Kolumbien

US-Militärs vergewaltigten Kinder


von Jonas Brander

US-Militär in Kolumbien. Foto: Amerika21/es.comunicas.org(Bogotá, 27. März 2015, amerika21.de).- Laut einem Bericht einer unabhängigen historischen Kommission in Kolumbien haben Angehörige der US-Streitkräfte und in ihrem Dienst stehender privater Militärunternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 mindestens 54 Kinder sexuell missbraucht. Der im Februar vorgelegte 800-seitige Bericht war am Verhandlungstisch in Havanna von der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) in Auftrag gegeben worden, um einen Beitrag zur Aufarbeitung der im Verlauf des bewaffneten Konflikts begangenen Verbrechen zu liefern.

Einer der Mitarbeiter der Kommission, Professor Renán Vega, konzentrierte sich auf die Rolle der USA im Konflikt und erhebt schwere Vorwürfe: “Es gibt sehr viele Informationen über den sexuellen Missbrauch durch Soldaten, und dank der bilateralen Abkommen und der diplomatischen Immunität von US-Offiziellen herrscht komplette Straflosigkeit.” Die Taten bezeichnete er als “sexuellen Imperialismus”.

Konkret nennt der Bericht 53 Fälle in der Stadt Melgar, etwa 100 Kilometer von Bogotá entfernt im Zentrum Kolumbiens. Die Soldaten missbrauchten dort ihre minderjährigen Opfer, filmten die Taten und verkauften die Aufnahmen später als pornografisches Material. Oft waren die Opfer anschließend Drohungen und Vertreibungen ausgesetzt, wie Kolumbiens größte Tageszeitung “El Tiempo” berichtet.

Straflosigkeit trotz Beweise

Ein Fall, der jahrelang Aufmerksamkeit in den kolumbianischen Medien erhielt, ereignete sich 2007 ebenfalls in Melgar. Der US-Sergeant Michael J. Coen und der Angestellte eines privaten Militärunternehmens, Cesar Ruiz, vergewaltigten in der Militärbasis ein zwölfjähriges Mädchen. Kolumbianische Ermittler erklärten, dass das Mädchen unter Drogen gesetzt und mehrmals missbraucht wurde. Doch aufgrund der Immunität konnten sie die US-Militärs nicht belangen, bevor diese aus dem Land flohen. Auch aufseiten der US-Justiz wurde der Fall nicht weiterverfolgt.

Der Bericht benennt die Taten ausdrücklich als Beispiele, und die Zeitung “El Turbion” spricht von 37 weiteren Fällen sexueller Gewalt von amerikanischen Soldaten allein zwischen 2006 und 2007.

Die Soldaten und Angestellten privater Militärunternehmen der US-Streitkräfte waren im Rahmen des sogenannten Plan Colombia im Einsatz, eines umfangreichen Programms militärischer Unterstützung der USA für Kolumbien mit dem offiziellen Ziel der Stärkung des gemeinsamen “Kriegs gegen Drogen”. Faktisch war es auf die Bekämpfung der FARC-Guerilla ausgerichtet. Das im Jahr 1999 zunächst bewilligte Gesamtbudget betrug 3,7 Milliarden US-Dollar. Kolumbien wurde zum weltweit drittgrößten Empfänger von US-Militärhilfe, nach Israel und Ägypten. Die finanzielle Förderung im Rahmen des Plan Colombia dauert an. Für 2014 hatten die USA Kolumbien 117 Millionen Dollar Militärhilfe zugesichert.

CC BY-SA 4.0 US-Militärs vergewaltigten Kinder von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Gesetzesreform: Kriegsverbrecher bald auf freiem Fuß?
28
(Guatemala-Stadt, 25. Januar 2019, Nómada/ poonal).- Eine Gruppe Abgeordneter plant das Gesetz zur Nationalen Versöhnung zu reformieren und damit eine Generalamnestie für Ex-Militärs und Ex-Guerilla-Kämpfer zu erlassen, die während des internen bewaffneten Konflikts (1960-96) Verbrechen begangen haben. Das Thema ist komplexer als es zunächst erscheint. Wir erklären es anhand von fünf Fragen und Antworten. 1. Was ist das Gesetz zur Nationalen Versöhnung? Das Gesetz wurde 199...
onda-info 451
116
Hallo und Willkommen zum onda-info 451! Wie immer beginnen wir mit Nachrichten: Drei kommen aus Mexiko, über die Ermordung von Sinar Corzo, eine Entschuldigung bei der Journalistin Lydia Cacho und - mal wieder - Massengräber in Mexiko. Eine weitere Nota gibt euch ein Update zum Machtkampf um die Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala. In unserem onda-Studio hatten wir Laura Reyes aus Mexiko zu Besuch. Die Radioaktivistin berichtet von der aktuellen Situation u...
Parlament berät über Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs
88
(Mexiko-Stadt, 3. Januar 2019, cimacnoticias).- Das Parlament von Ecuador hat Anfang Januar über Pläne zu einer Lockerung des Abtreibungsverbots diskutiert. Diese sind Teil einer Initiative zur Reform des Strafrechts, zu der auch andere Themen wie die Bekämpfung von Korruption oder die Verwendung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken gehören. In Ecuador erlaubt das aktuelle Recht die Abtreibung aus zwei Gründen: Wenn das Leben der Frau in Gefahr ist, oder wegen Vergewalt...
Eliten verteidigen die Straflosigkeit
44
„Lasst uns darauf einigen, Frieden (Ziel 16) an den Anfang zu stellen" (UN-Generalsekretär Antonio Guterres, in seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 1. Januar 2017). "Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen" schaffen und erhalten ist ein Ziel der UN. Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres sogar das erste und wichtigste. Im Dezember 2006 vereinbarten Guatemala und die UN die Einsetzung einer Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit. Genau in diese R...
onda-info 449
54
Hallo und Willkommen zum onda-info 449, ihr hört das letzte onda-info in diesem Jahr und wie immer waren wir mal wieder viel unterwegs, um Euch spannende Beiträge, Stimmen und Neuigkeiten aus Lateinamerika mitzubringen. Nach einer Nota über den geplanten Tren Maya in Mexiko starten wir mit der chilenischen Rapperin Ladeyabu. Mit ihr sprachen wir an Telefon über Hiphop, ihr neues Album und die Situation der Frauen in Chile. Mehr Informationen könnt ihr auf ihrer Webseite...