivilgesellschaftlicher Gruppen ermordet: Henry Cayuy und José Manuel Pana Epieyú. Die Nationale Organisation Indigener in Kolumbien ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) verurteilte über ihren Twitter-Account beide Vorfälle, die sie in einem Hashtag als „indigenen Genozide“ bezeichneten.

Zwei Morde innerhalb von zwei Tagen

Der Mord an Cayuy ereignete sich im Resguardo de Vitoncó im Osten des Cauca. Dort wurde er vor den Augen seiner Ehefrau und seines Sohnes von einem vorbeifahrenden Motorrad aus getötet. Laut dem Regionalen Indigenen Rat im Cauca CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca) haben die indigenen Autoritäten der Region Ermittlungen aufgenommen, um die Verantwortlichen aufzuspüren.

José Manuel Pana Epieyú, Sprecher der indigenen Wayuu, wurde am 13. September auf der Landstraße zwischen Maicao und Riohacha in La Guajira angehalten und gezwungen, aus seinem Fahrzeug zu steigen. Wenige Augenblicke später wurde er erschossen. Laut Polizeiangaben habe die Familie verhindert, dass das polizeilichen Verfahren umgehend eingeleitet werden konnte und nahm die Leiche mit. Der Verstorbene war aktives Mitglied im Autonomen Zusammenschluss führender Sprecher für die Menschenrechte (Junta Autónoma Mayor de Palabreros por los Derechos Humanos) und Anführer in Karaquita, einer indigenen Schutzzone im Umland von Maicao. Der indigene Anführer wurde für sein Geschick geschätzt, in einem von Gewalt geprägten Land, Konflikte durch Worte friedlich zu lösen.

Soziale Aktivisten in verschiedenen Teilen des Landes bedroht

Im Departamento Antioquía werden Sprecher*innen sozialer Gruppen per Whatsapp, durch Anrufe und mit Flugschriften eingeschüchtert. Für das laufende Jahr haben bereits 75 Menschenrechtsaktivist*innen Morddrohungen gegen sie zur Anzeige gebracht. Viele haben aus Sicherheitsgründen ihren Wohnort verlassen.

Regionen wie Bajo Cauca und Valle de Aburrá gelten als militärisch umkämpfte Zonen illegaler Gruppierungen, die dort um die Kontrolle von Territorien und Handelswege für Drogen kämpfen. Laut der Menschenrechtsorganisation Sumapaz sind im Jahr 2019 bereits elf soziale Aktivist*innen in Antioquía bei gewaltsamen Übergriffen ums Leben gekommen.

Óscar Yesid Zapata, Sprecher der NGO Nodo Antioquía, macht die Regierung für das hohe Risiko verantwortlich, dem die sozialen Anführer*innen ausgesetzt sind, da sie keine Sicherheiten gewährleiste. Er unterstrich weiter, dass die Bedrohungen überwiegend mit den Alternativen zu illegalen Pflanzungen in Zusammenhang stehen würden.

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