Kuba

Überlebende machistischer Gewalt erzählen ihre Geschichte


Von Lirians Gordillo Piña

Screenshot: Semlac

Screenshot: Semlac

(Havanna, 7. März 2016, SEMlac).- Der Dokumentarfilm Estoy viva. Lo voy a contar. (“Ich lebe noch, und ich erzähle meine Geschichte.”) der auf soziale Bewegungen spezialisierten Produktionsfirma Proyecto Palomas erzählt die Geschichte von 14 kubanischen Frauen, die geschlechtlich motivierte Gewalt erlebt und überlebt haben. Die Überwindung der Angst und der Scham und der Entschluss, das Schweigen zu brechen, waren wichtige Schritte in einem Prozess, den die Betroffenen durchlaufen haben, um ihr Leben neu aufzubauen. „Wenn man über die eigenen Erlebnisse berichtet, hat das eine ganz besondere Kraft“, findet Lizette Vila, die zusammen mit Ingrid León Regie geführt hat.

„Über die Gewalterfahrungen berichten heißt: Sie öffentlich machen, das Erlebte der Abgeschlossenheit des Privaten entreißen und die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit für ein Thema wecken, das lange Zeit unsichtbar war“, so die Regisseurin und Palomas-Koordinatorin weiter. „Deshalb ist es uns so wichtig, mit Berichten aus der Ich-Perspektive zu arbeiten“.

Die Protagonistinnen sind kubanische Frauen verschiedenen Alters, sie wohnen an unterschiedlichen Orten, haben verschiedene Berufe, sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten; einige leben mit körperlichen Einschränkungen oder bekämpfen ihre Alkoholabhängigkeit.

Das Sprechen ist Teil der Heilung

Die persönliche Geschichte zu erzählen sei für viele Überlebende Teil der Heilung, findet Vila, allein die Tatsache, dass sie am Leben und in der Lage sind, ihre Geschichte zu erzählen, spreche für ihre Stärke und eine gelungene Überlebensstrategie. “Menschen mit Gewalterfahrung laufen immer Gefahr, von Angst und Schuldgefühlen überwältigt zu werden und zu verstummen. Wir müssen reden, im Bewusstsein unserer Würde und unserer Kraft“, so die Regisseurin gegenüber SEMlac.

45 Minuten lang erzählen Betroffene von sexueller, struktureller und ökonomischer Gewalt, von Übergriffen am Arbeitsplatz, psychischer und physischer Misshandlung. Anhand der Erlebnisberichte werden der Umgang mit Informationen, die Bedeutung der Solidarität und der Unterstützungsnetzwerke und die Verantwortung politischer Institutionen thematisiert.

Der Film spricht außerdem über die Kultur der Gewalt und der Ungleichheit, über die Notwendigkeit eines rechtlichen Rahmens und die Verantwortung der Zivilgesellschaft. Dazu werden kubanische und internationale Fachleute mit ihren Positionen zitiert, unter anderem die Aktivistin und Philologin Teresa de Jesús Fernández. „Estoy viva. Lo voy a contar.” knüpft an das Palomas-Projekt „Mi clítoris es mío” (Meine Klitoris gehört mir) an.

Film will Beitrag zur Umgestaltung Kubas leisten

Die enge Verbindung zum kubanischen Alltag kennzeichnet die Arbeit dieser Initiative, die Community-Arbeit und audiovisuelle Umsetzung miteinander verbindet und dabei Themen wie Gleichberechtigung der Geschlechter, die uneingeschränkte Wahrnehmung der Menschenrechte und die Beteiligung der Zivilgesellschaft aufgreift.
“Die Kunst kann heilend sein, und sie kann neue Ideen aussäen. Der Film ist ein Medium mit einer ungeheuer antreibenden Kraft und einem starken Demokratisierungseffekt; deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir einen Beitrag zur gesellschaftlichen Umgestaltung unseres Landes leisten können“, erklärt Vila, die das Projekt im Jahr 2002 gegründet hat.

Für die Realisierung dieses Dokumentarfilms bekam Palomas Unterstützung von verschiedenen Institutionen und Organisationen, die sich für uneingeschränkte geschlechtliche Gleichberechtigung einsetzen, darunter Oxfam (durch die britische Botschaft), das Verlagshaus Editorial de la Mujer, das Programm für Geschlechtergleichheit und nationales Geschehen Pegin (Programa de Equidad de Género con Incidencia Nacional) und die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

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