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Zeuge: Cáceres wurde von Soldaten ermordet


Foto: Telesur

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(Caracas, 21. Juni 2016, telesur/poonal).- Der ehemalige Oberfeldwebel Rodrigo Cruz war Mitglied einer Sondereinheit der Armee in Honduras. Nach einem Bericht des britischen Guardian vom 21. Juni habe die Einheit von Cruz den Befehl erhalten, mehrere Führungspersonen sozialer Bewegungen in Honduras zu ermorden. Eine davon soll die Umweltaktivistin Berta Cáceres gewesen sein. Rodrigo Cruz erklärte, ihr Name sei auf einer schwarzen Liste gewesen; die honduranischen Militärs hätten Informationen über all die aufgelisteten Aktivist*innen gehabt und den Befehl gehabt, diese zu töten.

Cruz, der in Wirklichkeit anders heißt, hatte mit dem Guardian mehrfach telefoniert. Demnach hatte er an zwei Trainings für Spezialeinheiten teilgenommen, darunter den Tesón-Kurs, der unter anderem von US-Spezialist*innen geleitet wird. Im Oktober 2015 wurde Cruz für die Xatruch Taskforce ausgewählt; eine von zwei Spezialeinheiten in Honduras, deren Mitglieder aus Armee und Polizei rekrutiert wurden, um gegen Drogenhandel und Bandengewalt vorzugehen. Die Xatruch-Einheit ist für die Karibikküste zuständig, die andere Taskforce, Fusina (Fuerza de Seguridad Interinstitucional Nacional), operiert landesweit. Fusina hat im vergangenen Jahr ein Sondertraining von 300 US-Marines und FBI-Agenten erhalten.

Leutnant verweigerte Mordauftrag

Mitte Dezember, so Cruz, habe sein Vorgesetzter seine Einheit versammelt und ihnen Zettel mit Namen, Fotos, Adressen und Handynummern gezeigt. Eine Liste war für seine Einheit bei Xatruch bestimmt, eine weitere für eine ähnliche Einheit, die Fusina unterstellt war. Laut Cruz habe sich der Leutnant geweigert, den Befehl zu befolgen, da die zu tötenden „Ziele“ einfache Menschen seien, die für ihre Gemeinden kämpften. Der Befehl sei vom Oberkommando gekommen und der Xatruch-Kommandeur habe Druck auf ihn ausgeübt, um den Befehl zu erfüllen.

Der Leutnant desertierte Tage später, so wie auch Cruz. Seitdem, so Cruz, seien mehrere Mitglieder seiner Einheit verschwunden; Cruz glaubt, sie seien ermordet worden. Cruz sagte zudem aus, er habe zuvor schon einmal eine solche Liste gesehen, auf ihr habe er Fotos von Berta Cáceres sowie von weiteren Anführer*innen aus der Region Bajo Aguán gesehen. Die Xatruch-Einheit ist dort stationiert. Unter anderem erkannte Cruz die Namen Juan Galindo und Vitalino Álvarez von der Organisation Muca. Galindo wurde im November 2014 ermordet, Álvarez hat vier Attentate seit 2010 überlebt. Er spricht von einer systematischen Strategie: „Seit sie Berta getötet haben, heißt es gerüchteweise, dass ich jetzt ganz oben auf der Liste stehe.“

Über 100 Aktivist*innen sind in der Region Bajo Aguán bereits getötet worden. Cruz selbst sagte aus, er habe einen Folterraum gesehen und musste helfen, schwarze Müllsäcke mit menschlichen Überresten in den Tocoa-Fluss zu werfen.

Vorgehen weist auf Todesschwadronen hin

Wie Annie Bord, Vorsitzende der Menschenrechtsgruppe Rights and Ecology erklärte, weise die Aussage von Cruz darauf hin, dass mehrere Todesschwadronen die Opposition in Honduras ins Visier nähmen. Die Lage in Honduras sei schwierig, da das Justizsystem zerstört sei, was es erschwere, Untersuchungen gegen Verdächtige durchzuführen.

Die Tochter von Berta Cáceres, Bertita Zuñiga, wiederholte ihre Forderung, dass eine internationale Kommission den Mord an ihrer Mutter untersuchen müsse, damit die Wahrheit über die Auftraggeber ans Licht komme.

Die preisgekrönte Umweltaktivistin und Sprecherin des Copinh (Consejo de Pueblos Indígenas de Honduras), Berta Cáceres, war am 3. März in ihrem Haus im südwestlichen Department Intibucá erschossen worden. Bislang sind fünf Männer in dem Mordfall verhaftet worden, darunter Maj Mariano Díaz Chávez, ein Major der Armee. Díaz hatte an gemeinsamen Operationen des honduranischen Militärs und der US-Armee teilgenommen und hat ebenfalls den Téson-Elitekurs absolviert.

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