Mexiko

Zwei Jahre nach Flusskontamierung durch Kupfermine: Bleibende Schäden für Menschen und Natur 1


Von Gerold Schmidt

Infoversanstaltung zur Kontaminierung des Rio Sonora und seiner Zuflüsse (2014) / Foto: libera radio acmac, cc-by-nc-2-0

Infoversanstaltung zur Kontaminierung des Rio Sonora und seiner Zuflüsse (2014) / Foto: libera radio acmac, cc-by-nc-2-0

(Mexiko-Stadt, 20. Juli 2016, npl).- Am 6. August 2014 ergossen sich im nördlichen Bundesstaat Sonora 40 Millionen Liter Sulfatsäure und mehrere hundert Tonnen Schwermetalle aus einem Rückhaltebecken der Kupfermine des mexikanischen Bergbau-Unternehmens Buenavista del Cobre direkt in den Sonora-Fluss. Dutzende Kilometer verseuchter Flussläufe, Hautverätzungen bei Menschen, die mit dem Wasser in Berührung kamen und zahlreiche geschlossene Trinkwasserbrunnen waren die unmittelbare Folge. Der Mutterkonzern Grupo México im Besitz des mexikanischen Milliardärs Germán Larrea versprach umfassende Wiedergutmachung – gegenüber den Menschen und der Natur.

Nur eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in Betrieb

Knapp zwei Jahre nach der Umweltkatastrophe sieht die Realität anders aus. Grupo México kommt seinen Verpflichtungen gegenüber den Flussanwohner*innen nicht nach. Die Umwelt in der Nähe des Río Sonora und des Río Bacanuchi ist immer noch stark geschädigt. Die seit September 2015 amtierende PRI-Gouverneurin Claudia Pavlovich forderte vor wenigen Wochen ein Eingreifen der Bundesregierung, um den Bergbaukonzern zu mehr Leistungen zu bewegen. Nach der Katastrophe startete Grupo México eine groß angelangte Werbekampagne in den landesweiten Kinoketten über die Sanierungsarbeiten im Uferbereich und die Trinkwasserversorgung. Doch die Versprechen einer medizinischen Überwachung und Versorgung der betroffenen Anwohner*innen sowie die Installation von 28 Trinkwasseraufbereitungsanlagen erfüllte das Unternehmen nie wirklich.

Immer noch kämpfen viele Anrainer*innen mit Augen-, Haut- und Magenkrankheiten, als deren Ursprung die Vergiftung vor zwei Jahren angesehen wird. Eine provisorische Klinik, die 360 Menschen behandelte, wurde am 30. Juni ohne weitere Erklärung von Grupo México geschlossen. Der vorgesehene Klinikneubau ist kaum zu einem Drittel vorangekommen, eine Fertigstellung steht in den Sternen. Von den 28 Trinkwasseraufbereitungsanlagen ist nur eine in Betrieb. Der Rest funktioniert nicht, weil wegen fehlender Zahlung der Stromrechnungen die Stromzufuhr gesperrt ist. Weder der Bergbaukonzern noch die staatlichen Behörden sehen sich offenbar in der Verantwortung.

Umweltministerium nimmt Studie der UNAM wieder aus dem Netz

Eine jüngst fertiggestellte umfassende Studie des Ökologie-Institutes der Autonomen Nationaluniversität Mexikos (UNAM) belegt eine bleibende Schädigung der Ökosysteme im Umfeld des Rio Sonora sowie mehrerer Nebenflüsse und hohe Schadstoffkonzentrationen im Flusswasser. Die Untersuchungsergebnisse wurden am 23. Juni auf das Webportal des Treuhandfonds für den Río Sonora eingestellt. Doch nach drei Wochen löschte das nach Angaben der Tageszeitung La Jornada für die Seite zuständige Personal des mexikanischen Umweltministeriums die Informationen. Der Hilferuf der Gouverneurin an ihre Parteifreunde in Mexiko-Stadt scheint keinen durchschlagenden Erfolg gehabt zu haben.

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