Chile

Unterschriftensammlungen für Legalisierung der Abtreibung


aborto. Foto: Archiv(Mexiko-Stadt, 01. August 2013, cimac).- Feministische Organisationen verlangen angesichts der aktuellen Situation in Chile, dass das Parlament und der Präsident Sebastián Piñera ein Gesetz bewilligen, welches einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch erlaubt. Zurzeit werden in Chile alle Formen und Fälle von Abtreibung gesetzlich bestraft. Die chilenische Frauenorganisation AFLD (Articulacion Feminista por la Libertad de Decidir), die für die Rechte der Frauen in Chile kämpft, kündigte eine Online-Kampagne auf ihrer Internetseite an, um so Unterschriften für die Legalisierung der Abtreibung zu sammeln. Mit diesen soll Druck auf die Regierung ausgeübt und eine öffentliche Diskussion zum Thema angestoßen werden.

Die Gesetzgebung zu Abtreibungen in Chile ist eine der strengsten der Welt. In den Jahren 1931 bis 1989 war die therapeutische Abtreibung unter der Zustimmung von zwei Ärzten erlaubt. 1989 jedoch, noch während der Militärdiktatur unter Pinochet wurde auch diese Ausnahme verboten.

Für das Recht, selbst zu entscheiden

Die AFLD fordert eine Garantie für das Recht der Frauen und Mädchen auf Freiheit und Autonomie bezüglich ihrer Fortpflanzung. Die Organisation sieht dieses Recht als Teil der Bürgerrechte und weist darauf hin, dass diese den Frauen aberkannt würden, sollte ihnen das geforderte Recht vorenthalten bleiben.

Da Abtreibungen in Chile Straftaten sind, gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele Schwangerschaften tatsächlich abgebrochen werden. Nach Schätzungen der AFLD sind pro Jahr jedoch etwa 160.000 Chileninnen betroffen. Außerdem stellte sich heraus, dass durch Komplikationen infolge einer Abtreibung jährlich etwa 15 Millionen US-Dollar Zusatzkosten für das Gesundheitswesen entstehen.

Für alarmierend hält die AFLD auch die Tatsache, dass durch das Verbot der Abtreibung ein Zweiklassensystem entstehe. Frauen mit ausreichenden finanziellen Mitteln könnten eine Abtreibung in sicheren Kliniken vornehmen lassen, wo das Prozedere durch andere Diagnosen verschleiert werde. Dagegen ließen Frauen aus den ärmeren Gesellschaftsschichten Abtreibungen in öffentlichen Kliniken in einem weniger sicheren Verfahren durchführen. Dadurch setzten sie sowohl ihr Leben aufs Spiel und gingen zudem das Risiko ein, dass sie in den Gesundheitseinrichtungen angezeigt und der Polizei überstellt würden.

Frauen vor Gericht ohne Verteidigung

Daten des chilenischen Netzwerkes für Gesundheit, sexuelle und reproduktive Rechte (Foro Red de Salud y Derechos Sexuales y Reproductivos) zeigen, dass 60 Prozent der wegen Abtreibung angezeigten Frauen vor Gericht nicht durch einen Verteidiger vertreten wurden. Dies stellt eine Zuwiderhandlung gegen die in der Verfassung verankerte Garantie auf einen Strafverteidiger dar.

Aus diesen Gründen sieht die AFLD die gegebene Situation als ein Problem des öffentlichen Gesundheitswesens, der sozialen Gerechtigkeit, der Menschenrechte sowie der allgemeinen Ungleichheit in der Bevölkerung.

Die Organisation machte außerdem auf schwangere minderjährige Mädchen aufmerksam, deren Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist. Solche Fälle trügen zu vermehrter Armut im Jugend- und Erwachsenenalter bei, da die Betroffenen meist gezwungen seien, ihre schulische Ausbildung abzubrechen. Der Staat hat bisher noch keine Unterstützung für diese Mädchen und ihre zukünftigen Kinder zugesagt. Auch dem hohen Risiko von Erkrankungen und Todesfällen wird in keiner Weise vorgebeugt.

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