Bolivien

USAID verlässt Bolivien


von Gerhard Mertschenk

Boliviens Präsident Evo Morales / Foto: agencia pulsar(05. Oktober 2013, amerika21.de).- Die US-Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) hat mitgeteilt, dass sie ihre gesamte Tätigkeit in Bolivien beendet hat. Damit folgt sie der von der Regierung Evo Morales ausgesprochenen Aufforderung, das Land zu verlassen. Bereits im Mai dieses Jahres hatte die weltweit agierende Entwicklungsbehörde, die sich im Andenland offiziell um Armutsbekämpfung kümmerte, ihre Aktivitäten infolge der erfolgten Ausweisung wegen Spionage- und Verschwörungsvorwürfen eingestellt.

Vorwurf der politischen Einmischung

Den Rauswurf der US-Entwicklungshelfer*innen hatte Boliviens Präsident auf einer Veranstaltung anlässlich des 1. Mai verkündet. Er warf der Agentur vor, gegen die Souveränität des Landes und die Sicherheit des Staates konspiriert zu haben. Die USAID habe sich verschwörerischer Handlungen bedient und politische Einmischung bei Bauerngewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen betrieben, um seine Regierung zu destabilisieren – so wie es zuvor die Botschaft USA betrieben habe.

“Es gibt einige Einrichtungen der US-Botschaft, die weiterhin gegen unseren Prozess, gegen das Volk und insbesondere gegen die Regierung des Landes Verschwörungen anzetteln. Deshalb nutze ich den 1. Mai um bekannt zugeben, dass wir beschlossen haben, die USAID des Landes zu verweisen”, hatte Morales erklärt.

Bereits dritter Rauswurf einer US-Organisation

Es ist bereits der dritte Rauswurf einer US-Organisation, der von Morales seit seinem Amtsantritt im Januar 2006 angeordnet wurde. Im Jahr 2008 verwies er den damaligen Botschafter der USA, Philip Goldberg, des Landes, den er einer Verschwörung mit der Opposition bezichtigte. Außerdem verlangte er den Rückzug der US-Antidrogen-Agentur (DEA), da sie Spionage betrieben habe.

Die USAID war in Bolivien seit 1964 tätig und verfügte im Vergleich mit allen anderen in Bolivien tätigen ausländischen Einrichtungen über die meisten Geldmittel, die beste Infrastruktur, den größten Fahrzeugpark und das größte Aufgebot an Mitarbeiter*innen. Bolivien ist weltweit das zweite Land, das die USAID hinausgeworfen hat. Vorangegangen war Russland im Oktober 2012.

(Mit Informationen von Prensa Latina)

CC BY-SA 4.0 USAID verlässt Bolivien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Durch die Proteste sind wir sichtbar geworden“ – Menschen mit Behinderung fordern Rente der Würde Von Thomas Guthmann (La Paz, 13. September 2016, npl).- Fünf Monate lang protestierten Menschen mit Behinderung für ihre Rechte in La Paz. Gekommen sind sie mit einem Protestmarsch von Cochabamba in die Hauptstadt. Jetzt mussten sie ihren Protest aufgeben. Ihre zentrale Forderung, eine Rente der Würde zu erhalten, konnten sie nicht gegen die Regierung durchsetzen. Alex Vazquez ist ein stämmiger Mann. Er macht den Eindruck, als ob er nicht leicht aus der Fassung zu br...
El Salvador eröffnet Botschaft in Bolivien (La Paz, 4. September 2016, prensa latina).- El Salvador hat am Mittwoch, 7. September 2016, seine Botschaft in Bolivien eröffnet. Der Präsident des zentralamerikanischen Landes, Salvador Sánchez Cerén, hatte dies am 4. September 2016 in La Paz mitgeteilt. Angaben des Staatschefs zufolge erlaube die Eröffnung der diplomatischen Vertretung einen Ausbau der Zusammenarbeit und des Handels mit Bolivien.„Wir glauben, dass Bolivien inzwischen über eine sehr dynamische Wirtschaf...
Die Folgen des Bergbaus sind nicht zu verantworten Von Diego Andreucci und Helga Grunberg Cazón(Quito, 12. Mai 2016, alai).- Der Bergbau hat schwerwiegende soziale und ökologische Auswirkungen. In Bolivien können die Menschen vor Ort ein Lied davon singen. Was hatte die neue Verfassung aus dem Jahr 2009 nicht alles versprochen: Rechte für die Indigenen und für die lokalen Gemeinschaften, Umweltschutz und die Nutzung des Wassers vor allem für lebensnotwendige Zwecke. Mit Initiativen wie diesen weckte die Regierung von...
Nach der Niederlage von Evo Morales Von José Carlos Díaz Zanelli(Quito, 29. Februar 2016, servindi).- Bei der am 21. Februar dieses Jahres abgehaltenen Volksbefragung über eine Verfassungsänderung, die eine erneute Kandidatur des bolivianischen Präsidenten Evo Morales möglich und damit den Weg für seine Wiederwahl frei machen sollte, stimmten nach Auszählung der Stimmen 51,3 Prozent gegen und 48,7 Prozent für eine Änderung. Damit hat Morales nach elf Jahren Regierungszeit einen ersten herben Rückschlag...
Über das „Nein“ zur möglichen Wiederwahl von Evo Morales Von Cristina Fontenele(Fortaleza, 24. Februar 2016, adital).- Bei dem am 21. Februar dieses Jahres abgehaltenen Referendum über die mögliche Wiederwahl des Präsidenten Boliviens entschied sich die Mehrheit der bolivianischen Bevölkerung gegen eine Änderung des Artikels 168 der Verfassung von 2009 und damit gegen eine erneute Kandidatur Evo Morales´ bei den Präsidentschaftswahlen 2020. Nach Zahlen der Obersten Wahlbehörde Boliviens OEP (Órgano Electoral Plurinacional)...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *