Mexiko

US-Journalist kritisiert Fehler bei Ermittlungen im Mordfall Sally Grace Eiler


(Rio de Janeiro, 14. Januar 2009, púlsar).- Der unabhängige US-amerikanische Journalist John Berger machte auf Unregelmäßigkeiten bei den Ermittlungen zum Mord an der jungen US-Amerikanerin Marcella „Sally“ Grace Eiler im vergangenen September im Bundesstaat Oaxaca aufmerksam. Sally Grace Eiler hielt sich seit 2005 mit Unterbrechungen in Oaxaca auf, wo sie sich in der Menschenrechtsarbeit und verschiedenen sozialen Bewegungen wie der Indígena-Organisation CIPO (Consejo Indigena Popular de Oaxaca) engagierte.

Am 24. September 2008 war der Leichnam der jungen Aktivistin in einer unbewohnten Hütte nahe San José del Pacífico, einer Gemeinde 136 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Oaxaca, gefunden worden. Nach Angaben der mexikanischen Ermittlungsbehörden auf Bundesebene, wurde Sally Grace Eiler von dem 32-jährigen Omar Yoguez Singu mit einer Machete während eines Streits ermordet, nachdem sie, angeblich einvernehmlich und unter Drogeneinfluss, sexuellen Kontakt gehabt haben sollen.

Laut Autopsie war die Todesursache eine 6 Zentimeter lange Stichwunde in der linken Brust. Vier Tage nach dem Verbrechen wurde Singu in Mexiko-Stadt festgenommen, nachdem der Konsularvertreter der USA, Mark Arnold Leyes Cooney die Einäscherung des Leichnams veranlasst hatte. Der US-amerikanische Journalist Berger wies jetzt darauf hin, dass nicht angemessen ermittelt worden sei. Dabei bezog er sich vor allem auf die mangelhafte Autopsie und kritisierte die vorschnelle Verbrennung des Leichnams der Aktivistin.

Laut Berger sei der Mord das Ergebnis einer versuchten Vergewaltigung. Er bestritt, dass das Mordopfer drogenabhängig gewesen sei und warnte davor, der des Verbrechens beschuldigte Omar Yoguez Singu könne die Anschuldigungen zurückweisen und würde seine Freisprechung erwirken wollen. Letztendlich schloss er aber aus, dass der Gouverneur von Oaxaca, Ulises Rúiz Ortiz, das Verbrechen arrangiert habe.

Unmittelbar nach dem Verbrechen protestierten Organisationen, in denen Sally Grace Eiler sich engagiert hatte, in Oaxaca mit Kundgebungen gegen die mangelhaften Ermittlungsarbeiten der Polizei. Sie warfen den Behörden vor, zu langsam zu arbeiten und die Vernehmung wichtiger Zeugen zu unterlassen.

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