Honduras

Zwei weitere Mitglieder des Widerstandes in Honduras ermordet


von M. Daniljuk

(Darmstadt, 04. Oktober 2009, amerika21.de).- Menschenrechtsgruppen und Vertreter*innen der Widerstandsfront in Honduras weisen darauf hin, dass in den vergangenen Tagen zwei weitere Mitglieder der Widerstandsfront ermordet wurden. Die Umstände der Verbrechen lassen befürchten, dass es sich um Auftragsmorde handelt. Der Lehrer Abelardo Fortín wurde am Samstag, nur wenige Meter von seinem Haus entfernt, von Unbekannten aus einem Auto heraus erschossen. Am Vortag wurde die Leiche eines anderen Mitglieds der Widerstandsfront im Westen von Honduras gefunden. Antonio Leiva war zuvor entführt worden. Das Komitee der Angehörigen von Verschwundenen COFADEH (Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras) und das Zentrum für Folteropfer CPTRT (Centro para la Prevención, Tratamiento y Rehabilitación de las Víctimas de la Tortura y sus Familiares) erklärten, dass in beiden Fällen Hinweise auf ein gewöhnliches Verbrechen fehlen. Stattdessen müsse man davon ausgehen, dass die Opfer aus politischen Gründen ermordet wurden.

Nach Angaben von COFADEH wurden seit dem Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya 16 politische Morde verübt, in dutzenden Fällen seien Menschen bei Angriffen verletzt worden. Gegenüber internationalen Medien kündigte die Präsidentin der Menschenrechtsorganisation, Berta Oliva, einen Bericht zu 10 Fällen an, bei denen Honduraner*innen durch Polizeigewalt bei Demonstrationen gegen das De-Facto-Regime von Sicherheitskräften getötet wurden. „Uns liegen zig-fache Beschwerden von Menschen vor, die am Rande von Kundgebungen und Demonstrationen geschlagen und misshandelt wurden.“ Unter den Opfern befindet sich auch der unabhängige Präsidentschaftskandidat Carlos Reyes. Außerdem hat die Organisation Kenntnis von 96 Strafverfahren gegen Aktivistinnen und Aktivisten des Widerstandes, in denen die Justizbehörden rein politische Verfahren anstrengen, etwa wegen Verstoßes gegen die Staatssicherheit. Außerdem erhalten prominente Sprecher*innen der Widerstandsbewegung, wie der Bauernführer Rafael Alegría, der Gewerkschafter Juan Barahona und die linke Abgeordnete Silvia Ayala weiterhin Morddrohungen.

CC BY-SA 4.0 Zwei weitere Mitglieder des Widerstandes in Honduras ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

onda-info 462
85
Hallo und willkommen zum onda-info 462. Wieder einmal haben wir ein voll gepacktes Programm für Euch zusammen gestellt. Wir beginnen mit der Lebensgeschichte der kolumbianischen Aktivistin und Frauenrechtlerin Marta López. López wurde vor fast 30 Jahren zum ersten Mal vertrieben. Seit Jahren steht sie auf den Todeslisten der Paramilitärs. Und doch kämpft sie weiter. Könnte utopisches Denken nicht einen Beitrag zu mehr Umweltgerechtigkeit leisten? Dieser Frage geht d...
Tabasco: Journalistin und Umweltschützer ermordet
313
(Caracas, 13. Juni 2019, telesur).- Am 11. Juni haben Unbekannte im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco die mexikanische Journalistin Norma Sarabia Garduza ermordet. Einen Tag zuvor wurde der Umweltschützer José Luís Álvarez Flores getötet. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat beide Taten in einer Erklärung verurteilt. Álvarez war Leiter des Umweltschutzzentrums Saraguatos in der Gemeinde Emiliano Zapata in Tabasco und war für sein Engagement zum Schutz der Umwe...
onda-info 461
108
Hallo und willkommen zum onda-info 461! Diesmal gibt es ein Spezial und unsere Sendung dreht sich heute um Argentinien. Am 1. August 2017 starb der argentinische Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz. Die ungeklärten Umstände seines Todes brachten 300.000 Menschen auf die Straße und setzten die Regierung unter Druck. Jetzt konnten wir mit seinem Bruder Sergio sprechen, als dieser in Berlin zu Gast war. Argentinien ist weltberühmt für sein Rindfleisch. De...
Protestcamp in Bogotá gegen Mordserie an Aktivist*innen
102
(Medellín, 1. Mai 2019, colombia informa/poonal).- Im Rahmen ihrer Aktion „Humanitärer Schutz für das Leben“ (Refugio Humanitario por la Vida) haben hunderte soziale Führungspersonen vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine Mahnwache abgehalten. Am 28. April waren die Aktivist*innen aus verschiedenen Regionen Kolumbiens in einer sogenannten Karawane nach Bogotá gekommen, um auf die gravierende Menschenrechtssituation sozialer...
Mexiko sucht 40.000 Verschwundene
166
(Mexiko-Stadt, 11. Februar 2019, amerika21).- Die mexikanische Regierung hat in den ersten Februartagen eine umfassende Strategie vorgestellt, um das Schicksal der zahlreichen Personen aufzuklären, die in den letzten zwölf Jahren des Drogenkriegs gewaltsam verschwanden. Das staatliche "Register der verschwundenen und nicht aufgefundenen Personen" in Mexiko listet derzeit insgesamt 40.180 Menschen auf. Die Hauptaufgabe bei der Suche kommt der Nationalen Suchkommission CNB (Com...