Ecuador

Steuererhöhungen zur Finanzierung des Wiederaufbaus nach Erdbeben


Zerstörtes Haus nach Erdbeben in Ecuador

Zerstörtes Haus nach Erdbeben in Ecuador / Foto: Internationales Rotes Kreuz, CC BY-SA 2.0, flickr

(Montevideo, 22. April 2016, la diaria).- Die ecuadorianische Regierung erklärte, sie werde “außergewöhnliche Maßnahmen” ergreifen, um den Wiederaufbau in den vom Erdbeben betroffenen Regionen des Landes zu bewerkstelligen. Am vergangenen 16. April wurde Ecuador von einem Erdbeben erschüttert, dem 557 Menschen zum Opfer fielen, 5.733 Personen wurden verletzt und 163 Menschen gelten als vermisst. Tausende Betroffene beschwerten sich unterdessen, weil die humanitäre Hilfe sie nicht erreiche. Nach Aussage von Ecuadors Präsident Raffael Correa liege das Problem im Verteilungssystem.

Einen Tag im Monat für den Wiederaufbau arbeiten

Correa kündigte die Erhöhung von Steuern und Beiträgen zur Finanzierung des Wiederaufbaus in den vom Beben betroffenen Gebieten an. Auch wenn die genaue Höhe des Schadens noch nicht beziffert werden könne, rechne man mit drei Mrd. US-Dollar. „Wenn ich mich nicht irre, bedeutet dies einen Verlust von etwa drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, erklärte der Präsident vergangenen Mittwoch in einer Fernsehansprache an die ecuadorianische Bevölkerung.

Um diese Verluste auszugleichen will der Staat steuerliche Maßnahmen ergreifen. Die Mehrwertsteuer soll für ein Jahr um zwei Prozentpunkte von derzeit zwölf auf 14 Prozent angehoben werden. Zwei andere Steuern werden nur für die kommende Zahlung erhöht: die Steuer auf Unternehmensgewinne wird für die Mehrzahl der Sektoren von 15 auf 18 Prozent erhöht und die Steuer auf Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar um 0,9 Prozentpunkte. Wer mehr als 1.000 US-Dollar monatlich verdient, muss anteilig den Lohn eines Arbeitstages als Unterstützung beisteuern: „Wer 1.000 [US-Dollar] verdient, wird einen Tag als Beitrag leisten, nur einen Monat lang; wer 2.000 verdient, einen Tag zwei Monate lang; bis zu jenen, die 5.000 verdienen und fünf Monate lang einen Tag beitragen werden“, erklärte Correa.

“Strukturelle Probleme löst man nicht mit spontanen befristeten Aktionen oder mehr Großzügigkeit gegenüber diesen oder jenen […] Deshalb mussten wir Maßnahmen planen, mit denen die Solidarität und das kollektive Handeln in diesen schwierigen Momenten ihre Wirkung am besten entfalten“, argumentierte Correa. Weiter führte er aus, dass diese „außergewöhnlichen“ und „vorübergehenden“ Maßnahmen angesichts der „Höhe und dem unvermittelten Auftreten der Kosten“ notwendig seien. Gleichzeitig nahm er vorweg, dass die Regierung die Möglichkeit von Staatsanleihen auf dem internationalen Markt nicht ausschließe und weitere Maßnahmen plane. Er erinnerte daran, dass das Parlament derzeit eine Steuerreform prüfe, die die Exekutive vor wenigen Tagen vorgelegt habe. „Wir haben unsere Opfer beweint und wir werden sie weiter beweinen, doch ich möchte nochmals betonen, dass diese Tränen den Boden unserer Zukunft befruchten werden“, unterstrich der Präsident.

Präsident Correa will Verteilungsprobleme bei Hilfen schnell lösen

Correa, der in den letzten Tagen die betroffenen Regionen besucht hatte, erklärte, viele Personen hätten keinen Schaden nehmen müssen, wenn die Gebäude gemäß den Bauverordnungen errichtet worden wären, die nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010, verschärft worden waren. „Für uns ist das eine Chance, unsere Städte besser zu planen“, fügte er hinzu.

Unterdessen haben Tausende Menschen in den am stärksten vom Erdbeben betroffenen Gebieten beklagt, keine humanitären Hilfen erhalten zu haben. Vor allem fehle es an Wasser und Essen. Laut Correa bestehe das Problem jedoch nicht in fehlenden Hilfen, sondern liege im Verteilungssystem. „Gerüchten zufolge fehle es an Wasser […] Wasser gibt es im Überfluss! Das Problem ist die Verteilung“, so der Präsident, der versprach, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden.

 

banner 2016

CC BY-SA 4.0 Steuererhöhungen zur Finanzierung des Wiederaufbaus nach Erdbeben von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Erdbebenopfer in Oaxaca starten „Karawane der Vergessenen“ Die "Karawane der Vergessenen" im südmexikanischen Oaxaca. Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 16. April 2018, desinformémonos).- Etwa 500 Mitglieder der Zentralen Koordinierungsstelle für Geschädigte im Isthmus (Coordinadora General de Damnificados del Istmo) brachen als „Karawane der Vergessenen“ in Richtung Mexiko-Stadt auf. Sie fordern von den Bundesbehörden eine zweite Zählung, in der die 41 Gemeinden des Isthmus von Tehuantepec in Oaxaca mit einbezogen werden, die ...
Erdbebenopfer befürchten Veruntreuung von Hilfsgeldern Direktor Alejandro Matus RamosFoto: Knut Hildebrandt - Copyright 2018 (Oaxaca, 11. März 2018, npl).- Es sei nicht viel geschehen in den sechs Monaten seit dem Erdbeben, erzählt Alejandro Matus Rámos. Direktor Matus, wie er von allen genannt wird, leitet eine kleine Grundschule in San Dionisio del Mar, im Isthmus von Tehuantepec. Vier Klassenzimmer waren so stark beschädigt, dass sie sofort abgerissen wurden. Über zwei weitere wird noch entschieden. Wie es weiter gehen wird,...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
Das Leben nach dem Erdbeben in Mexiko-Stadt Von Ana Ivonne Cedillo Nach dem Erdbeben: Señor Enique bügelt auf der Straße / Foto: José Luna, desinformemonos (Mexiko-Stadt, 04. Dezember 2017, desinformemonos).- Drei Zeug*innen erzählen davon, wie sie ihr Leben nach dem Erdbeben, das Mexiko-Stadt am 19. September erschüttert hat, wieder aufbauen. Hier sind ihre Geschichten: Der Friseursalon „El Ángel“ von Adela María Adela will nicht darüber sprechen, was am 19. September passiert ist. Diese Momente seien so ...
Interview mit Dr. Aleida Guevara – Das lebendige Erbe eines absoluten Kämpfers Von Sergio Ferrari Dr. Aleida Guevara / Foto: Italo Cherubini, alai (Quito, 02. Oktober 2017, alai).- Ein halbes Jahrhundert nach seiner Ermordung im bolivianischen La Higuera zählt Ernesto Che Guevara auch heute noch zu den weltweit am meisten wahrgenommenen politischen Persönlichkeiten. Kaum eine soziale Bewegung, die nicht das Konterfei des argentinisch-kubanischen Guerilla-Kämpfers abbildet, der im Alter von nur 38 Jahren im bolivianischen Urwald erschossen wurde. ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.