Lateinamerika

Verschmutztes Wasser fordert mehr Menschenleben als Kriege


(Lima, 24. März 2010, noticias aliadas).- Im Rahmen des Internationalen Tags des Wassers fordern Bürgerinitiativen freien Zugang zu Trinkwasser für alle Menschen.

Während bereits heute etwa eine Milliarde Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser lebt, geht man von einer zukünftig steigenden Trinkwasserverknappung aus. Die Hauptursachen seien eine zunehmende Verstädterung und Industrialisierung unserer heutigen Gesellschaften sowie unzureichend funktionierende sanitäre Einrichtungen, erklärte die UNO am 22. März anlässlich des diesjährigen Weltwassertags.

In Lateinamerika, wo sich die nationalen Industrien vorrangig auf den Abbau von Rohstoffen konzentrieren, wird das Trinkwasser zunehmend knapper. Ursachen sind der Klimawandel, der hohe Wasserbedarf der Industrien und eine ineffektive Wasserpolitik. „Unzureichende Wasserqualität und verschmutztes Trinkwasser sind die Ursache für den Tod etlicher Menschen. Der Mangel an sauberem Wasser fordert jährlich mehr Menschenleben als alle gewalttätigen Auseinandersetzungen, Kriege eingeschlossen“, heißt es im Bericht „Agua enferma – Krankes Wasser“ des Programms der Vereinten Nationen für Umwelt PNUMA (Naciones Unidas para el Medio Ambiente).

Weltweit werden demnach jährlich rund zwei Millionen Megatonnen Restabfälle in Gewässern entsorgt, das entspricht etwa zwei Milliarden Megatonnen Abwasser. Diese verbreiten Krankheiten unter den Menschen, zerstören Korallenriffe und andere wertvolle Ökosysteme und provozieren Fischsterben. Das Abwasser ist ein Gemisch aus Düngemitteln, tierischen Abfällen sowie industriellem und landwirtschaftlichem Brauchwasser.

Im rohstoffreichen Lateinamerika sind die Sektoren Bergbau, Erdölgewinnung und Landwirtschaft zusammen mit multinationalen Megakonzernen auf Konfrontationskurs zu Landgemeinden und der indigenen Bevölkerung gegangen; sie legen sich sogar mit den Landesregierungen an, um ihren Zugang zu sauberem Wasser zu behaupten, von dem ihre Existenz abhängt. Nach Ansicht des PNUMA ist es die Aufgabe der Industrie, das Abwasser zu reinigen und für die anfallenden Kosten aufzukommen. Beim Kampf um sauberes Wasser stehen sich hochkarätige internationale Industrien einander gegenüber: die Ölförderindustrien im ölreichen Amazonia im Norden Ecuadors, die Papierfabriken in Uruguay, die Wasserkraftwerke in Mittelamerika sowie die peruanische Bergbauindustrie, die sich über das gesamte Land erstreckt.

Immer häufiger ist die Nutzung von Wasser an den Erwerb einer entsprechenden Konzession gebunden. Gegen die Privatisierung des Rohstoffs Wasser setzen sich Menschenrechtsinitiativen, Indígenaverbände, Bauern und Umweltschützer*innen massiv zur Wehr. „Die Verwandlung des Rohstoffs Wasser in eine Handelsware ist ein strategischer Schachzug der Regierungen, die eine ausbeuterische neoliberalistische Politik verfolgen“, erklärte die Koordinationsstelle der Indigenenorganisationen der Anden CAOI (Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas), der Verbände aus Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru angehören. „Die Indígenas und ihre Verbände widersetzen sich dieser Aggression gegen unsere Mutter Erde. Alle Lebewesen, Menschen und Tiere, sind von der alarmierenden Wasserknappheit bedroht. Wasserverunreinigung und zunehmende Versteppung geht auf das Konto einer raffgierigen Privatwirtschaft. Wir setzen uns dafür ein, dass unser Leben auf dieser Erde eine Zukunft hat“, heißt es weiter.

Im Rahmen ihres zweiten Kongresses, der vom 11. bis 13. März in Quito, Ecuador, stattfand, forderte die CAOI die Regierungen auf, die Rechte der Indígenas zu respektieren und Großprojekte mit ihnen zu besprechen, bevor mit dem Bau neuer Industrieanlagen begonnen wird. Diese Rechtsvorschrift wurde nämlich von den Behörden der Region bisher immer ignoriert.

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