Mexiko

Streik der Studierenden an der UNAM


Studi-Demo gegen Gewalt
Foto: desinformémonos

(Berlin, 11. September 2018, poonal).- An mindestens 32 Einrichtungen der Nationalen Autonomen Universität Mexikos – kurz UNAM – traten die Studierenden am 4. September in den Streik. Diesem schlossen sich binnen kürzester Zeit Kommiliton*innen in ganz Mexiko an. Zehntausende von ihnen gingen in Mexiko-Stadt und weiteren Städten des Landes auf die Straße und forderten ein Ende der Gewalt an Mexikos Hochschulen.

Streik für Verbesserung der Sicherheitslage

Mit ihrem Streik reagierten die Studierenden auf Angriffe von Schlägertrupps auf Schüler*innen des geisteswissenschaftlichen Gymnasiums der UNAM. Die Schüler*innen hatten neben dem Rücktritt der Rektorin, eine Aufstockung des Lehrkörpers und die Aufklärung des Feminizids an einer Mitschülerin eingefordert. Als sie Anfang September zum Rektorat der UNAM gezogen waren, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurden die Demonstration von sogenannten Porros – Schlägertrupps – angegriffen. Mehrere Schüler*innen wurden dabei zum Teil schwer verletzt.

Während der folgenden, landesweiten Demonstrationen forderten die Studierenden ein Ende der zunehmenden Gewalt an ihren Hochschulen. Denn seit Jahren verschlechtert sich die Sicherheitslage an den öffentlichen Universitäten des Landes. Immer wieder kommt es zu Überfällen, Entführungen, Vergewaltigungen und sogar Morden auf dem Gelände der Lehreinrichtungen.

„Sie haben uns verscharrt, aber sie wussten nicht, dass wir Samen sind“, Demo in Toluca
Foto: desinformémonos

Studierende fordern Auflösung der Schlägertrupps

Für nicht wenige dieser Gewalttaten werden die Porros, organisierte Schlägertrupps, verantwortlich gemacht. Im Auftrag der Universitätsleitung oder einzelner politischer Parteien sollen diese studentische Proteste unterdrücken. Eine der Hauptforderungen der streikenden Studierendenschaft ist deshalb die Auflösung dieser Schlägertrupps, von denen es allein an der UNAM um die 40 geben soll.

Auch wenn diese Forderung von weiten Kreisen der Gesellschaft bis hin zum neu gewählten Präsidenten unterstützt wird, muss sie direkt zwischen Studierenden und der Leitung der UNAM verhandelt werden. Denn als autonome Universität hat sie ihre eigene Gerichtsbarkeit. Und diese untersagt staatlichen Sicherheitskräften den Zugang zum Universitätsgelände.

 

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