Mexiko
Fokus: Buen Vivir und Nachhaltigkeit / Buen Vivir

Yucatán: Staatliche Manipulationsversuche bei Befragung zu Gensoja


Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 8. August 2017, desinformémonos/poonal).- Das mexikanische Menschenrechtszentrum Indignación von der Halbinsel Yucatán teilt in einer Presseerklärung mit, dass Regierungsinstitutionen weiterhin bemüht seien, den Konsultationsprozess in indigenen Gemeinden über den Anbau von Gensoja zu manipulieren. Sowohl die Nationale Kommission für die Entwicklung der Indigenen Völker (CDI) als auch die Interministerielle Kommission für Biosicherheit und Gentechnisch Veränderte Organismen (Cibiogem) setzten darauf, die Maya-Gemeinden im Verlauf ihres Organisationsprozesses zu ermüden und auseinanderzudividieren. Indigene Vertreter*innen aus den Landkreisen Hopelchén und Tenabo im zur Halbinsel gehörenden Bundesstaat Campeche zeigten dies Anfang der zweiten Augustwoche vor der halbstaatlichen Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) an. Sie überreichten Informationen über die Situation in ihren Regionen. Gleichzeitig machten sie klar: „Sie haben uns nicht zum Schweigen gebracht.“

Maya-Sprecher*innen erklärten, die genannten Institutionen würden bis in die letzten Gemeinden gehen, um zu versuchen, die Bevölkerung zu spalten. So habe Marco Ramírez, Anwalt der Cibiogem, im Juli bei verschiedenen Gemeindeautoritäten vorgesprochen und ihnen Begünstigungen in Aussicht gestellt, wenn sie sich aus dem gemeinsamen indigenen Befragungsprozess im Landkreis Hopelchén zurückziehen würden, um ihre eigene Befragung über das Thema Gensoja durchzuführen. Auf einer Gemeindeversammlung im Landkreis Tenabo „lud“ er demnach nur wenig später zur Ernennung von sieben Repräsentanten „ein“, um die aktuellen Autoritäten abzusetzen und sie anzuklagen, die Gemeinde betrügen zu wollen.

Mit dieser Vorgehensweise werde gegen das Recht auf freie Selbstbestimmung und Autonomie verstoßen, sagen die Mayas und Organisationen wie Indignación. Drohungen und Einschüchterungen seien inzwischen eine Konstante. Die Diffamierung von Führungspersönlichkeiten aus der Region gefährdeten den Befragungsprozess insgesamt. Die Behörden würde keinen Dialog suchen, sondern die Interessen der Gentech-Unternehmen wie Monsanto schützen. Die Dokumente, in denen sie die Lage der CNDH schildern, überreichten die Maya-Vertreter*innen ebenfalls dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte in Mexiko.

CC BY-SA 4.0 Yucatán: Staatliche Manipulationsversuche bei Befragung zu Gensoja von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Indigene Gegner*innen von Gensoja beklagen Einschüchterung und Manipulationen Von Gerold Schmidt, Ceccam (Mexiko-Stadt, 27. Juni 2017, npl).- Die Maya-Gemeinden aus den Landkreisen Hopelchén und Tenabo im Bundesstaat Campeche sind weiterhin stark besorgt über den Konsultationsprozess, in dessen Rahmen sie zu ihrer Meinung über die Aussaat von Monsanto-Gensoja in Campeche befragt werden sollen. Sie klagen die Regierungsbehörden an, die indigenen Dorfgemeinschaften spalten zu wollen. Zudem kämen die Behörden nicht zu vereinbarten Treffen und würde...
onda-info 440 Hallo und willkommen zum onda-info 440! In Argentinien haben sich die Konservativen und Erzkatholiken im Senat noch einmal durchgesetzt: Am 9. August haben die Senatorinnen und Senatoren knapp gegen eine Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes gestimmt. Doch für viele Argentinierinnen und Argentinier, die in den letzten Wochen für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Straße gingen, ist klar: ihre Bewegung lässt sich nicht mehr aufhalten; früher ode...
Soja-Anbaufläche wird deutlich ausgeweitet (Asunción, 4. Juli 2018, base-is).- Der Soja-Anbau ist in Lateinamerika weiter auf dem Vormarsch. In Paraguay soll die Fläche in den kommenden Jahren um 5.000 Quadratkilometer wachsen. Dies ist dem Bericht „Perspectivas Agrícolas 2018 - 2027“ zu entnehmen, der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) sowie der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, erstellt wurde. In Lateinamerika dürften von der ...
Europäische Honigimporteure solidarisieren sich mit Maya-Gemeinden gegen den Anbau von Gensoja (Mexiko-Stadt, 6. Juni 2018, npl).- In ihrem Kampf gegen den agroindustriellen Anbau von Soja und Gensoja haben die Maya-Imker*innen der Halbinsel Yucatán Unterstützung von europäischen Honigimporteur*innen und Abfüller*innen bekommen. Diese wandten sich anlässlich des Weltbienentages am 20. Mai in einem offenen Brief an Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto. Sie forderten ihn auf, die notwendigen Aktionen durchzuführen, damit der aus Mexiko importierte Honig keine Spuren von ...
onda-info 435 Hallo und willkommen zum onda-info 435! Diesmal sind wir sozusagen „duothematisch“. Nach unseren üblichen Nachrichten aus Mexiko – Stichwort: Nestora Salgado und Ayotzinapa – geht‘s gleich ab nach Brasilien. Monsanto ist tot, aber Bayer lebt immer noch und in Brasilien werden täglich acht Menschen durch den Einsatz von Pestiziden vergiftet. Zeit zum Umdenken? Auf keinen Fall, denkt sich die Agrarindustrie und rührt kräftig die Werbetrommel. Und in Kuba haben wir den Sän...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.