Brasilien

Treffen der Hurenbewegung


Gabriela Silva Leite, Direktorin der NGO Davida / galodoparao.blogspot.com(Rio de Janeiro, 03. Dezember 2008, púlsar).- In einem Hotel im Rotlichtviertel am Platz Praça Tiradentes begann am 2. Dezember das 4. Nationale Treffen der Brasilianischen Prostituiertenbewegung. Bis zum 5. Dezember werden rund 50 Prostituierte aus 17 Bundesstaaten gemeinsam mit Vertreter*innen von Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft in Rio de Janeiro die Herausforderungen des Berufszweiges diskutieren. Im Mittelpunkt stehen die Forderung nach Anerkennung der Prostitution als Beruf sowie Menschenrechtsverletzungen und Aids. Zudem wird eine Studie vorgestellt, die Ausgrenzung und Stigmatisierung von Huren in Rio de Janeiro untersucht.

Bürgerrechte für Prostitutierte

An der Eröffnungsveranstaltung nahm der Präsident der Anwaltsvereinigung OAB von Rio de Janeiro, Wadih Damous, teil. Er sagte, die Themen des Treffens beträfen die gesamte brasilianische Gesellschaft, so z.B. was die Verletzung von Menschenrechten angeht. Prostituierte seien Opfer von Gewalttaten, Vorurteilen und Intoleranz. Das Treffen diene dazu, ihre Bürgerrechte einzufordern, so Damous.

Die Abgeordnete Ines Pandeló, Vorsitzende der Frauenrechtskommission des Parlaments in Rio de Janeiro, vertrat die Auffassung, dass die Legalisierung der Prostitution zu mehr Sicherheit für die Frauen und zum Abbau von Vorurteilen führen würde. Ivo Brito, Vertreter des nationalen Aidsprogrammes der brasilianischen Regierung, hob die Bedeutung der Arbeit der Prostituiertenbewegung im Bereich Gesundheit und Menschenrechte hervor. „Diese Bewegung ist eine der Säulen in Kampf gegen Aids und zeichnet sich durch ihren solidarischen Charakter aus.“

„so wie jeder andere Beruf auch“

Gabriela Silva Leite, Direktorin der NGO Davida aus Rio de Janeiro, die das Treffen organisiert hat, plädierte für eine umfassende Formalisierung des Arbeitsfeldes Prostitution. „Regulierung ist wichtig, um Arbeitsrechte zu bekommen, so wie jeder andere Beruf auch“, so Silva Leite.

Per Video wurde während der Auftaktveranstaltung ein Grußwort des Bundesabgeordneten Fernando Gabeira gezeigt. Er ist Autor eines Gesetzesentwurfs zur Legalisierung der Prostitution, der sich an der Gesetzeslage in Deutschland orientiert. Es gehe nicht nur darum, die Verabschiedung dieses Gesetzes zu erreichen, sagte Gabeira. „Auch die Diskussion in Gesellschaft und Medien wird dazu beitragen, dass die Huren den Respekt erkämpfen, den sie verdienen.“

CC BY-SA 4.0 Treffen der Hurenbewegung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Hinhörer: SDG 2 Kein Hunger
19
Onda „Hinhörer“: Nachhaltige Entwicklungsziele in wenigen Minuten auf den Punkt gebracht. Argumente, Infos und Straßenumfragen aus Deutschland und Lateinamerika. Heute: Kein Hunger
onda-info 461
108
Hallo und willkommen zum onda-info 461! Diesmal gibt es ein Spezial und unsere Sendung dreht sich heute um Argentinien. Am 1. August 2017 starb der argentinische Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz. Die ungeklärten Umstände seines Todes brachten 300.000 Menschen auf die Straße und setzten die Regierung unter Druck. Jetzt konnten wir mit seinem Bruder Sergio sprechen, als dieser in Berlin zu Gast war. Argentinien ist weltberühmt für sein Rindfleisch. De...
Hinhörer: SDG 2 Kein Hunger
63
Onda „Hinhörer“: Nachhaltige Entwicklungsziele in wenigen Minuten auf den Punkt gebracht. Argumente, Infos und Straßenumfragen aus Deutschland und Lateinamerika. Heute: Ernährung sichern
Don Leo will kein Narco sein
103
Don Leo, wie er liebevoll im Dorf Buenavista in der Kaffeeregion Kolumbiens genannt wird, hat viel zu erzählen. Wie er in den Wirren des bewaffneten Konflikts zunächst Kaffee-, dann Koka- und dann wieder Kaffeebauer wurde. Seine Geschichte. „Ich bin im Jahr 1953 in der Region Chocó geboren. Als Kind ging ich nur für ein paar Monate in die Schule, gerade genug, um Lesen und Schreiben zu lernen. Mit neun Jahren sandte mich meine Familie auf eine Kaffeefarm. Die Besitzer der ...
Proteste zur VW-Aktionärsversammlung
154
(Berlin, 14. Mai 2019, npl).- Am 14. Mai fand in Berlin die Jahreshauptversammlung der VW-Aktionär*innen statt. Neben den anreisenden Aktionär*innen kamen eine Reihe ungeladener Gäste. Extinction Rebellion Berlin, Gegenstrom Berlin und Robin Wood Berlin hatte zu einem „Die-in“ als Auftakt der VW-Aktionärsversammlung eingeladen. Während Ermittler*innen der drei Organisationen untersuchten, woran die vielen Toten gestorben seien, erklärten Redner*innen, warum der Autobauer für ...