Brasilien

Streit um Wasserkraftwerk


von Tina Kleiber, Christian Russau

(Darmstadt, 03. Februar 2010, amerika21.de).- Brasilia. Die brasilianische Bundesumweltbehörde IBAMA hat am Montag die vorläufige Umweltlizenz für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Fluss Xingu erteilt. Dieser Schritt erfolgte nur knapp vor einer Ausgabensperre für solche Lizenzen, die bis zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober nicht mehr ausgegeben werden dürfen. Damit kann bereits im April mit der Ausschreibung für die Baufirmen begonnen werden. Das Projekt mit einer Kapazität von über elf Gigawatt soll vor allem Strom für die exportorientierte Aluminiumindustrie liefern, sowie die Großstädte im Süden des Landes versorgen. Nach dem Werk am Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem Itaipú-Werk in Brasilien und Paraguay würde mit Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt errichtet.

Unlängst hatte ein 20-köpfiges ExpertInnenteam brasilianischer Universitäten ein Gutachten erstellt, das auf die immensen ökologischen und wirtschaftlichen Kosten des Bauvorhabens hinweist. Diese Kosten stünden nicht im Verhältnis zu dem wirtschaftlichen Nutzen, so das Fazit.

Gegen das Projekt gibt es seit über 20 Jahren erbitterten Widerstand, vor allem seitens der Kayapó und anderer indigener Völker sowie durch Flussanwohner*innen und soziale Bewegungen. Der Xingu verläuft in einer der Regionen mit der höchsten Biodiversität Brasiliens. Unweit der Stelle, wo der Xingu und die transamazonische Bundesstraße sich treffen, wurden Schutzzonen erkämpft, die sich auf insgesamt acht Millionen Hektar erstrecken. Acht indigene Schutzgebiete und fünf Sammelgebiete versuchen den Lebensstil indigener Völker und anderer traditioneller Gemeinschaften zu erhalten.

Diese Gebiete sind wiederum Teil eines Schutzkorridors von 28 Millionen Hektar. In diesen Waldschutz investierten schon in den 1980er Jahren die G-7-Staaten. Deutschland allein hat bisher 300 Millionen Euro in das Waldschutz-Pilotprogramm PPG7 eingebracht.

“Es ist ungeklärt, was mit den von Belo Monte vertriebenen Menschen geschehen soll und wie die besonders waldreiche Region den wahrscheinlichen Zuzug von bis zu 300.000 Menschen verkraften soll”, sagte Marcelo Salazar vom Umweltinstitut Instituto Socioambiental (ISA) im Gespräch mit amerika21.

Bereits im Dezember hatte es in der Umweltbehörde IBAMA Streit über die Lizenz für Belo Monte gegeben. Zwei führende Mitarbeiter, die sich der Vergabe der Umwelt- und Baulizenzen für Belo Monte verweigert hatten, mussten nach Presseberichten ihre Posten auf Druck der Regierung aufgeben.

CC BY-SA 4.0 Streit um Wasserkraftwerk von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Angriff auf Aktivisten gegen Wasserkraftwerk in Honduras Von Daniela Dreißig Martín Fernández, Generalkoordinator der Menschenrechtsorganisation "Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" (MADJ) aus Honduras / Foto: privat (09. August 2017, amerika21).- Am  Freitag, 4. August sind in Honduras Martín Fernández, Generalkoordinator der Menschenrechtsorganisation "Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" MADJ (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia) und Oskar Martínez, Mitglied der MADJ, von etwa 20 bewaffneten M...
Kubas Strände schwinden Kubas Strände fallen zunehmend schmaler aus - schützende Mangrovenwälder sind kaum noch vorhanden / Foto: k@mphuis, cc-by-nc-nd-2-0 (Lima, 28. Juni 2017, noticias aliadas).- Kuba hat einen Rückgang seiner Küstenstrände um 1,2 Meter jährlich festgestellt. Anzeichen von Erosion gebe es an 82 Prozent der 499 Stränden des Landes. Dies geht aus einer Studie des kubanischen Ministeriums für Wissenschaft, Technik und Umwelt hervor, die am vergangenen 5. Juni, dem Weltumwelttag, ...
Nach Giftunfall: Umweltminister verfügt Betriebsstopp der Mine Veladero Die Mine Veladero liegt in der Provinz San Juan / Foto: Ferjacon, CC BY-SA 4.0 (Lima, 01. Mai 2017, noticias aliadas).- Der argentinische Umweltminister Sergio Bergman hat am 19. April 2017 eine einstweilige Verfügung unterzeichnet, mit der die Aktivitäten der Bergbaumine Veladero in der nordwestargentinischen Provinz San Juan bis auf Weiteres gestoppt werden. Anlass für diesen Schritt ist der Austritt giftiger Flüssigkeiten am vergangenen 28. März. Man wolle „verhindern,...
Greenpeace klagt an: Das Trinkwasser in Argentinien ist in Gefahr Kaputte Sammelbecken Die Sammelbecken der namhaften Mineralölfirmen seien alt und schadhaft und die Kontrollen durch die Behörden selten, wobei die verseuchten Gebiete nicht mit einbezogen würden. Außerdem befände sich der Petrochemie-Komplex Dock Sud an der Mündung des Flusses Riachuelo und am Ufer des Río de la Plata – in einem der am dichtesten bevölkerten Gebiete des Landes. Mit Blick auf den erneuten Jahrestag der Urteilsverkündung – am 8. Juli 2008 ordnete der Oberste ...
Die Verdammten der Sierra Norte Grundrechte der Völker ignoriert Allerdings besitzt allein der kanadische Konzern Almaden Minerals über seine Tochterunternehmen Minera Gavilán, Minera Zapata und Minera Gorrión 13 Titel, die 73 Prozent des konzessionierten Bodens ausmachen. Weitere 46 Konzessionen, die 22 Prozent der konzessionierten Oberfläche umfassen, gehören dem Unternehmen Minera Dominan. Dahinter steht das mexikanische Kapital von Grupo Ferrominero, Grupo Frisco und Grupo Peñoles. Auf Grund dieser Situ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.