Guatemala

Todesopfer bei Demonstration am Tag des Widerstandes der indigenen Völker


(Fortaleza, 13. Oktober 2009, adital).- Am Montag, dem 12. Oktober, mobilisierten sich Tausende von Bäuerinnen und Bauern verschiedener Regionen Guatemalas in der Hauptstadt und in verschiedenen Städten des Landesinneren, um am Tag des Widerstandes der indigenen Völker gegen die neoliberale Politik, die erteilten Konzessionen zur Ausbeutung der Naturressourcen, für Zugang zu Land und für eine Politik gegen den Hunger zu demonstrieren.

Die Demonstrationen verliefen in der Hauptstadt und in den Provinzen weitgehend friedlich, in der Hauptstadt kam es jedoch zu einem Zwischenfall, bei dem ein 19–jähriger Landarbeiter getötet und zwei weitere Personen verletzt wurden. Die Opfer stammen aus San Juan Sacatepéquez, wo es großen Widerstand der Bevölkerung gegen eine Zementfabrik gibt. Nach Angaben der Organisator*innen habe ein bislang Unbekannter auf die Demonstrant*innen geschossen, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer der blockierten Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt befanden und der Person den Durchgang verweigert hätten. In der Hauptstadt hatten die Demonstrant*innen die größten Zufahrtsstraßen blockiert, so dass Polizei eingesetzt wurde, um die Blockaden wieder zu räumen. Vereinzelt sei es dabei zu Gewaltaktionen gekommen.

Der 12. Oktober wurde ursprünglich – und wird auch noch heute – in Spanien als „Tag der Hispanidad“ anlässlich der Entdeckung Amerikas begangen. Erst seit einigen Jahren widmet ihn die indigene Bevölkerung zum Tag der Würde und des Widerstandes der indigenen Völker in den Amerikas um. Bei Erklärungen, die während der Demonstrationen verlesen wurden, erklärten die Campesinos, dass dieser Tag kein Tag zum Feiern sei, sondern ein Tag des Widerstandes. Er diene der Erinnerung an mehr als 500 Jahre Unterdrückung durch den Kolonialismus, welcher nur Unglück über die indigene Bevölkerung gebracht habe, jedoch keine Entwicklung, wie es die Oligarchie des Landes behaupte. Der Staat sei Komplize der Interessen des kolonialen und neoliberalen Erbes sowie der transnationalen Konzerne, welche die Mutter Erde unterjochten und sie rücksichtslos ausbeuteten und zerstörten, erklärten die Redner*innen. Pressemeldungen zufolge demonstrierten auch Hunderte von Indígenas aus den umliegenden Gemeinden in Colotenango im Department Huehuetenango gegen die Aneignungsversuche indigener Territorien und Naturressourcen durch Unternehmen.

Die gleichen Forderungen gab es bei einer Demonstration in Quiché, wo über eine starke Präsenz der Nationalen Zivilpolizei PNC (Policía Nacional Civil) berichtet wurde. Die Polizei postierte sich vor dem Gebäude der Regionalregierung. Zwischenfälle wurden jedoch nicht berichtet. In Alta Verapaz demonstrierten Anwohner*innen verschiedener Gemeinden in den Hauptstraßen von Cobán um gegen die Missachtung der Rechte von indigenen Völkern zu protestieren. Die Gemeinde der Chortí des östlichen Departments Chiquimula hatte ebenfalls zu einer Demonstration aufgerufen.

Daniel Pascual, von der Koordination und Vereinigung der Maya Waqib Kej (Coordinación y Convergencia Maya Waqib Kej) erklärte, die Märsche dienten auch dazu, die Regierung Álvaro Colom daran zu erinnern, dass sie immer noch nicht ihre Versprechen gegenüber den Bewohner*innen von San Juan Sacatepéquez, Guatemala und von San Miguel Ixtahuacán, Hueheutenango vom vergangenen Juli eingelöst hat. Die Anwohner*innen dieser Region lehnen den Bau der Zementfabrik von Cementos Progresos bzw. die Präsenz der Mine Marlin in ihren Territorien ab. Die Forderungen der Bäuerinnen und Bauern umfassen außerdem den Anspruch auf Land und einen Stopp der Landvertreibungen. Zudem stehen sie einer Erkundung und Ausbeutung von Erzen völlig ablehnend gegenüber, da diese Vorhaben die Natur stark zerstören.

Die Organisator*innen der Proteste betonten, dass das politische System mittels seiner Regierungen versuche, die Stimmen sowie die Kämpfe der indigenen Bevölkerung zum Schweigen zu bringen und die Gemeinschaften zu spalten. Auch wolle es Forderungen nach Gerechtigkeit durch assistenzialistische Programminitiativen, die dann nur wenigen zu Gute kommen würden, verstummen lassen. Das System kooptiere Führungspersonen, kaufe die Würde und vermarkte außerdem auch noch die Kosmovision der Maya und damit das Wesen und die innere Haltung der Indígenas zum Leben.

Im Anschluss an die Proteste in der Hauptstadt trafen sich vierzehn Führungspersonen und Vertreter*innen der Demonstrationsbewegung mit einer Abordnung der Regierung im Präsidentenpalast, um über konkrete Forderungen zu diskutieren. Diese beinhalteten unter anderem die Einstellung der Bergbauaktivitäten und die Schließung einer Zementfabrik.

CC BY-SA 4.0 Todesopfer bei Demonstration am Tag des Widerstandes der indigenen Völker von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

La lucha Mapuche Primer programa Radio Matraca, nueva temporada 2018 La causa mapuche por la autodeterminación territorial y política, se ha convertido cada vez con mayor fuerza en un factor de politización para otros movimientos sociales y para la ciudadanía en general, tanto en Chile como en Argentina. Esta es sin duda una razón, aunque no la única ni la más persistente, que explica el nivel de represión y el ataque – judicial y policial – desatado por los Estado nacionales contra las comu...
Mindestens 14 Gemeindeführer*innen seit Dezember ermordet „Unsere einzige Möglichkeit als Basisgruppen bleibt die öffentliche Anklage und die Forderung nach Sofortmaßnahmen seitens des Staates“. Begräbnis von Temístocles Machado, ermordet am 27. Januar 2018 in Buenaventura. Foto: Colombiaplural (Caracas, 30. Januar 2018, telesur).- Am Dienstag, den 30. Januar wurden mit Nixon Mutis und Leidy Amaya zwei weitere Gemeindeführer*innen aus den kolumbianischen Departments Sur de Bolívar und Catacumbo (Region Karibik und Santander) erm...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST / Bildquelle: Dowglas Silva/MST (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen de...
Hinhörer: Wahrheit, Gerechtigkeit, Erinnerung Hinhörer Menschenrechte auf den Punkt gebracht. Heute: Wahrheit, Gerechtigkeit und Erinnerung Folter, sexualisierte Gewalt, Mord, Verschwindenlassen von Personen: durch Militärs, bezahlte Auftragskiller, Kartelle oder Banden – das schreit nach Aufklärung, damit die Luft zum Atmen reicht! ¡Nunca más - nie wieder!  

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.