Klimaschutz: „Leuchtturmprojekt“ setzt auf althergebrachte indigene Techniken

Fragwürdig: Die Förderung der Ölpalme

Ein Beispiel dafür ist der CO2-Handel, der zur Förderung von fragwürdigen Agrarprojekten führt. „In Guatemala hat die Einrichtung großer Plantagen von Zuckerrohr oder der Afrikanischen Palme zur Vertreibung von indigenen Gemeinden geführt“, beklagt Sucuqui. Das Problem dabei sei, dass der Anbau der aus Afrika stammenden Ölpalme im Rahmen des CO2-Handels als förderungswürdig eingestuft wurde. „Sie sagen, die Palme sei ein Baum, speichere CO2 und produziere Sauerstoff.

Sucuquí versteht nicht, wieso der Anbau dieser Palme als klimapolitisch förderungswürdig gilt, während die riesigen Monokulturen zugleich die Lebensbedingungen vor Ort sowie die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen. Es müssten auch die Schäden berücksichtigt werden, die diese Plantagen in den Gemeinden verursachen, argumentiert der Aktivist: „Sie schaden dem Land, dem Wasser und auch der biologischen Vielfalt. Viele Indígenas werden heute von ihrem Land vertrieben und sind gezwungen, in die Städte umzuziehen. Dort ist es aber sehr schwierig, Arbeit zu finden und den Lebensunterhalt zu finanzieren“, so Sucuqui.

Naturschutzgebiete führen zur Vertreibung von Indigenen

Nicht nur der Handel mit Kohlendioxid, der den Richtlinien der Klima-Vereinbarungen zufolge den Ausstoß von Treibhausgasen vermindern soll, ist umstritten. Auch andere Maßnahmen zum angeblichen Schutz der Umwelt sind aus Sicht der ansässigen Bevölkerung nichts anderes als eine Verletzung ihrer Rechte. Zum Beispiel die Einrichtung von Naturschutzgebieten. Oft werden diese Schutzgebiete just dort eingerichtet, wo indigene Gemeinden ansässig sind. Obwohl diese meist im Einklang mit der Natur leben, droht ihnen, im Namen des Umweltschutzes von ihrem Land vertrieben zu werden.

Die guatemaltekische Aktivistin Isabel Solís kritisiert diesenscheinheiligen Umweltschutz: „Wir fragen uns, warum Schutzgebiete nicht dort eingeführt werden, wo keine Indigenen leben?“ Die Antwort gibt Solís selbst: „Wo keine Indígenas leben, gibt es keinen Naturschutz, denn dort wurde bereits alles zerstört. Durch die Unternehmen, die dort den Reichtum ausgebeutet haben.“

ASECSA: Umweltschutz im Einklang mit Menschenrechten

Für Henry Sucuquí muss Klimapolitik ebenso wie effektiver Umweltschutz im Einklang mit den Menschenrechten stehen. Er arbeitet in der nord-guatemaltekischen Stadt Quetzaltenango in dem Projekt ASECSA, das die Lebensweise der Bewohner*innen und die lokale Landwirtschaft auf die Folgen des Klimawandels einstellt. Es geht dabei also nicht um eine Verhinderung des Klimawandels, sondern um Anpassung an klimatische Veränderungen, die bereits geschehen sind.

Ziel der Projektarbeit ist es, im Einklang mit der Natur die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. „Die Zahl der schweren Unwetter hat in Guatemala stark zugenommen, was vor allem die ärmsten Menschen in Mitleidenschaft zieht“ berichtet Sucuqui. Für diese Fälle hat ASECSA Anpassungsmaßnahmen entwickelt: Sucuqui zählt auf: „Wiederaufforstung, Bodenschutz gegen Erosion und von unseren Vorfahren überlieferte Techniken wie Terrassenfeldbau oder lebende Zäune.“

Vorsorge durch Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft

Solche Anpassungsmaßnahmen sind Teil der Klimaverhandlungen, die Ende dieses Jahres in Paris in ein neues globales Abkommen münden sollen. Noch ist umstritten, wie sie finanziert werden sollen. Für die von Unwettern oder Dürren am meisten betroffenen Menschen ist die Anpassung oft überlebenswichtig. Das Bundesumweltministerium und Organisationen der Entwicklungshilfe unterstützen sogenannte „Leuchtturm-Projekte“, um die Anpassung an Klimaveränderungen zu fördern. Es geht dabei um Hilfe zur Selbsthilfe und um die Rückbesinnung auf althergebrachte Techniken.

„Wir unterstützen die Menschen dabei, sich zur Vorbeugung von Katastrophen in Komitees zu organisieren und Nachbarschaftshilfe zu leisten“ so Sucuqui. Zu diesen Anpassungsmaßnahmen gehöre auch die Rückbesinnung auf traditionelle Praktiken, die verloren gegangen sind. „Die Techniken unserer Vorfahren sind sehr gut für die Anpassung an den Klimawandel geeignet. Zum Beispiel die Wahrung von Saatgutvielfalt, der Schutz des Bodens vor Feuchtigkeitsverlust oder die Berücksichtigung der Mondphasen für die Aussaat“, erklärt Sucuqui.

Für die Menschen in Guatemala findet der Klimawandel bereits statt. Sie können nicht mehr darauf warten, bis sich die Politiker*innen in Industrie- und Schwellenländern auf neue Schadstoffgrenzen einigen. Deswegen setzten sie auf Umweltschutz und auf nachhaltige Landwirtschaft.

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