Argentinien

Streit um Gletscherschutz und -nutzung geht weiter


(Rio de Janeiro, 10. April 2009, púlsar).- In Argentinien gehen die Auseinandersetzungen um den Schutz der Gletscher des Landes weiter. Nachdem Argentiniens Präsidentin am 13. November ein Veto gegen ein von beiden Kammern des Kongresses genehmigtes Gesetz zum Schutz der Gletscher eingelegt hatte (siehe Poonal Nr. 823), forderte die ehemalige Abgeordnete Martha Maffei auf einer öffentlichen Anhörung am 30. März, alle Argentinier*innen sollten die Gletscher mit allem, was sie hätten, verteidigen, denn in ihnen seien 70 Prozent des Süßwassers, das Argentinien besäße, gelagert.

Maffei ist Mitautorin des Gesetzes, das die argentinische Regierung stoppte und das minimale Standards vorschrieb, um die Gletscher mit ihren natürlichen Reserven an Süßwasser aber auch die Umweltzonen, in denen die Gletscher liegen, zu schützen. So sollten per Gesetz Aktivitäten, die umweltverschmutzende Substanzen freisetzen, die Bebauung der Gletscherzonen, Bergbau- oder industrielle Unternehmungen, eingeschränkt bzw. ganz verboten werden. Doch die Gletscher und die in ihnen gelagerten Vorkommen an Gold und Kupfer haben längst die Begehrlichkeit von Bergbaukonzernen geweckt.

Aktuell beschuldigen Umweltschützer das transnationale Minenunternehmen Barrick Gold Corporation, in ihrem Goldabbauprojekt in Veladerio in der Provinz San Juan, Gletscher der Kordillerenregion nachhaltig zu schädigen. An Beweisen legten die Umweltschützer*innen u.a. Film- und Fotofaufnahmen vor. Die Stiftung Unabhängiger Bürger*innen FUCI forderte deshalb den Obersten Gerichtshof Argentiniens auf, die Aktivitäten von Barrick Gold in der Region zu untersuchen. Insgesamt solle die Regierung alle Bergbauaktivitäten in der Kordillerenregion erfassen und überwachen. So solle der Gefahr vorgebeugt werden, dass sich die Gletscher verringern oder die Qualität des in ihnen gelagerten Süßwassers abnimmt. Barrick Gold plant, im Projekt Pascua Lama in der Grenzregion von Argentinien und Chile drei Gletscher zu „verschieben“, um an darunter lagerndes Gold heran zu kommen.

Der Biologe und Umweltschützer Raúl Montenegro griff die argentinische Regierung und die Behörden auf der öffentlichen Anhörung für ihre Unterstützung von Bergbauaktivitäten in den sensiblen Gletscherregionen scharf an. Die transnationalen Bergbaukonzerne, die im Land operierten, seien eine „Gefahr“. Neben den Gletschern müssten auch die Wasserquellen in den Gletscherregionen geschützt werden. Montenegro forderte die Regierung auf, das vom Kongress verabschiedete Gletschergesetz anzunehmen und umzusetzen. Man müsse den Gouverneuren in den Kordillerenprovinzen, die für die Bergbauaktivitäten seien, ein klares „Nein“ entgegnen auf ihre „absolut zerstörerischen Projekte“.

Auch Maffei forderte, das Gletscherschutzgesetz müsse umgesetzt werden und kritisierte, dass es in Argentinien „keine Regulierung und keine Kontrolle existiert, was Aktivitäten angeht, die die öffentlichen Güter des Landes und das Wasser beeinträchtigen könnten“. Niemand im Land wisse, wie es um die Gletscher stehe. Es sei also dringend geboten, ein Gletscherregister einzuführen, das permanent aktualisiert werden müsse. Bergbauaktivitäten, die Durch- oder Anbohrung der Gletscher und andere Arbeiten in den Gletschergebieten müssten verboten werden. Nur so können man das „Leben der Menschen, die Land- und Viehwirtschaft, die Aufzucht von Tieren, die Trinkwasserversorgung und damit die Gesundheit aller“ schützen, so Maffei. In Argentinien wird der Zugang zu Trinkwasser nicht als Menschenrecht anerkannt.

CC BY-SA 4.0 Streit um Gletscherschutz und -nutzung geht weiter von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

„Wenn nur die Kohle zählt“ – Der Tagebau El Cerrejón im Norden Kolumbiens
105
(Berlin, 12. Februar 2019, npl).- Die deutsche Kohlekommission beschloss am 24. Januar 2018 mit dem sogenannten Kohlekompromiss den Ausstieg aus der Kohleproduktion bis zum Jahr 2038, also in knapp zwanzig Jahren. In Kolumbien ist das Ende bisher noch weniger in Sicht: Mit 69.000 Hektar, einer Fläche so groß wir fast hundert Fussballfelder, ist El Cerrejón im Norden Kolumbiens der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas und einer der größten weltweit. Die Lebensgrundlage für ...
onda-info 453
79
Hallo und Willkommen zum onda-info 453! Zunächst nach El Salvador: Ihr erhaltet ihr einen kurzen Überblick über die Präsidentschaftswahlen und den zukünftigen, etwas konturlosen Präsidenten Nayib Bukele. „Land, Kultur, Autonomie, die indigene Bewegung im Cauca“ heißt die im Januar 2019 vom Kollektiv Zwischenzeit herausgegebene Broschüre zu Kolumbien. In 22 Artikeln wird die emanzipatorische Bewegung der indigenen Gemeinschaften im Cauca im Südwesten Kolumbiens so eindri...
Bisher 134 Tote bei Dammbruch in Minas Gerais
115
(São Paulo, 25. Januar 2019, brasil de fato/poonal).- Im südbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais brach am 25. Januar der Staudamm eines Rückhaltebeckens in Brumadinho, im Ballungsgebiet von Belo Horizonte. Der Damm gehörte zur Eisenerzmine „Córrego do Feijão“ des Bergbaukonzerns Vale. Mittlerweile geht man von 134 Toten und 199 Verschwundenen aus. 192 Menschen konnten gerettet werden; 108 waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die Regierung des Bundesstaates hält die ...
Wenn nur die Kohle zählt
126
Die deutsche Kohlekommission beschloss am 24. Januar 2018 mit dem sogenannten Kohlekompromiss den Ausstieg aus der Kohleproduktion bis zum Jahr 2038, also in knapp zwanzig Jahren. In Kolumbien ist das Ende bisher noch weniger in Sicht: Mit 69.000 Hektar, einer Fläche so groß wir fast hundert Fussballfelder, ist El Cerrejón im Norden Kolumbiens der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas und einer der größten weltweit. Die Lebensgrundlage für die Menschen, die hier weiterhi...
onda-info 452
80
Hallo und Willkommen zum onda-info 452! Unser knallvolles Infomagazin startet jetzt mit einer Nachricht aus Brasilien von der erneuten, verheerenden Schlammlawine in Minas Gerais. Schon im November 2015 begrub eine gewaltige Schlammlawine in Brasilien mehrere Dörfer unter sich. Damals brach das Klärbecken einer Eisenmine, ebenfalls im Bundesstaat Minas Gerais. Einen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr in unserem Archiv Fokus Menschenrechte 2016. Das onda-info geht wei...