Mexiko

Triqui-Frauen fliehen vor Gewalt in Oaxaca


von Citlalli López

mexico - indigenas-triquis. Foto: Cimac/César Martínez López(Mexiko-Stadt, 14. Januar 2013, cimac).- Die anhaltende Gewalt hat Hunderte von Frauen der Triqui-Ethnie dazu veranlasst, ihr Land im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca zu verlassen, um im Norden Mexikos, im Bundesstaat Baja California ein neues Leben zu beginnen. Dort haben sie in dem Ort San Quintín in der Gemeinde Ensenada ein Dorf mit dem Namen “Neu San Juan Copala” (Nuevo San Juan Copala) gegründet.

Der Name bezieht sich auf ihr Dorf in der mixtekischen Region von Oaxaca, aus dem sie vor der interkommunalen Gewalt geflohen waren. Im Konflikt um die Kontrolle des Territoriums der Triqui sind die Frauen das “Kanonenfutter” und die bevorzugte Kriegsbeute. Die Frauen flohen mit ihren Familien oder, wenn ihre Männer bereits tot waren, mit ihren Kindern.

Nach Schätzungen des Organisationskommitees des Kulturzentrums Casa Cultural de la Nación Triqui “Heriberto Saúl Pazos Ortiz” in Oaxaca-Stadt schwelen in der Region zahlreiche politische und soziale Konflikte, die in 30 Jahren mindestens 800 Opfer gefordert haben, darunter viele Frauen und Kinder.

Frauen in Todesangst

Juana Ramírez, die ursprünglich aus dem Gemeindebezirk Cumbre Hierba Santa in Copala stammt, kam im Jahr 2000 nach Ensenada, weil sie in ihrem Dorf “Angst hatte zu sterben”, wie es Dutzenden ihrer Landsfauen geschehen ist. Ihr Heimatort gehört zu den 23 Gemeindebezirken, aus denen die Gemeinde Santiago Juxtlahuaca besteht. Sie befinden sich in der mixtekischen Region westlich der Provinzhauptstadt Oaxaca.

Schon bevor sich der Konflikt in der Region verschärft hatte, verließ die bereits verwitwete Ramírez ihr Land und zog nach San Quintín, um ein neues Leben zu beginnen. Allein in den vergangenen vier Jahren hat San Juan Copala, wo sich das Zentrum des Konflikts befindet, schätzungsweise 70 Prozent seiner weiblichen Bevölkerung verloren. Das vermutet Lorena Merino Martínez, die gegenwärtig in einem Camp in den Gängen des Regierungssitzes in Oaxaca lebt.

Der Exodus der Frauen

Bis 2005 hatte San Juan Copala 786 Einwohner*innen, davon 333 Männer und 453 Frauen. Im Jahr 2009 begann der Exodus der Frauen, von denen schon viele verwitwet waren. Sie emigrierten nach Mexiko-Stadt, in den Bundesstaat México, nach Baja California oder nach Oaxaca-Stadt. Gegenwärtig ist nicht bekannt, wieviele Frauen sich noch in San Juan Copala befinden, da das Nationale Institut für Statistik und Geographie INEGI (Instituto Nacional de Estadística y Geografía) wegen der schlechten Sicherheitslage die Volkszählung 2010 nicht durchgeführt hat. Nach Aussagen von Lorena Merino Martínez, die ihren Mann bei einer Schießerei in dem Dorf verloren hat, sind Frauen und Kinder besonders gefährdet, da sie häufig vergewaltigt und danach umgebracht werden. Seit 2009 gibt es auch keine Ärzt*innen, Medikamente und Lehrer*innen mehr für die Kinder.

Juana Ramírez, die wegen ihrer Kenntnisse der traditionellen Medizin als weise gilt, arbeitet gegenwärtig als Heilerin, Hebamme und Gelegenheitsarbeiterin. Mit dem Geld, das sie beim Maulbeerpflücken auf den Feldern von San Quintín verdient hat, kaufte sie sich von der Provinzregierung von Baja California ein Stück Land, damit sich die Oaxaqueños im Tal von San Quintín ansiedeln und weiterhin aktiv Landwirtschaft und Handel betreiben können.

Ein Leben in Armut, aber ohne Gewalt

Auf diesem Land, das Ramírez für 20.000 Pesos in zweiwöchigen Raten von 100 bis 200 Pesos bezahlt hat, haben sie und ihr zweiter Mann ein Haus aus Spanplatten mit drei großen Zimmern errichtet. Die Zimmer haben kaum Möbel und die Haushaltsgegenstände sind mit Nägeln an den Wänden befestigt. Es gibt einen Tisch ohne Stühle und einen Kühlschrank. Im kleinsten Zimmer verwahrt Juana ihren Webstuhl und Garn, mit dem sie ihre traditionellen Trachten (Huipiles) webt. “Auch wenn wir hier in einem Holzhaus leben, wird niemand auf uns schießen“, sagt sie.

Die Siedlung liegt im Bezirk Vicente Guerrero. Dort leben etwa 20.000 Personen in 30 Siedlungen, von denen die meisten den Ethnien der Triqui und Mixteken angehören. 55 Prozent der Bewohner*innen sind Frauen, erklärte der Gemeindevertreter Justino Herrera Martínez, der auch den Triqui angehört.

(Informationen zum Hintergrund des Konflikts gibt es hier)

 

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