Chile

„Wandmalereien sind keine Gewalt“


Foto: Medio a medio

(Concepción, 16. Oktober 2018, medio a medio/poonal).- Die Wandmaler*innen der Brigade Ramona Parra haben die Aussagen der konservativen Abgeordneten Camila Flores verurteilt. Diese hatte offensichtlich die Wandmaler*innen-Brigade mit einer bewaffneten Gruppe aus der Allende-Zeit verwechselt. Sollte die extreme Rechte weiterhin versuchen, die Geschichte zu vertuschen, so die Künstler*innen, „werden tausend Pinsel zum Vorschein kommen, um sie wieder aufzuschreiben.“

Am Abend des 15. Oktobers strahlte die Fernsehsendung Mentiras Verdaderas de la Red (Wahre Lügen aus dem Netz) eine Podiumsdiskussion aus, die eine Ehrung für Miguel Krassnoff zum Thema machte. Miguel Krassnoff, zur Zeit der Militärdiktatur Pinochets Agent des Geheimdienstes DINA (Dirección de Inteligencia Nacional) und verurteilt für Folter und zahlreiche Morde während der Diktatur, war am Tag zuvor in der chilenischen Militärschule (Escuela Militar) geehrt worden.

Abgeordnete verwechselt Wandmaler*innen mit bewaffneter Gruppe

Auf dem Podium diskutierten Daniel Jadue (Bürgermeister der Gemeinde Recoleta in Santiago de Chile), der Politiker José Antonio Kast (Mitglied der rechten Bewegung Acción Republicana), der Abgeordnete Gonzalo Winter (Mitglied des linken Movimiento Autonomista) und die Abgeordnete Camila Flores (Mitglied der rechten Partei Renovación Nacional).

Das politische Gespräch wurde auch in den sozialen Netzwerken gesendet. Viele Kommentare kritisierten dort die Unwissenheit der Abgeordneten Camila Flores, denn diese hatte im Podiumsgespräch die Wandmaler*innen der Brigade Ramona Parra (BRP) für Morde während der Regierungszeit Salvador Allendes verantwortlich gemacht. Die Brigade Ramona Parra war jedoch ein Zusammenschluss der chilenischen kommunistischen Jugend, der die Ziele der Partei von Salvador Allende (Unidad Popular) über Wandmalereien verbreitete.

„Wände werden stets die Presse der Bevölkerung sein“

Die Wandmaler*innen reagierten auf die Anschuldigungen mit einem öffentlichen Schreiben in ihren sozialen Netzwerken. In diesem verurteilten sie die „Beleidigungen“ der Abgeordneten Flores, die versuche, „die Geschichte der chilenischen Wandmalerei zu vertuschen und zu verfälschen“. Die Aussagen der Abgeordneten Camila Flores bezeugten zudem ihre Unwissenheit und ihren Irrtum, denn sie wisse weder etwas über die Entstehung, Entwicklung und Geschichte der Brigade Ramona Parra, noch verstehe sie etwas von politischer Wandmalerei und chilenischer Straßenkunst. Sie habe offensichtlich die Wandmaler*innen-Brigade mit einem bewaffneten Arm verwechselt, so die Künstler*innen in ihrem Schreiben.

Sie werfen der Abgeordneten und der extremen Rechten außerdem vor, „die Wahrheit zu verfälschen, um Angst und eine Hassideologie zu schüren“. Sollte die extreme Rechte weiterhin versuchen, die Geschichte zu vertuschen, so die Künstler*innen, „werden tausend Pinsel zum Vorschein kommen, um sie wieder aufzuschreiben. Die Wände werden stets die Presse der Bevölkerung sein.“

Die Brigade appellierte zudem für ein gemeinsames Vorgehen gegen den Faschismus in Lateinamerika sowie für die Rechte der Jugend, für Frieden und Solidarität.

CC BY-SA 4.0 „Wandmalereien sind keine Gewalt“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Kunst! – Mit Pinseln gegen das Vergessen
76
(10. Dezember 2018, Colombia Informa).- Die künstlerische Bewegung M.A.L. ist ein Künstler*innen-Kollektiv. M.A.L. steht sowohl für Freie Kunstbewegung (Movimiento Artístico Libre), als auch für: Beweg dich Lateinamerika! (Muévete América Latina) und für: Mach es zu etwas Verrücktem! (Muévelo a lo Loco). M.A.L. hat sich während des Kongresses der Völker 2010 in Bogotá zusammengefunden, um die Minga des sozialen und gemeinschaftlichen Widerstandes zu unterstützen. Minga bezeic...
Wir dokumentieren: Chile stellt ehemalige Geheimdienstzentrale in Haus der Colonia Dignidad unter Denkmalschutz
74
(Santiago de Chile/Parral, 21. Dezember 2018, fdcl).- Am 19.12.2018 hat der chilenische Nationale Denkmalrat CMN (Consejo de Monumentos Nacionales) ein Haus in der südchilenischen Stadt Parral unter Denkmalschutz gestellt, das die Colonia Dignidad dem chilenischen Geheimdienst DINA zur Verfügung gestellt hatte. Das Haus in der Straße Ignacio Carrera Pinto Nr. 262 diente zwischen 1974 und 1977 als Sitz der Geheimdienstbrigade der DINA, die für den Süden des Landes zuständig wa...
Allendes Internationale
28
Unser crossmediales Rechercheprojekt untersucht die Lebensgeschichten internationaler Unterstützer des demokratischen Sozialismus in Chile. Geschichten über einen außergewöhnlichen politischen Aufbruch und Hoffnungen auf eine gerechtere Welt. Hier geht es zur Website.
Kunst! – Pflanzen, die der Diktatur des Asphalts trotzen
54
(Bogotá, 23. August 2018, Colombia Informa).- „Blühende Ritzen“ ist der Titel eines Projekts von der Künstlerin María Espeletia. (…) In der Ausstellung -der erste Teil ihres Projektes- erzählte Maria, dass sie sich entschieden habe, einen tiefergehenden Blick auf das Territorium zu schaffen und Pflanzen herauszustellen, die zu Unrecht Unkraut genannt werden, die niemand kennt oder von allen ignoriert werden. Die Künstlerin versucht den gesellschaftlichen Blick umzulenken, ind...
onda-info 441
119
Mit Nachrichten aus Kolumbien, Mexiko und Zentralamerika. Und zwei Beiträgen aus Argentinien und Chile. In der rohstoffreichen Provinz Chubut in Patagonien soll radioaktives Uran gefördert werden. In der Nähe von Buenos Aires ein Atomkraftwerk entstehen. Was das mit dem G20-Gipfel im November und den Rechten der indigenen Mapuche zu tun hat, darüber berichtet unser aktueller Beitrag aus der Reihe "Menschenrechte und Unternehmen", einer Kooperation mit dem FDCL. Demokratisch...