Friedensgemeinde San José de Apartadó weiterhin Verfolgung ausgesetzt

von Karol Assunção

(Fortaleza, 07. Dezember 2009, adital).- Nach wie vor sieht sich die kolumbianische Friedensgemeinde San José de Apartadó Drohungen und Gewalttaten ausgesetzt, ohne dass die Behörden etwas unternehmen. Dabei hat die Friedensgemeinde wiederholt öffentlich auf die Verfolgungen hingewiesen, denen sie ausgesetzt ist, zuletzt in einem öffentlichem Schreiben vom 3. Dezember.

Demzufolge seien allein im vergangenen November drei Menschen ermordet worden und bis jetzt hätten weder die nationale Regierung oder lokale Behörden, noch die Streitkräfte reagiert.

Laut der Gemeinde sind die Streitkräfte selbst sowie diverse Staatsbeamte in die Vorfälle verwickelt. Ein Beispiel: Am 16. November wurde Wilmer Tuberquia von Wilfer Hiquita und einem weiteren unbekannten Mann angesprochen und darauf hingewiesen, dass sie eine Liste besäßen mit Personen, die zum Abschuss freigegeben seien. Unter den Aufgelisteten befinde sich auch Reynaldo Areyza. „Wilfer war Mitglied der Patrouille der nationalen Streitkräfte und schlug Reynaldo Areyza vor, als Kollaborateur zur Zersetzung der Gemeinde tätig zu werden“, so das Schreiben.

Das fehlende Einschreiten von Polizei und Militär wurde von der Gemeinde auch in anderen Fällen festgestellt. Am 21. und 22. November hielten Paramilitärs Versammlungen hab, auf denen sie beschlossen, dass alle Personen ein von der paramilitärischen Gruppe ausgestelltes Ausweisdokument bis Dezember diesen Jahres besitzen sollten. Die Personen, die diesen Ausweis nicht erhalten, sollten liquidiert werden. „Die Versammlung in Batata wurde im Dorfzentrum abgehalten, wo auch Polizisten und Militärangehörige gesichtet wurden; dort befindet sich eine paramilitärisches Camp“.

Am 24. November hielten die Paramilitärs eine ähnliche Versammlung ab, und zwar in Nueva Antioquia. Laut Schreiben der Friedensgemeinde hätten die Paramilitärs auf dem Treffen erklärt, eine Übereinkunft mit der Guerrilla beabsichtigt zu haben, allerdings ohne Erfolg, weshalb sie nun jeden umbringen würden, der in Verbindung zur Guerrilla stünde. Ferner, so der Beschluss auf dem abgehalteten Treffen, werde man einen Ausweis einführen, auf welchem Informationen zur Person verzeichnet werden sollten wie Beruf, Anschrift und Familienangehörige. So wie auf der Versammlung in Batata angekündigt, sollten alle ohne Ausweis umgebracht werden. „In Nueva Antioquia befindet sich ein paramilitärisches Camp, worauf wir schon seit Jahren hinweisen. Polizei und Militär sind dort ebenfalls anwesend.“

Aufgrund dieser letzten Vorfälle bittet die Friedensgemeinde um nationale und internationale Hilfe. „Die Geschehnisse zeigen den krampfhaften Versuch uns zu vernichten, aber das Schlimmste sind die zahlreichen gegen uns gerichteten Morde und Morddrohungen, ohne das irgendetwas unternommen wird. Wir wissen, dass sie uns auslöschen wollen, aber diese Anstrengungen werden nutzlos sein weil wir an das Leben glauben, an die Prinzipien des Friedens, der Gewaltlosigkeit, an eine andere Welt, und das kann niemals ausgelöscht werden.“

Der Brief der Gemeinde findet sich hier: http://cdpsanjose.org)

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