Agentur Adital erneut von Schließung bedroht

Adital-Geschäftsführer Ermanno Allegri. Foto: Adital(Fortaleza, 31. Oktober 2013, adital).- Eine der großen Herausforderungen, vor denen unabhängige Medien in Brasilien stehen, ist die finanzielle Tragfähigkeit. Die Medienagentur Frei Tito de Alencar für Lateinamerika ADITAL (Agencia de Comunicación Frei Tito de Alencar para América Latina) ist davon nicht ausgenommen. Sie steht derzeit erneut vor ernsten Finanzproblemen, aufgrund derer die Nachrichtenproduktion heruntergefahren werden muss und abermals die Gefahr droht, die Arbeit ganz einzustellen. In zwölf Jahren Arbeit ist dies das fünfte Mal, dass die Agentur vor dieser Situation steht.

Momentan tut die Redaktionsleitung alles dafür, dass dies das letzte Mal sein wird und hat zum 1. November die Nachrichtenproduktion drastisch reduziert, Entlassungen angekündigt und bis Dezember keinen finanziellen Spielraum, um der ungewissen Zukunft etwas entgegensetzen zu können.

Als Adital im Februar 2001 gegründet wurde, war das erklärte Ziel der Agentur, nicht nur die täglich steigende Zahl von Abonnent*innen zu informieren (heute sind es 95.000 Abo-Leser*innen, mehr als drei Millionen monatliche Klicks auf der Homepage sowie mehr als 7.000 Fans der Facebook-Seite), sondern es den großen Medien gleichzutun und das Gros der Bevölkerung zu erreichen. Ausgangspunkt war immer, dass es in der Medienwelt einen Platz gäbe für soziale Bewegungen und Menschenrechte, mit sorgfältig aufbereiteten Meldungen; mit Publikationskriterien, die dem entsprechen, was das Publikum heute unter journalistischer Ästhetik versteht; mit der Aufmerksamkeit, einen neuen Blickwinkel zu geben und der kühnen Vorstellung, dass eine andere Welt möglich ist.

Geschäftsmodell in Krise

Aber all das braucht Geld. Sei es, um Reisekosten zu finanzieren für normale sowie außerordentliche Berichterstattung, für Korrespondent*innen, kompetente und zweisprachige Journalist*innen, Praktikant*innen, Übersetzer*innen, Korrekturleser*innen, Verwaltungspersonal, Koordination, Feldrecherche, bis hin zu den Informatiker*innen, der Wartung und Anschaffung von Büromaterial. Auch über das Internet ist qualitativ hochwertige Information eine kostspielige Angelegenheit.

Jeden Tag ist die Gesellschaft weniger bereit, für die gelesene Nachricht zu bezahlen. Aufgrund dessen verschärft sich eine allumfassende Krise in diesem Geschäftsmodell, da noch keine magischen Formeln zur Selbstfinanzierung durchs Internet gefunden wurden, ohne dass man von einer Vielzahl von Abonnent*innen abhängig wäre, worauf Adital nicht ausgerichtet ist. Sich dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit zu fügen könnte auch bedeuten, von Meinungen abhängig zu sein, die Leitlinien und sogar die Geschäftsführung der Webseite auszutauschen.

Daher hat man sich seit Beginn der Arbeit Anfang 2000 für die Finanzierung durch ausländische Organistationender Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung der Dritten Welt und für Abo-Kampagnen entschieden, sowie für Regierungsbanner innerhalb des in Brasilien existierenden regulären Finanzpostens für Medien. Aber die Mittel dieser Ämter werden zunehmend auf dem afrikanischen Kontinent eingesetzt, da dieser als hilfsbedürftiger als Brasilien eingestuft wird. Brasilien hingegen gilt den sozialen Investor*innen als aufstrebendes Wirtschaftsland, obwohl noch mit lösbaren Ungleichheiten.

Die Einnahmen aus Leserspenden belaufen sich monatlich auf ca. 1.000 Reales (500 US-Dollar), was die laufenden Kosten von Adital kaum deckt. Diese beziffern sich jährlich auf ca. 250.000 US-Dollar. Um also von Spenden leben zu können, müsste dieser Beitrag pi mal Daumen um das 4.000fache ansteigen. In der Interview-Reportage von Adital spricht der Geschäftsführer, Pater Ermanno Allegri, über die Entscheidung, die bisherige Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren und darüber, welche Zukunftsperspektiven vorhanden sind.

Was wird nun aus Adital?

