Totales Abtreibungsverbot beschlossen


(Lima, 01. Oktober 2009, noticias aliadas).- Die von der Nationalversammlung zur Überprüfung der Verfassung der Dominikanischen Republik eingesetzte Kommission entschied am vergangenen 17. September, den Grundsatz, dass das Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum Tod unantastbar ist, mit in die Verfassung aufzunehmen.

Im Text des umstrittenen Artikel 30 der reformierten Verfassung ist festgelegt, dass das Leben mit der Empfängnis beginnt: „Das Leben ist ab dem Moment der Empfängnis unantastbar“ heißt es im Text der Verfassungsreform, die von Präsident Leonel Fernández in die parlamentarischen Ausschüsse zur Überarbeitung der Verfassung eingebracht wurde und die nun beschlossen ist.

Bei der Abstimmung gab es 127 Stimmen für das neue Gesetz. Lediglich 108 Stimmen wären erforderlich gewesen. Im Vorfeld der Gesetzesänderung hatten zahlreiche lokale Organisationen gegen dieses Vorhaben protestiert. Amnesty International hatte einen Aufruf gegen den Gesetzentwurf gestartet.

Die neue Regelung entspricht vor allem den Vorstellungen der Kirche. Der Priester Luis Rosario, der bei der Entscheidung anwesend war, begrüßte die Entscheidung und äußerte, dass die Achtung des Rechts auf Leben in der Dominikanischen Republik ein Beispiel für die ganze Welt darstelle.

Die Entscheidung zum völligen Verbot von Abtreibungen wurde seitens der Verteidiger*innen von Frauenrechten scharf kritisiert. „Das dominikanische Parlament hat damit einen herben Schlag gegen das Recht auf Leben von Frauen und Mädchen getan“ äußerte die Leiterin der amerikanischen Sektion von Amnesty International (AI).

„Wenn der Schwangerschaftsabbruch in jedem Fall verboten ist, wird sich die Müttersterblichkeit erhöhen, denn die Ärzte sind dann nicht in der Lage bzw. trauen sich nicht, eine lebensrettende kontraindizierende Behandlung während der Schwangerschaft vorzunehmen, selbst wenn dies die einzige Möglichkeit darstellt, das Leben der Patientin zu retten“, sagte Lee weiter. Als „katastrophal“ bezeichnete auch die Vereinigung der Gynäkolog*innen und Geburtshelfer*innen der Dominikanischen Republik die möglichen Auswirkungen dieser Regelung.

Die verabschiedeten Paragraphen des Artikels 30 der Verfassungsreform dürften die Möglichkeiten eines sicheren Schwangerschaftsabbruches – auch in Fällen, in denen eine Frau unter Schwangerschaftskomplikationen leidet, die ihr Leben gefährden oder eine lebensrettende Behandlung notwendig wird, die unvereinbar mit der Schwangerschaft ist, wie im Falle von Malaria, Krebs oder HIV/Aids – sehr stark einschränken, heißt es in einer Erklärung von Amnesty International.

Der Schwangerschaftsabbruch ist in der Dominikanischen Republik bereits vor 60 Jahren verboten worden. In Fällen von Vergewaltigung, Inzest oder der Gefahr für Leib und Leben der Mutter war ein Abbruch jedoch bisher verfassungsrechtlich erlaubt.

CC BY-SA 4.0 Totales Abtreibungsverbot beschlossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Consultório de Rua – Straßensprechstunde Mehr als eine Million Menschen rauchen in Brasilien regelmäßig Crack. Die Regierenden begegnen den Konsumierenden mit Repression und Zwangsentzug. Nur selten werden alternative Wege erprobt, so wie in Manguinhos, einem Stadtteil im Norden Rio de Janeiros. Dort kümmert sich sich die Initiative Consultório de Rua (auf Deutsch: Straßensprechstunde) seit mehr als sechs Jahren um die stigmatisierten Bewohner*innen der Crackolândias.
Ayahuasca: Traditionelles Heilmittel und alternativer Drogenentzug im Amazonas Ayahuasca: diese Pflanze aus dem Amazonas wird seit Jahrtausenden als traditionelles Heilmittel in Lateinamerika eingesetzt. Auch Hippies und die New Age Bewegung entdeckten das visionsspendende Gewächs im vergangenen Jahrhundert für sich. Heute gibt es in Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru einen regelrechten Ayahuasca-Boom, ganz nach dem Motto: in jedem steckt ein kleiner Schamane. Im peruanischen Tarapoto zeigt eine Gruppe von Ärzt*innen und Psycholog*innen dagegen, wie...
Mord an einem Ombudsmann Von Luis Hernández Navarro (Mexiko-Stadt, 28. November 2017, la Jornada).- Die Beerdigung von Silvestre de la Toba war noch im Gange, als dessen sichtlich gekränkter Cousin jenen Journalist*innen, die den Gouverneur von Baja California Sur, Carlos Mendoza Davis interviewten, zurief: „Schafft ihn weg, schafft ihn weg. Dahin, wo kein Familienangehöriger ist, wo es keinen Schmerz gibt. Interviewt ihn auf der Straße, da, wo der Gouverneur sein muss.“ Der tote Silvestre war...
Haiti: Parlament diskutiert ausdrückliches Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe (Montevideo, 20. Juli 2017, la diaria).- Der haitianische Senat diskutiert seit 18. Juli einen Gesetzesentwurf, der die Eheschliessung zwischen Personen gleichen Geschlechts verbieten würde, wie die Tageszeitung Le Nouvelliste und die Nachrichtenagentur Efe berichteten. Auch wenn diese Form der Verbindung in Haiti bereits illegal ist, zielt die Initative auf ein ausdrückliches Verbot der Homosexuellen-Ehe und deren strafrechtliche Verfolgung ab und ist Ausdruck der im Land he...
Cracolândia: Hilfe und Repression im Land des Cracks Im Norden der Innenstadt von São Paulo liegt Cracolândia, das Land des Cracks. Das Viertel ist in ganz Brasilien ein Symbol für die Drogenepidemie im Land. Ein städtisches Hilfsprogramm zeigte in den letzten Jahren viel beachtete Erfolge. Doch damit ist nun Schluss: Der neue, rechtsgerichtete Bürgermeister setzt wieder ganz auf Vertreibung und Bestrafung. Und das wohl nicht ohne Hintergedanken. Investoren haben ihr Interesse an der Region angemeldet. Spezialeinheiten der Poli...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.