Brasilien

Staatsanwaltschaft: Guarani Kaiowá sind praktisch eingesperrt


von Celília de Paiva, Comire Oeste 1/ Revista Missões

Brasilien Indigene. Foto: Archiv(Fortaleza, 29. November 2012, adital).- Ende November besuchten Mitglieder der sechsten Koordinations- und Prüfkammer (6a CCR) der Bundesstaatsanwaltschaft MPF die südlichen Gemeinden des Bundesstaates Mato Grosso do Sul, nachdem es Beschwerden wegen der Verletzung der Grundrechte der Indigenen gegeben hatte. “In Mato Grosso do Sul wird uns von Tod und Freiheitsberaubung erzählt”; mit diesen Worten stellten sie die Ergebnisse ihrer Reise auf einer Pressekonferenz in Campo Grande am 28. November 2012 vor.

Existenzielles Grundrecht verletzt

Ohne garantierten und legalen Grund und Boden gebe es kein “Tekoka” oder würdevolles Leben, wie die Indigenen ihren Lebensstil nennen. Die Guarani Kaiowá in dem Bundesstaat lebten in einer Situation, die mit einem Gefangenenlager vergleichbar sei. Sie seien ohne Zufahrtswege zwischen Urwald und Flussufer eingezwängt. “Es ist undenkbar, dorthin zu gelangen, um über Gesundheit oder Bildung zu reden, denn sie sind nur scheinbar frei. Das existenziellste Grundrecht wird verletzt”.Grundlegende Rechte verletzt

Wie die stellvertretende Bundesstaatsanwältin Gilda Pereira de Carvalho erläuterte, bestand die Gruppe aus Staatsanwält*innen und Anthropolog*innen und besuchte Iguatemi, Pyelito Kue, Paranhos, Arroyo Corá und die Gemeinde Rio Y’Poi. Die Gruppe sei während ihrer Besuche sehr emotional empfangen worden, mit Tänzen und indigenen Gesängen, Dennoch “sieht man viel Leid und die Körper der Alten sind gezeichnet, auch von Schusswunden. Die Indigenen von Pyelito Kue wünschen sich eine Straße, denn bisher können sie nur mit Hilfe eines festgebundenen Seils den Fluss überqueren”, so die Staatsanwältin.

Erhalt der indigenen Kultur

Bezogen auf den Einfluss auf die indigenen Traditionen glaubt Gilda Pereira de Carvalho, dass die Spiritualität und die indigenen Charakteristika sehr stark seien. “Die Indigenen können sich zwar an unseren Lebensstil anpassen, aber das geschieht nicht mit dem ganzen Volk, sondern nur mit einem Teil. Sowohl die Verfassung als auch internationale Abkommen verlangen den Erhalt der indigenen Kultur. Es ist das Recht eines jeden Indigenen, so zu bleiben wie er will oder sich an eine andere Kultur anzupassen”, erläuterte die Vertreterin der MPF.

Die 6a CCR ist für die Rechte der Indigenen, der Minderheiten und der Bewohner*innen traditioneller Gemeinden zuständig. Sie wird nun einen Bericht schreiben, in dem Maßnahmen empfohlen werden, die ergriffen werden sollen.

 

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

banner teilhabe-2012

CC BY-SA 4.0 Staatsanwaltschaft: Guarani Kaiowá sind praktisch eingesperrt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Broschüre: Land, Kultur, Autonomie- Die indigene Bewegung im Cauca
19
„Land, Kultur, Autonomie, die indigene Bewegung im Cauca“ so heisst die im Januar 2019 vom Kollektiv Zwischenzeit herausgegebene Broschüre zu Kolumbien. In 22 Artikeln wird die emanzipatorische Bewegung der indigenen Gemeinschaften im Cauca im Südwesten Kolumbiens so eindringlich dargestellt, dass ich als Leser*in selbst das Gefühl habe vor Ort zu sein. In vielen Interviews kommen Sprecher*innen der indigenen Gemeinden zu Wort, über die Kämpfe gegen die Multis, die Rolle der ...
onda-info 452
73
Hallo und Willkommen zum onda-info 452! Unser knallvolles Infomagazin startet jetzt mit einer Nachricht aus Brasilien von der erneuten, verheerenden Schlammlawine in Minas Gerais. Schon im November 2015 begrub eine gewaltige Schlammlawine in Brasilien mehrere Dörfer unter sich. Damals brach das Klärbecken einer Eisenmine, ebenfalls im Bundesstaat Minas Gerais. Einen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr in unserem Archiv Fokus Menschenrechte 2016. Das onda-info geht wei...
Mexikanische Regierung entschuldigt sich bei Lydia Cacho
157
(Oaxaca-Stadt, 16. Januar 2019, npl).- Am 10. Januar dieses Jahres erkannte der mexikanische Staat offiziell seine Verantwortung für die Entführung und Misshandlung der Journalistin Lydia Cacho an. In einer Zeremonie im Innenministerium in Mexiko-Stadt bat die mexikanische Regierung die international bekannte Journalistin um Entschuldigung. Die Entschuldigung erfolgte knapp sechs Monate nachdem Ende Juli 2018 die UN-Menschenrechtskommission Mexiko aufgefordert hatte, eine unp...
onda-info 450
94
Hallo und Willkommen beim onda-info 450, wir begrüßen euch alle im neuen Jahr und freuen uns, euch ein backfrisches onda-info präsentieren zu dürfen. Ihr hört zunächst einen Beitrag aus dem südmexikanischen Oaxaca. Dort wurden über 300 Bergbau-Konzessionen vergeben. Doch in vielen der betroffenen indigenen Gemeinden formiert sich Widerstand gegen den Abbau von Gold, Silber und anderen Erzen. Eine wichtige Rolle in dem Kampf gegen die Minen spielt das Radio. Ihr hört ein pa...
Eliten verteidigen die Straflosigkeit
43
„Lasst uns darauf einigen, Frieden (Ziel 16) an den Anfang zu stellen" (UN-Generalsekretär Antonio Guterres, in seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 1. Januar 2017). "Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen" schaffen und erhalten ist ein Ziel der UN. Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres sogar das erste und wichtigste. Im Dezember 2006 vereinbarten Guatemala und die UN die Einsetzung einer Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit. Genau in diese R...