Puerto Rico

Studentenstreik: Übergriffe von Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung


Demonstration am 26. Januar, Foto: CMI-Puerto Rico / Indymedia

© CMI-Puerto Rico Indymedia

(Fortaleza, 26. Januar 2011, adital).- Der Einsatz von Spezialeinheiten der Polizei zur Aufstandsbekämpfung gegen den zivilen Widerstand von streikenden StudentInnen geriet am 24. Januar völlig außer Kontrolle, nachdem Pressevertreter*innen versucht hatten, den Einsatz von Foltertechniken seitens der Polizei zu dokumentieren. Die Polizei verhaftete einen Journalisten, fünf andere wurden leicht verletzt, berichtet die Agentur Adital.

Pressevertreter*innen und Demonstrant*innen misshandelt

Unter den von der Polizei angegriffenen Journalist*innen befindet sich eine Fotografin der alternativen Medienagentur Indymedia. Bei dem inhaftierten Journalisten handelt es sich um einen Radioreporter des studentischen Streikradios “radio huelga”, der live von den Auseinandersetzungen mit der Polizei berichtet hatte.

In Presseberichten heißt es, die Polizei habe versucht, durch den Einsatz von Gewalt gegen Pressevertreter*innen zu verhindern, dass Übergriffe auf Demonstrant*innen dokumentiert werden konnten. Ein Polizist habe etwa die Knie leicht gebeugt und sich dann mit vollem Körpergewicht auf einen verhafteten und bereits mit dem Kopf nach unten am Boden liegenden Demonstranten fallen gelassen.

Streikende beklagen Einsatz von „Foltertechniken“

Polizeioberst Leovigildo Vázquez hat nach Berichten von Indymedia den Einsatz spezieller Techniken bestätigt, die von den Einheiten zur Aufstandsbekämpfung angewendet würden. Damit sollen bei den streikenden Student*innen besonders starke Schmerz hervorgerufen werden, habe Vázquez geäußert. Der Oberst habe allerdings Foltertechniken beschrieben, die nach dem puertoricanischen Strafrecht verboten sind, kritisierten Studentenvertreter*innen gegenüber der Presse.

Insgesamt seien bei der Demonstration 27 Menschen aus einem Sitzstreik heraus inhaftiert worden. Seit Beginn der Aktionen des zivilen Widerstandes vergangene Woche sind 130 Personen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Streik gegen Studiengebühren

An der Universität von Puerto Rico UPR wird seit Dezember letzten Jahres gestreikt. Grund für den Unmut der Student*innen ist die Erhöhung des Studienbeitrags auf 800 US-Dollar. Dadurch werde Bildung zu einem Luxusgut, so die Streikenden.

Bereits während der Streiks des letzten Jahres kam es wiederholt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Student*innen und Polizei. Zudem wird stark kritisiert, dass die Autonomie der Universitäten von den Einheiten verletzt wurde. Traditionell darf Universitätsgelände nicht von der Polizei oder von Militärs besetzt werden.

Puerto Rico ist assoziierter Freistaat der USA. Der Gouverneur von Puerto Rico wird alle vier Jahre direkt gewählt. Puerto Ricaner*innen besitzen zwar die Staatsbürgerschaft der USA, sind bei den US-Präsidentenwahlen jedoch ohne eigenes Stimmrecht, sofern sie nicht ihren Wohnsitz in einem der 50 „regulären“ Bundesstaaten der USA haben. Im Repräsentantenhaus des Kongresses ist Puerto Rico mit einem Abgeordneten ohne Stimmrecht vertreten.
 


Das könnte dich auch interessieren

Interview: Wirtschaftswissenschaftlerin Sanhueza fordert Reform der Sozialversicherung Von Andrea Martínez Wirtschaftswisschenschaftlerin Sanhueza fordert eine Reform der Sozialversicherung (Montevideo, 26. April 2017, la diaria).- Die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Sanhueza hat in Cambridge promoviert und forscht an der Universität Diego Portales in Santiago de Chile. Sie unterstützt die Gruppen, die eine Reform der Sozialversicherung in Chile fordern, da sie der Ansicht ist, dass das aktuelle System nur für eine Minderheit funktioniert. Außerdem ...
Würdige Arbeit und Rente in Gefahr Von Andreas Behn, Rio de Janeiro Proteste gegen die geplanten Reformen bei der Rente und den Arbeitsrechten / Foto: RBA (Rio de Janeiro, 23. April 2017, npl).- „Sie wollen, dass wir sterben, bevor wir in Rente gehen. Damit wir keine Kosten mehr verursachen“, sagt eine Demonstrantin. Seit Wochen kommt es in Brasilien zu Protesten gegen die Sparpolitik von Präsident Michel Temer. Den Gürtel enger schnallen sei der einzige Weg, die schwere Wirtschaftskrise zu überwinden...
Brasilien: Frauen und Schwarze stärker von Arbeitslosigkeit betroffen Von Railídia Carvalho*, correiocidadania.com.br Protestkundgebung Schwarzer Frauen (November 2015) / Foto: Janine Moraes, Ministerio da Cultura, CC BY 2.0 (Montevideo, 03. April 2017, Comcosur).- Eine Umfrage zu soziologischen Fragestellungen des Brasilianischen Instituts für Geographie und Statistik IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) belegt mit Zahlen, was in der brasilianischen Gesellschaft bereits wahrnehmbar ist: Frauen und Menschen mit schwarze...
Krankenschwestern im Hungerstreik Von Redaktion cimac Gestandene Krankenschwestern im Hungerstreik / Foto: chiapas paralelo/cimac (Mexiko-Stadt/Tuxtla Gutierrez, 03. April 2017, cimac-chiapas paralelo).- Am 3. April traten die Krankenschwestern María de Jesús Espinosa de los Santos, Cielo Gramajo Cundapí, Elivón Castillo Escobar, Verónica Zenteno Pérez und María Isidro Orozco in einen Hungerstreik, um ihre Wiedereinstellung in die Frauenklinik in Tuxtla Gutierrez, der Hauptstadt des Bundesstaates Chi...
ILO: 2,5 Millionen junge Frauen in Lateinamerika haben keinen Job Aussichten auf höher qualifizierte Arbeit sind eingeschränkt Davon fällt ein Anteil von 17,1 Prozent (2,565 Millionen) auf junge Frauen, der sich abhebt von den 11,4 Prozent der arbeitslosen jungen Männer. Laut ILO sind 20 Prozent der jungen Frauen in Haushalten beschäftigt „was die Aussicht auf eine berufliche Eingliederung in Tätigkeiten mit höherer Qualifizierung einschränkt“. Zudem seien die Beschäftigungsverhältnisse von mehr als die Hälfte der arbeitenden jungen Mensche...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.