Mexiko

Todesdrohungen gegen Journalistin Lydia Cacho


Lydia-Cacho by Mari Resendiz wikipedia(Mexiko-Stadt, 31. Juli 2012, cimac).- Nach erneuten Todesdrohungen hat die mexikanische Journalistin und engagierte Menschenrechtsaktivistin Lydia Cacho vorübergehend das Land verlassen. Das teilte die Nachrichtenagentur EFE mit, sowie die internationale Organisation Artikel 19, die sich für Meinungsfreiheit weltweit einsetzt.

Demnach befand sich Cacho am Samstag, 28. Juli nachmittags in ihrem Studio, als sie über ihr Radio eine Todesdrohung erhielt. Aus den Lautsprecherboxen ertönte eine männliche Stimme, die sie aufforderte, sich nicht mit ihnen anzulegen. Danach seien die Drohungen ausgestoßen worden, teilte Artikel 19 in einer Erklärung mit. „Als das passiert ist, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen“, wird Cacho von EFE zitiert. „Es fühlt sich immer schrecklich an, wenn man so etwas Groteskes hört.“

Täter in unmittelbarer Nähe

Sicherheitsexpert*innen vermuten, dass die Täter Zugang zu entsprechender Technologie besitzen, um sich in den Sender einzuschalten und gehen daher davon aus, dass sie auf Befehl des Organisierten Verbrechens handelten. Besonders erschreckend sei, dass sie sich aus einem Umkreis von weniger als fünf Kilometern zugeschaltet haben. Cacho erstattete Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft; sie befindet sich bereits seit 2009 in einem von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH angeordneten Schutzprogramm.

Bereits Mitte Juli berichtete die Tageszeitung El Informador von Drohungen per Telefon und E-Mail gegen Cacho wegen ihrer Arbeit als Journalistin. Sie hatte wiederholt die Mittäterschaft von Politikern und Unternehmern bei Netzwerken von sexueller Ausbeutung und Kinderpornografie angeprangert.

Cacho erklärte, sie werde weiter an ihrem neuen Buch arbeiten, aber nicht eher nach Mexiko zurückkehren, solange sie keine Garantien zu ihrem Schutz erhalte. In einer Eilaktion vom 2. August forderte Amnesty International genau dies von den mexikanischen Behörden, sowie eine „sofortige und umfassende Untersuchung“ der Drohungen.

 

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