Kolumbien

Weitere zwölf Awá ermordet – Amnesty International fordert Schutz für Indigene


(Buenos Aires, 02. September 2009, púlsar).- Im Morgengrauen des 26. August wurden zwölf Indigene der Awá von bewaffneten Männern in Uniformen der kolumbianischen Armee getötet. Die fünf Erwachsenen und sieben Kinder wurden im Schlaf überrascht. Das Massaker fand in dem indigenen Schutzort Gran Rosario in der Gemeinde Tumaco statt. Tumaco liegt in der südkolumbianischen Provinz Nariño, die wegen der dem Drogenhandel zugeschriebenen Verbrechen als hochgefährlich gilt. Laut dem Vorsitzenden des Dachverbandes der Indigenen in Kolumbien ONIC (Organización General Indígena de Colombia), Luís Evelio Andrade, operieren dort Guerilleros, Paramilitärs und die Armee.

Eine der Getöteten, Sitatulia García, war die Ehefrau von Gonzalo Rodríguez, der im Mai diesen Jahres ermordet worden war. García hatte den Mord an ihrem Mann bei den Aufsichtsbehörden angezeigt. Daher betonte der Sekretär der ONIC, Luis Fernando Arias, dass mit dem Massaker „alle Zeugen des Mordes an Gonzalo“ getötet worden seien.

Arias erklärte ebenfalls, dass in diesem Jahr bereits 77 Indigene ermordet wurden, von denen 38 der Ethnie Awá angehörten. Er sprach daher von „einer Politik der Ausrottung“ gegen die indigenen Gemeinden.

Als Grund für die Morde nannte der Sekretär der ONIC gegenüber Radio Mundo Real die Tatsache, dass sich wichtige Ressourcen und Bodenschätze auf den Territorien der Indigenen befinden. Daher sei es für alle bewaffneten Gruppen des Landes wichtig, die Kontrolle über diese Gebiete zu erlangen. „Die indigenen Gebiete haben sich jetzt dauerhaft in Kriegsschauplätze verwandelt“, beklagte Arias.

Nach Angaben der Polizei wird diese Zone, in der um die 11.000 Awá leben, von Drogenhändlern genutzt, um Schmuggelware zum Pazifik zu bringen.

Auch Amnesty International (AI) forderte die kolumbianische Regierung auf, die Awá zu schützen. Dieses bereits dritte Massaker an den Awá in diesem Jahr ist für AI „die Konsequenz aus dem Versagen der Behörden“. Es habe Hinweise darauf gegeben, dass weitere Angriffe stattfinden würden, solange niemand etwas unternähme.

„Wie viele müssen noch sterben, bis die Regierung handelt und diese Gemeinden schützt?“, fragte auch Susan Lee, Vorsitzende des Amerika-Programmes der AI. Sie fügte hinzu, dass „das Massaker einmal mehr beweist, dass die Zivilbevölkerung am schlimmsten unter dem Bürgerkrieg leidet und dass der Schutz der Zivilbevölkerung für die Regierung nicht die nötige Priorität hat.“

Auch das kolumbianische Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte verurteilte das Massaker und bemängelte einen Anstieg der Angriffe bewaffneter Gruppen auf Indigene.

Die Awá ihrerseits erklärten, sie seien das Ziel einer Vernichtungskampagne, weil sie beschlossen hatten, im kolumbianischen Konflikt neutral zu bleiben.

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