Kolumbien

Von wegen Frieden: 135 ehemalige FARC-Kämpfer*innen erschossen


Auch nach dem Friedensschluss bleibt der Tod ein ständiger Begleiter der ehemaligen FARC-Kämpfer*innen. Foto: Teleantioquia/Contagio Radio

(Buenos Aires, 20. Juni 2019, nodal/desinformémonos).- 135 ehemalige Kämpfer*innen der FARC sind seit der Unterzeichnung der Friedensverträge im November 2016 ermordet worden. Das teilte die ehemalige Guerilla und jetzige linke Partei Farc in einer Presseerklärung mit. „Die zwei jüngsten Verbrechen gegen Aktivisten unserer Partei sind Teil der langen Liste der Straflosigkeit und nicht erfüllten Zusagen, die der Staat im Friedensvertrag versprochen hat“, so der Vorsitzende der Farc, Rodrigo Londoño.

Anderson Pérez Osorio und Daniel Esterilla wurden am Montag, 17. Juni bei zwei unterschiedlichen Angriffen in den südkolumbianischen Departments Cauca und Nariño „von Killern erschossen“. Beide Provinzen sind besonders umkämpft, zwischen Abspaltungen der ehemaligen Guerilla, Rebell*innen der ELN und bewaffnete Narcobanden. Bis einschließlich April hat die Behörde für die Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpfer*innen 128 ermordete Ex-Guerilleros gezählt. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Angriffe über die genannten Gruppen hinaus auch von Sicherheitskräften verübt.

Mordwelle an Aktivist*innen reißt nicht ab

Londoño, der auch als Timochenko bekannt ist, rief die Anführer*innen der Farc für den 21. Juni zu einem Krisentreffen zusammen. Dort solle eine Antwort „auf die provokative Strategie der Friedensfeinde“ gefunden werden. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, vom kolumbianischen Präsidenten Iván Duque „effektive Maßnahmen“ zu verlangen, um das „Blutvergießen“ zu beenden.

Präsident Duque selbst verurteilte die Morde, rief die Behörden dazu auf, die Täter zu finden und sämtliche Schutzmechanismen zu verstärken. „Unsere Regierung ist dem Schutz der Familien der wieder eingegliederten (Kämpfer*innen) verpflichtet. Deshalb scheuen wir keine Mühen, um für ihr Leben zu garantieren und die Verantwortlichen für die Verbrechen hart zu bestrafen“, erklärte er.

Die Farc hat wiederholt das Fehlen von Sicherheitsgarantien für ihre Mitglieder nach dem Friedensschluss bemängelt. Der Friedensvertrag hat zur Entwaffnung von 7.000 Kämpfer*innen unter UN-Aufsicht geführt. Zusätzlich zu den Attentaten auf die Ex-Guerilleros wird Kolumbien momentan von einer Welle selektiver Morde an Gemeindeführer*innen und Menschenrechts-Aktivist*innen erschüttert.

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