Guatemala

Wieder Mord an Aktivistin in San Marcos


von Darius Ossami

(Berlin, 30. Januar 2010, npl).- Am 13. Januar wurde Evelinda Ramírez Reyes, Mitglied der Widerstandsfront zur Verteidigung der Naturressourcen und der Rechte der Bevölkerung FRENA (Frente de Resistencia en Defensa de los Recursos Naturales y Derechos de los Pueblos) und der Bauernorganisation CUC von Unbekannten erschossen. Sie war gerade auf dem Rückweg nach San Marcos von einer Versammlung in Guatemala-Stadt, die sich gegen die Preissteigerungen und andere als ungerecht empfundenen Praktiken des Energieunternehmens DEOCSA-Unión Fenosa richtete.

Damit ist bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten eine soziale Aktivistin im Zusammenhang mit Protesten gegen die private Energiewirtschaft ermordet worden. Keine drei Monate zuvor war bereits Victor Gálvez, ebenfalls ein führender Aktivist der FRENA, getötet worden. Sein Tod hatte zu Demonstrationen und Strassenblockaden geführt. Als Reaktion darauf verhängte die Regierung den Ausnahmezustand über die Provinz San Marcos, der bis heute andauert.

Die Versorgung mit elektrischer Energie in Guatemala war im Jahr 1998 privatisiert worden. Um die Energieversorgung kümmern sich seitdem die Gesellschaften DEOCSA und DEORSA, zwei Tochterfirmen des spanischen Unternehmens Unión Fenosa. Seitdem mehren sich Klagen seitens der Bevölkerung über schlechten Service und zu hohe Preise. Nach Angaben der Nationalen Elektrizitätskommission CNEE ( Comisión Nacional de Energía Eléctrica) gab es bereits 90.000 Beschwerden gegen die beiden Gesellschaften allein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres.

Im Department San Marcos organisierten sich Anwohner*innen in der FRENA, um die ihrer Ansicht nach zu hohen Tarife zu stoppen und einen freien Zugang zumindest zur Versorgung mit Licht zu bekommen, beziehungsweise eine öffentliche Verwaltung der Stromversorgung zu fordern. Ihren Anhänger*innen wird zugeschrieben, direkt Stromleitungen anzuzapfen, ohne Zähler zu verwenden. Die FRENA und verschiedene ihr nahestehende Organisationen fordern nun nicht mehr nur die Aufhebung des Ausnahmezustandes, sondern auch eine lückenlose Aufkärung der beiden noch ungelösten Mordfälle.

Der von der Regierung über die Provinz San Marcos verhängte Ausnahmezustand wurde am 25. Januar um weitere zwei Wochen verlängert. Grund war jedoch nicht der Mord an Evelinda Ramírez Reyes, sondern der ungebremste Stromklau in einigen Gemeinden der Provinz, für den die FRENA verantwortlich gemacht wird. Auf diese Weise sei Unión Fenosa bereits ein Schaden von umgerechnet knapp sieben Millionen Euro entstanden. “Wäre es nicht besser,” fragt die Tageszeitung La Noticia, “die Beschwerden über überhöhte Gebühren zu untersuchen und zu sanktionieren, um die Unzufriedenheit der Anwohner*innen zu vermeiden, die sich von der Allmacht und der Arroganz dieses transnationalen Unternehmens betrogen fühlen?”

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