Kolumbien

Verkauf des García Márquez-Archivs in die USA löst Unmut aus


von Marcela Belchior

Gabriel Garcia Marquez / Foto: adital(Fortaleza, 02. Dezember 2014, adital-poonal).- Auf Unverständnis stößt in Kolumbien der Verkauf des persönlichen Archivs von Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez in die USA. Dieser war am 17. April in Mexiko-Stadt im Alter von 87 Jahren verstorben. Gekauft hat das Archiv die University of Texas in Austin. Es umfasst ein halbes Jahrhundert literarischer Produktion von García Márquez, darunter Original-Manuskripte und ein nicht vollendetes Buch, sowie fast 2.000 Briefe, die er mit anderen bedeutenden Schriftsteller*innen austauschte.

Hinzu kommen zahlreiche persönliche Gegenstände. Die Überstellung des Nachlasses in die texanische Hauptstadt mutet umso befremdlicher an, als die USA García Márquez aufgrund seiner Freundschaft mit Fidel Castro mehrere Jahre lang die Einreise verweigerten.

Bemühte Kolumbiens Regierung sich ernsthaft?

Empörung löste im Geburtsland des Schriftstellers aus, dass ein Sohn, Gonzalo García Barcha, der Presse gegenüber erklärte, Kolumbiens Regierung habe kein Interesse an dem Nachlass gezeigt. Dem allerdings widerspricht Kultusministerin Mariana Garcés. Die Regierung habe der Witwe Mercedes Barcha angeboten, nicht nur die Archive zu kaufen, sondern die gesamte Hinterlassenschaft von García Márquez. Zu einer offiziellen Offerte sei es jedoch nicht gekommen aufgrund des im Raum stehenden sehr hohen Preises. Es handele sich letztlich um eine Entscheidung der Familie, die zu respektieren sei.

Im Prinzip habe auch keine Chance bestanden, gegenüber der University of Texas den Vorzug zu erhalten, besitze diese doch mit dem Harry Ransom Center eines der größten Literaturarchive der Welt, so Kultusministerin Garcés. Ausschlag gebend dürfte ihrer Ansicht nach gewesen sein, dass die US-Universität aus Sicht der Familie den Erhalt des Archivs ebenso garantieren könne wie vor allem dessen öffentliche und akademische Nutzung.

Korrespondenz mit Günter Grass

Zum Nachlass von García Márquez, der nun in die USA geht, zählen auch mehr als 40 Fotoalben, die sein fast 90-jähriges Leben dokumentieren. Briefe tauschte der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1982 mit zahlreichen Intellektuellen aus, darunter Günter Grass, Carlos Fuentes, Julio Cortázar und Graham Greene. Im Harry Ransom Center in Austin wird bereits der Nachlass von Schriftstellern wie Jorge Luis Borges, Ernest Hemingway oder James Joyce aufbewahrt. Die University of Texas plant die Digitalisierung eines Teils des Archivs von García Márquez, um der Öffentlichkeit den Zugang zu erleichtern.

In Kürze soll außerdem ein García Márquez-Symposium stattfinden, das sich mit Werk und Leben des Autors beschäftigt. Was seinem Heimatland von ihm bleibt, sind rund 400 Kopien seiner Literatur, welche die Biblioteca Nacional de Colombia in Bogotá von der Familie als Schenkung erhalten hat. Möglicherweise kommen noch die Literaturnobelpreis-Medaille und die Schreibmaschine, auf der „Hundert Jahre Einsamkeit“ entstand, hinzu. Außerdem plant die kolumbianische Nationalbibliothek einen Nachbau des persönlichen Büros von García Márquez.

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