Mexiko
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

Veracruz: Journalist Mussio Cárdenas erstattet Anzeige nach Morddrohungen


Der Journalist Mussio-Cardenas aus Veracruz erhielt Morddrohungen - und hat Anzeige erstattet / Foto: desinformemonos

Der Journalist Mussio-Cardenas aus Veracruz erhielt Morddrohungen – hat das öffentlich gemacht und  Anzeige erstattet / Foto: desinformemonos

(Mexiko-Stadt, 05. September 2017, desinformémonos).- Nachdem der Journalist Mussio Cárdenas Arellano Morddrohungen erhielt, deren mutmaßlicher Absender das Drogenkartell der Zetas ist, erstattete er Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Veracruz in Coatzacoalcos. Die Anzeige des Journalisten richtet sich gegen die Absender von WhatsApp‑Nachrichten, in denen ihm gedroht wird, man werde ihn aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit bald „in kleine Stücke gehackt“ vorfinden.

Article 19: Politik muss die Sicherheit von Cárdenas  gewährleisten

Die Anzeige wurde weitergeleitet an die auf Wahlvergehen und Verbrechen gegen Journalist*innen und/oder Korrespondent*innen spezialisierte Staatsanwaltschaft. Zusätzlich wurden die Staatliche Kommission für die Betreuung und den Schutz von Journalisten*innen CEAPP (Comisión Estatal para la Atención y Protección de los Periodistas) und die Abteilung für den Schutz von Journalisten*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen darüber in Kenntnis gesetzt.

Außerdem sprach die zu Medien- und Pressefreiheit arbeitende Menschenrechtsorganisation Article 19 angesichts dieser Drohungen eine Warnung aus und forderte die Bundesregierung von Enrique Peña Nieto sowie den Gouverneur von Veracruz, Miguel Ángel Yunes Linares, dazu auf, die Sicherheit von Cárdenas zu gewährleisten.

„Wir werden allen Journalisten, die nur Lügen verbreitet haben, die Köpfe abhacken… wir werden dich holen, Mussio Cárdenas… du hast beim Boss verschissen… du hast dich mit seiner Familie angelegt… die Familie ist heilig, Mussio. In kleine Stücke gehackt wird man dich vorfinden… du bist so gut wie tot, du Hurensohn“, das war die Nachricht, die Cárdenas letztes Wochenende vermutlich von Mitgliedern von „Los Zetas“, die Hernán Martínez Zavaleta „El Comandante H“ unterstellt sind, bei WhatsApp erhielt.

Hintergrund ist kritische Berichterstattung über lokalen Kartell-Chef

Cárdenas erklärte in seiner Kolumne „Informe Rojo“, dass die Verfasser*innen der Drohung sich auf seine Veröffentlichungen beziehen, in denen er die Komplizenschaft zwischen einem in Coatzacoalcos festgenommenen lokalen Kartell-Chef und der Regierung des ehemaligen Gouverneurs Javier Duarte sowie anderer regionaler Politiker*innen enthüllte.

Der Text gibt außerdem zu verstehen, dass auch diejenigen eliminiert werden, die Entführungen im Namen von „Los Zetas“ durchführen. „Die Säuberung beginnt. Bürger, noch vor dem 15. wird Coatza (sic) von diesen Übeln befreit sein. Comandante H ist präsenter denn je“, fügt die Nachricht hinzu.

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