Costa Rica

Vorerst keine Ölbohrungen in Costa Rica


von Oliver Lüthi

Erdölförderung / bat, flickr(San José, 14. Juli 2011, voces nuestras).- Im Norden Costa Ricas werden beträchtliche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Das US-amerikanische Unternehmen Mallon Oil hat den Zuschlag erhalten, die betreffenden Energiereserven zu erforschen. Ein entsprechender Vertrag zwischen dem costaricanischen Staat und dem Erdölkonzern liegt seit Jahren unterschriftsbereit auf dem Tisch.

Nun hat das costaricanische Energieministerium von Mallon Oil zusätzliche Vereinbarungen verlangt. Zuvor war der Vertragsentwurf in die Kritik geraten, weil die Umweltprüfung zu spärlich ausgefallen war.

Außenminister am Pranger

Im Kreuzfeuer der Kritik steht der costaricanische Außenminister René Castro. Wie bekannt wurde, hatte der damalige Umweltminister Ende der 1990er Jahre ein Dekret unterzeichnet, welches die an der Erkundung der Ölreserven interessierten Unternehmen von einer umfassenden Umweltprüfung befreite.

Vom Entscheid Castros hatte auch Mallon Oil profitiert und in einem Kurzverfahren den Zuschlag zur Erforschung der Energievorkommen im Norden des Landes erhalten. Das entsprechende Dekret war in den zurückliegenden Wochen bereits von Umweltaktivist*innen kritisiert und in den vergangenen Tagen nun auch von den großen Medien des Landes thematisiert worden.

Kritik von UmweltschützerInnen

Umweltaktivist*innen kritisieren das Dekret als nicht gesetzeskonform. Gemäss Freddy Pacheco, Biologe und Lehrbeauftragter an der Nationalen Universität von Costa Rica, verstößt es gegen die nationale Gesetzgebung und das UN-Abkommen über die biologische Vielfalt. “Das Dekret erlaubt es den Erdölunternehmen nach Costa Rica zu kommen, eine Umweltprüfung ohne jegliche inhaltliche Relevanz durchzuführen und anschließend einen Vertrag zur Erforschung und Ausbeutung von Energiereserven zu unterzeichnen”, so Pacheco. Der Akademiker und Umweltaktivist hat deshalb kürzlich vor einem nationalen Verwaltungsgericht eine Verfassungsbeschwerde gegen den damaligen Entscheid der Regierung eingereicht.

Costa Rica vor Schadenersatzklage?

Offensichtlich bemüht, die Kritiker*innen zu besänftigen, hat das costaricanische Umweltministerium inzwischen von Mallon Oil zusätzliche Umweltprüfungen verlangt. Das Unternehmen muss demnach einen genauen Bericht vorlegen, welche konkreten Schritte mit der Erforschung der Energiereserven verbunden sind und wo nach Öl gebohrt werden soll. Einzelne Personen befürchten nun aufgrund der Nichteinhaltung einer Vertragszusage eine Schadenersatzklage von Mallon Oil gegen den costaricanischen Staat.

In der Tat hatte ausgerechnet das Umweltministerium noch vor wenigen Wochen auf eine definitive Vertragsunterzeichnung mit dem amerikanischen Energiegiganten gedrängt. Dabei hatte das Ministerium argumentiert, alle entsprechenden Kriterien wären erfüllt. Mallon Oil hat in einer ersten Stellungnahme verlauten lassen, die Forderungen aus dem Umweltministerium “zu überprüfen”.

CC BY-SA 4.0 Vorerst keine Ölbohrungen in Costa Rica von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Ausverkauf des Erdöls in Brasilien beschlossen Von Mario SchenkFoto: Monica Kaneko, cc-by-sa-2-0.(13. Oktober 2016, amerika21).- Am Mittwoch vergangener Woche stimmte das brasilianische Abgeordnetenhaus in einer tumultartigen Sitzung mit 292 zu 100 Stimmen für die Beendigung der obligatorischen Beteiligung des staatlichen Erdölkonzerns Petrobras an der Erdölförderung im Pré-Sal-Gebiet. Ab sofort bleibt die Entscheidung über die Beteiligung den fördernden Konzernen überlassen. Die bisherige Regelung sah eine Minde...
Venezuela: Der Hunger kehrt zurück Leere Regale in Caracas / Foto: Franziska BruderDie Zahlen in Venezuela klangen vielversprechend: Das Land habe die Unterernährung auf unter fünf Prozent gesenkt, lobte die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen die Linksregierung in dem südamerikanischen Land. Von großen Erfolgen im Kampf gegen den Hunger war die Rede. Doch drei Jahre später steckt Venezuela in einer schweren Versorgungskrise, es mangelt an Grundnahrungsmitteln wie B...
onda-info 387 Hallo und willkommen zum onda-info 387. Wir beginnen unsere heutige Sendung mit zwei Nachrichten. In Mexiko wurde erneut ein Reporter erschossen. Pedro Tamayo ist der achte in diesem Jahr ermordete Journalist. Was den Fall pikant macht: Die zu seinem Schutz abgestellten Polizisten ließen den Mord nicht nur geschehen, sie verhinderten auch, dass rechtzeitig medizinische Hilfe am Tatort eintraf. Ecuadors Präsident Rafael Correa sieht das Heil seines Landes in der Förderung d...
Indigene leiden unter Ölpest Foto: Desinformémonos(Mexiko-Stadt, 14. Februar 2016, desinformémonos).- Wieder hat es in Peru eine Ölpest gegeben. Am 25. Januar liefen rund 2.000 Barrel Erdöl in den Fluss Marañón im peruanischen Amazonasgebiet, von dem tausende Indigene abhängig sind. Das Erdöl wird vom Staatsbetrieb Petroperú gefördert, der sich nach Angaben der Indigenen nicht an die Vorschriften halte. “Etwa 80 indigene Gemeinden und Dörfer der Amazonasregion sind von dem ausgelaufenen Rohöl besond...
Ecuador: Gutes Leben statt schwarzem Gold Ecuador war lange Zeit bekannt als die Nachspeisennation. Doch Bananen und Kakao wurden in den 1970er Jahren von einem anderen Exportschlager verdrängt. Erdöl. Diktatoren, Neoliberale, Sozialisten des 21. Jahrhunderts - sie alle feierten und feiern das schmutzige Schmiermittel nationaler Entwicklung. Doch welcher Nation eigentlich? Ecuador hat sich 1996 mit einer Verfassungsreform zum plurinationalen Staat erklärt. Indigenas werden seitdem eine Vielzahl von Kollektivrechten g...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.