Ermanno Alegri: Wir mussten uns von den letzten zwei Journalist*innen der Redaktion trennen. Wir werden nun nur noch mit dem Herausgeber und zwei Praktikanten bis zum Ende des Jahres arbeiten, und nur vier Nachrichtentexte pro Tag herausbringen, wenn wir zum Jahreswechsel in die Pause gehen. Weil jeder, der bleibt, in Teilzeit arbeiten wird. Bis dahin werden wir die Berichterstattung von Adital und Adital Joven in Form eines einzigen Newsletters zusammenlegen, aber unter Beibehaltung beider Webseiten. Es werden vier Artikel pro Tag veröffentlicht. Dies können wir noch bis Ende des Jahres anbieten.

Und 2014?

Wir versuchen derzeit einige Mittel von ausländischen Agenturen zu bekommen und von Freunden, die wir in der katholischen Kirche haben. Bis jetzt haben wir zwei kleine Finanzierungen von internationalen Geldgebern, die zusammen auf kaum 15.000 € pro Jahr kommen (20.500 US-Dollar). Diese Summe sollte reichen, um Steuern sowie Wartung der Geräte für 2014 zu bezahlen. Ein minimaler Ausgangspunkt, um weiter nach Finanzierungsprojekten zu suchen. Eine der Finanzierungen endet 2015, die andere 2016. Für die Zeit danach haben wir nichts.

Und die Finanzierungskampagnen, die von Schauspieler*innen und berühmten Persönlichkeiten unterstützt wurden?

Die kommen im Monat auf nicht mehr als 1.000 Reales (500 Dollar). Ich glaube, die Leser*innen gehen davon aus, dass weil wir eine schöne Homepage haben und qualitativ hochwertige Information verbreiten, wir keine Hilfe bräuchten. Niemand hält inne fragt sich: “Wie schaffen die das, ohne einer größeren Institution anzugehören?” Und ich verstehe nicht warum die Leute, die uns jeden Tag lesen, nicht dafür sensibilisiert sind. Wenn 10.000 der 95.000 Leser*innen, die jeden Tag den Newsletter erhalten, einen Beitrag von 50 Reales im Jahr leisten würden, wären die Probleme erledigt. Wenn die Organisationen, deren Forderungen und täglichen Kämpfe wir verbreiten einen Beitrag von 200 Reales im Jahr leisten würden, hätten wir keine Sorgen mehr.

Und diese Beiträge werden nicht gemacht?

Wir werden das Gebäude verkaufen, die Schulden bezahlen und uns darum bemühen, eine andere gute Medienidee zu finden, die diese Lücke im zweisprachigen Journalismus in Lateinamerika füllt, die sozialen Probleme in Lateinamerika und der Karibik angeht, und ein stabiles und tragfähiges Finanzierungsmodell findet. Aber wir werden nicht aufgeben. Ich bitte regelmäßig beim Ministerium für Kommunikation der Regierung Dilma Rousseff darum, dass die derzeitige Politik zur Verteilung der Mittel zur Finanzierung von Werbung überdacht wird und Gelder für unabhängige Medien zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls suche ich derzeit in Europa und ganz Brasilien potenzielle Geldgeber*innen auf.

Habt ihr an Crowdfunding gedacht?

Wir haben bereits Erfahrungen mit der Plattform Catarse gemacht, aber dort geht es um die Finanzierung von einmaligen Projekten. Man braucht außerdem eine lautstarke und speziell zugeschnittene Werbekampagne für jedes Projekt und eine Rechnungslegung. Also einen gut vorbereiteten Kern, um eine Unzahl von Projekten durchzudenken und auszuführen. Dies machen die Leute von Agencia Pública. Diese Agentur hat keine täglichen Nachrichten, das Agentur-Team informiert auf Grundlage von unabhängigem Material, welches sie auswählen. Es ist eine andere Dynamik und ein anderes Modell. Aber einmal abgesehen von den unterschiedlichen Größenverhältnissen, machen wir dieselbe Spendensammlung, mit einem größeren und auf längere Zeit angelegten Projekt, und haben dennoch nicht viele Spenden bekommen. Woran liegt das?

Und wenn jemand helfen will, wie kann er das tun?

Menschen die uns helfen wollen können auf unsere Seite gehen und auf das Spenden-Banner klicken, um mit PayPal, Einlage oder Überweisung eine Spende abzugeben. Außer der Bereitschaft und den Bedingungen des Spenders gibt es dabei keinerlei Probleme. Bei größeren Finanzierungen, Werbung oder dem Vorschlagen von neuen Projekten, kann man eine Email schreiben an: adital@adital.com.br.

 

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